Sonntag, 30. November 2014

Interview mit Gero von Breydenbach

Gero von Breydenbach, ein Templer aus Trier, lebt eigentlich im Jahre 1306 n. Chr. und soll zusammen mit einigen Mitbrüdern des Templerordens in die deutschen Lande ziehen, um dort in der Zisterzienserabtei Heisterbach einem Mittelsmann eine geheime Losung zu überbringen und damit das "Haupt der Weisheit" zu erwecken. Jedoch werden sie verfolgt und auf der Flucht in das 21. Jahrhundert katapultiert. Nun muss sich Gero in der Zukunft zurechtfinden. Zum Glück trifft er auf Hannah, die ihm hilft, sich in der modernen Welt zurecht zu finden. Doch Gero musste einiges zurücklassen. Und hat auch schon einiges durchmachen müssen. Unter anderem hat er den Tod seiner geliebten Elisabeth noch nicht richtig verkraften können.

Gero stellt sich heute einigen Fragen auf unserem Blog (Achtung, kleinere Spoiler). Wir sind froh, von ihm einen persönlichen Blick in sein Leben im 14. Jahrhundert zu erhaschen und ihn über sein Empfinden über die moderne Welt zu befragen.

Kleeblatt:
Hallo Gero, schön, dass Du Dir Zeit nimmst, Dich unseren Fragen zu stellen. Deswegen gleich zu Anfang etwas Trauriges: Elisabeth. Was ist deine schönste Erinnerung an sie?

Gero von Breydenbach:
Das ist mir jetzt zu privat. Können wir von was anderem reden? (Um ehrlich zu sein, geht mir Lissys Tod noch immer zu nah, um frei darüber sprechen zu können. *schluckt*. Und ich verspüre kein Bedürfnis euch irgendwas vorzuheulen. Denn, wie ihr vielleicht schon gemerkt habt: Männer aus meiner Zeit haben sehr viel näher am Wasser gebaut, als die Kerle in der Zukunft. Wir sind gefühlvoller in jeder Beziehung. Wir lieben leidenschaftlicher, wir lachen öfter, wir fluchen öfter, und wenn wir von einem Gegner aus der Reserve gelockt werden, schlagen (stechen?) wir wesentlich schneller zu…)

Kleeblatt:
Entschuldige, wenn dies zu privat war. Dann kommen wir zu etwas Fröhlichem: Hannah ist Dir eine große Stütze und hat Dir über vieles hinweggeholfen und Dich der modernen Welt näher gebracht. Wofür bist Du ihr dankbar?

Gero von Breydenbach:
Dass sie mich so akzeptiert, wie ich bin und nicht versucht, mich auch charakterlich in die Zukunft zu transferieren. Zudem verlangt sie nicht, dass ich den Führerschein mache und drängt mir auch keinen Computerkurs auf. Sie ist wirklich sehr rücksichtsvoll.

Kleeblatt:
Es gibt noch einen weiteren "Fels" in Deinem Leben. Struan und Du seid zwar nicht immer einer Meinung, doch seid ihr seit langem sehr gute Freunde. Ihr könnt euch aufeinander verlassen. Was schätzt Du an ihm am meisten?

Gero von Breydenbach:
Dass er die Klappe hält, wenn es darauf ankommt. Sei es in Gefahr, oder in persönlichen Dingen, wenn eine Diskussion gerade nicht angesagt ist.

Kleeblatt:
Als es Dich in die Zukunft verschlagen hat, war ja einiges neu für Dich. Welche „neumodische Erfindung“ war für Dich am interessantesten?

Gero von Breydenbach:
Soll ich jetzt ehrlich sein? Also gut – Hannahs BH. Was sich die Frauen in der Zukunft alles so einfallen lassen, um eine gute Figur zu machen – echt faszinierend. Ansonsten war natürlich alles neu und aufregend. Aber inzwischen habe ich mich an Autos und Fluggeräte gewöhnt (obwohl mir in beidem übel wird). Kühlschrank und elektrisches Licht sind natürlich auch nicht zu verachten. Was mich wirklich erschüttert hat, ist die Wirkung moderner Waffen.
Und wer – wie Tom – denkt, das Mittelalter war barbarisch, der sollte es mal mit der Zukunft vergleichen. Prozentual, habe ich mir sagen lassen, sterben im Jahr 2005 weitaus mehr Menschen bei Gewalttaten als 1305. Aber gut – der Mensch wird sich nicht ändern. Nie. Das ist meine Erkenntnis, die ich aus meinen Zeitreisen gezogen habe. Aber es gab und gibt auch was Gutes. Die Liebe, sie ist mir in beiden Zeiten begegnet und am Ende geblieben. Dafür werde ich ewig dankbar sein. Ganz gleich, wo ich gerade bin.

Kleeblatt:
Martina André – die Deine Geschichte in Büchern festhält – weiß sehr viel über Dich. Wie war es, mit ihr zusammenzuarbeiten und letztendlich Deine Geschichte auf Papier gedruckt zu sehen?

Gero von Breydenbach:
Komische Frage. Ich kann mich nicht erinnern, je mit ihr gearbeitet zu haben. Sie schreibt lediglich auf, was sie sieht und hört (*verfällt in Flüsterton*….): es ist ein bisschen unheimlich und auch nicht immer angenehm, wie sie allem Anschein nach unsere Gedanken lesen kann und manchmal schon vorab weiß, wie wir uns in bestimmten Situationen verhalten. Auch würde ich manchmal gerne einfach den Vorhang zuziehen, besonders, wenn es ans Eingemachte geht, wie wir so schön sagen. Aber da ist sie ziemlich gnadenlos und immer mit der Nase dabei. Ob wir uns lieben oder gerade jemand in Jenseits befördern. Sie ist der Meinung, eine perfekte Geschichte lässt nichts außen vor, zeigt die Erlebnisse der Protagonisten aus nächster Nähe und schaut auch nicht weg, wenn es mal brenzlig wird.

Kleeblatt:
Das stell ich mir auch sehr komisch vor. Zurzeit schreibt Martina ein neues Abenteuer von Dir auf. Magst Du vielleicht verraten, um was es sich dabei handelt?

Gero von Breydenbach:
Es geht nach Schottland, nachdem bei mir zuhause auf der Breidenburg im Jahr 1315 so ziemlich alles schief gelaufen ist, was schief laufen konnte. Nach unserem Erlebnis auf dem Sinai war ich eigentlich zuversichtlich, dass der Allmächtige ein Einsehen hat und mir keine weiteren Prüfungen auferlegt. Zumal die Aussicht, von Tante Margaretha an Sohnes statt als zukünftiger Graf von Lichtenberg zu Waldenstein angenommen zu werden, für Hannah und mich eine wundervolle Zukunft garantierte. Aber da war die Sache mit Tom. *seufzt*. Das hätte mir von Beginn an eine Warnung sein sollen. Aber anstatt wohlüberlegt zu handeln, habe ich mich benommen wie ein einfältiger Narr. Kein Wunder, wenn der Typ mich für einen Barbaren hält. Um Haaresbreite hätte es Hannah genauso gesehen. Wenn die Situation nach meiner Rückkehr aus Hemmenrode nicht so dramatisch gewesen wäre, hätte sie mich garantiert zum Teufel gejagt. (Ich war mir sicher, ich hätte es verdient). Dass sie überhaupt bei mir bleibt, obwohl das Leben an meiner Seite die reinste Tortur für sie sein muss, ist das eigentliche Wunder für mich. Erst recht, wie sie es klaglos erträgt, die Frau eines Geächteten zu sein und unser Kind einen wegen Mordes und Ketzerei gesuchten Templer zum Vater haben wird, der kein Erbe vorweisen kann. Schlimmer hätte es ja wohl kaum kommen können. Wobei es meinen Brüdern nicht besser ergeht, was natürlich kein Trost ist. Nach unserem denkwürdigen Erlebnis auf dem Sinai hätte ich uns allen ein schönes, gemütliches Leben gewünscht, indem das größte Abenteuer allenfalls die Wildschweinjagd gewesen wäre. Aber als Templer hätte ich wissen müssen, dass der Orden selbst, auch wenn er offiziell vernichtet wurde, immer noch für eine Überraschung gut ist. Ich gebe es zu, ich hätte mich zu gerne aus allem raus gehalten, allein schon wegen Hannah und dem Kind. Aber unter den gegebenen Umständen bleibt uns gar keine andere Wahl, als unser Schicksal anzunehmen und zu kämpfen. Und wie sagt Martina immer so schön: Es gibt keine Zufälle.

Kleeblatt: 
Wie sieht eigentlich Deine Zukunft mit Hannah aus?

Gero von Breydenbach:
Wenn ich das nur wüsste. Nun ist ja wieder alles offen und ich weiß nicht, wo wir am Ende landen werden. Ich kann nur beten, dass der Allmächtige über uns wacht und alles gut geht. Vor allem mit Hannah und dem Kind. Ich würde mir nie verzeihen, wenn den beiden etwas zustößt.

Kleeblatt:
Dein Leben im 13./14. Jahrhundert war hart und teilweise sehr schmerzvoll. Im Vergleich zum 21. Jahrhundert: was vermisst Du an deinem früheren Leben?

Gero von Breydenbach:
Früher war alles besser. Ich weiß, das ist ein blöder Spruch, zumal er nicht immer zutreffend ist. Aber vieles, was ich in der Zukunft erlebt habe, ließ mich mit der Sehnsucht zurück, endlich wieder nachhause zu kommen. Die Zukunft ist laut, und die vielen Maschinen wirken bedrohlich. Überall riecht es absonderlich und die Leute laufen einfach aneinander vorbei, ohne zu grüßen und sich zu kümmern, als ob sie schon selbst Teil dieser Maschinen geworden sind. Soweit ich es beurteilen kann, ist der Bezug zu Dingen, die einem tagtäglich begegnen, völlig verloren gegangen. Die wenigsten wissen noch, wo das Huhn herkommt, das sie zum Mittagsmahl auf ihrem Teller vorfinden. Oder wer die Suppe gekocht hat, die man vielleicht zwischendurch zu sich nimmt. Nicht selten ist die Grundlage dafür ein Pulver aus Tüten, das mitunter sogar den weiten Weg von China hinter sich gebracht hat, um die Mägen zu füllen.
Von den Kleidern der Leute, will ich gar nicht erst anfangen. Besonders die Frauen laufen bisweilen ohne Scham in Unterkleidern herum, die ihnen kaum bis über die Knie reichen. Aber noch schlimmer sind Hosen, bei denen man genau sieht, wie die Figur einer Frau beschaffen ist. Ich bin beileibe kein Moralapostel, auch wenn es vielleicht hier und da den Anschein erweckt, aber an meiner eigenen Frau sehe ich das nicht so gerne. Wobei niemand mehr weiß, wer sein Gewand genäht hat, geschweige denn, wo die oft merkwürdig anmutenden Stoffe herkommen. Ich könnte eine ganze Menge von Sachen aufzählen, die das Leben im meiner Zeit lebenswerter erscheinen lassen. Aber will nicht unfair sein. In der Zukunft können Verletzungen wesentlich besser geheilt werden und die wenigstens sterben am Fieber. Aber Hungersnöte gibt es dort auch, obwohl das bei all dem Fortschritt der angeblich dort herrscht, für mich schwer zu begreifen ist.

Kleeblatt:
Es gibt Vor- und Nachteile, in beiden Zeiten. Apropos Zeiten: Wie gefallen Dir eigentlich die Zeitreisen?

Gero von Breydenbach:
Überhaupt nicht. Ich möchte mit meiner Familie an einem Ort meiner Vorfahren sesshaft werden und ein gutes Leben führen. Aber es sieht ganz danach aus, als ob mir das nicht vergönnt sein wird.


Kleeblatt:
Deine Ausbildung zum Tempelritter war interessant zu lesen. Gibt es eine lustige Episode aus dieser Zeit?

Gero von Breydenbach:
Was wollt ihr hören? Wie Guy de Gislingham sich beim Abseilen von einem Turm vor Angst in die Hosen gepinkelt hat? Oder wie wir auf Zypern den besoffenen Lombarden die Hunde geklaut haben? Oder das dumme Gesicht von Brunissende de Foix (die Geliebte des Papstes, die ich als Templer auf einem Treck nach Poitiers begleiten musste) weil mich ihre nackten Brüste nicht interessierten … Am meisten habe ich gelacht, als Struan (ein Kerl wie ein Baum, gut zweihundertfünfzig Pfund reine Muskelmasse) bei der Durchsuchung einer Raubritterfestung nach Diebesgut direkt vor uns durch eine morsche Balkendecke eingebrochen ist. Nach dem ersten Schock sahen wir, er war ein Stockwerk tiefer auf einem Misthaufen gelandet, mitten im Schweinestall. Ihm war zum Glück nichts geschehen, aber ich werde nie sein dummes Gesicht vergessen, als er sich hochrappelte und aus nächster Nähe in das liebliche Antlitz einer Sau blickte, die vor Schreck in Ohnmacht gefallen war. (ich weiß, Menschen des Mittelalters haben einen absonderlichen Humor… *lacht*)

Kleeblatt:
Ich fands amüsant *lacht*. Welchen Rat kannst Du anderen geben? Gibt es ein Ziel, dass Du verfolgen möchtest?
Gero von Breydenbach:
Im Ratschlag erteilen bin ich ziemlich zurückhaltend, zumal wenn mich niemand konkret danach fragt. Mein persönliches Ziel ist es nach wie vor, meiner Familie eine sichere Zukunft zu garantieren. Dafür werde ich alles tun, was in meiner Macht steht. Natürlich hoffe ich, auch weiterhin so treue Fans zu haben, die in guten wie in schlechten Zeiten an unserer Seite stehen und so lebhaft an unserer Geschichte teilnehmen, wie bisher. Es tut gut zu wissen, Freunde zu haben, die an unserem Schicksal Anteil nehmen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Der Allmächtige möge mit euch sein, wo auch immer ihr geht und steht. Bis auf Bald!
Euer Gerard „Gero“ von Breydenbach.

Herzlichen Dank, Gero, für dieses informative und sehr interessante Interview.

Martina André

1 Kommentar:

  1. Super Idee! Das Interwiev macht Lust auf den nächsten (und hoffentlich nicht letzten) Teil der Geschichte!

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