Sonntag, 30. November 2014

Interview mit Martina André

Martina André
Kleeblatt: 
Mit Deinen Romanen über den Templer Gero von Breydenbach hast Du mein Herz und das vieler anderer erobert. Und dies liegt nicht nur an dem etwas mürrisch wirkenden, aber trotzdem charmanten Helden. Auch die Geschichte über die Templer, deren Leben und der Fantasyanteil mit der Zeitreise haben mich in den Bann gezogen.
Warum gerade Templer-Romane? Was fasziniert Dich an dieser Epoche?

Martina André:
Das war Bestimmung – ich hatte vorher keinen wissentlichen Bezug zu den Templern oder zum Mittelalter – oder vielleicht doch und wusste es nicht. Fakt ist, Vorfahren von mir stammen aus dem Elsass – ehemalige Hugenotten (denen man ein besonderes Erzähltalent nachsagt) – über die man sich ja so manches erzählt. Und der Name André erinnert an den Heiligen Andreas – Schutzheiliger Schottlands und auch bei den Templern spielte er eine wichtige Rolle. Keine Ahnung, ob es da nicht doch eine geheime Verbindung gibt, die irgendwo tief in meinen Genen schlummert.
Angefangen hat aber alles im Kloster Heisterbach im Siebengebirge, wo ich aufgewachsen bin (und auch Vorfahren von mir lebten). Dort bin ich mit acht Jahren mit der Zeitreiselegende vom verschwundenen Mönch in Berührung gekommen und damit mit dem legendären Zisterzienserprior Caesarius von Heisterbach (ca. 1180 – 1240), dem man nachsagt, er sei der Vorreiter von Nostradamus gewesen. Von da aus war es zu den Templern nicht mehr weit (die mit dem Heiligen Bernard von Clairvaux den gleichen Begründer hatten wie die Zisterzienser). Und dann gab es da noch Roger Bacon – auch ein Mönch, der im Laufe der Recherche meine Wege gekreuzt hat - und der Mitte des 13. Jahrhunderts seinem Papst von Autos, Flugzeugen und motorbetriebenen Schiffen berichtete. Auch er soll mit dem legendären Caput 58 der Templer in Berührung gekommen sein. Vielleicht sollte ich hinzufügen, dass meine Templer-Romane allesamt sehr gründlich recherchiert sind – also wenn man genau hinschaut, verbinden sich Science-Fiction und Fantasy mit mehr als 80% wahrer historischer Geschichte. Praktischerweise verfüge ich auch über militärgeschichtliche Kenntnisse und weiß aus verschiedenen Gründen, wie es in hierarchisch organisierten Einheiten zugeht, was – um auf die Templer zurückzukommen – die Jungs im Umgang miteinander und ihren Alltag so echt wirken lässt.

Aufbau Verlag
Kleeblatt:
Aber auch Unerklärliches ist Dir im Zusammenhang mit Deinen Büchern passiert. Als wir uns auf der Buchmesse in Frankfurt getroffen haben, hast Du mir da spannende Dinge erzählt. Magst Du uns etwas davon verraten?

Martina André:
Ich hatte während dem Schreiben etliche Synchronizitätserlebnisse. Das bedeutete in meinem Fall, ich schrieb etwas und dann passierte es tatsächlich. Zum Beispiel ein riesiger Stromausfall Anfang September 2004 (er zog sich über Frankreich, Deutschland und Luxemburg), den bis heute niemand erklären kann und den ich (vor Zeugen) im gleichen Verlauf ein halbes Jahr VOR dem Ereignis mit exakt dem Datum (ich hatte mein Manuskript in die Zukunft geschrieben) ins Manuskript aufgenommen hatte. Ich hörte die Meldung dann an dem Tag, an dem es passiert ist, im Radio und drei Jahre später (Januar 2008) wurde ich von der Journalistin zu „Das Rätsel der Templer“ interviewt, die diese Nachricht im Radio verlesen hatte. Im Winter 2007 (kurz nach Veröffentlichung des Buches), schrieb mir eine Frau per Email, der mein Buch gefiel, der ich die Geschichte erzählte und die mir dann zufällig den offiziellen Pressebericht zu dem Geschehnis per Email schicken konnte. Seit dieser Zeit glaube ich nicht mehr an Zufälle. Hinzu kamen etliche ähnlich spektakuläre Erfahrungen. Es war so krass, dass ich mich an einen bekannten wissenschaftlichen Parapsychologen und Physiker gewandt habe, der das ganze zumindest im Ansatz quantenphysikalisch zu erklären versuchte (fragt mich jetzt aber bitte nicht nach Details). Das Ergebnis habe ich bereits in „Die Rückkehr der Templer“ verarbeitet und auch in Teil IV der Fortsetzung wird es wieder thematisiert werden.

Aufbau Verlag
Kleeblatt:
Mit diesen Hintergrundinfos ist es natürlich noch spannender, Deine Romane zu lesen. Aber nicht nur Deine Templer-Reihe ist interessant. Auch andere Romane von Dir wie „Die Gegenpäpstin“, „Schamanenfeuer“ oder dein aktuelles Buch „Totentanz“ sind lesenswert. Wo holst Du dir Deine Inspiration für die Geschichten her? Oder sind sie plötzlich in Deinem Kopf?

Martina André:
Es ist eine Mischung von „plötzlich im Kopf“ und sehr genauer Recherche. Bei „Totentanz“ habe ich in einem Geschichtsbuch über das grausame Ende der Familie Pazzi gelesen und da war dann plötzlich Damian de Castello in meinem Kopf und versuchte mir von seinem Schicksal als Auftragskiller bei den Pazzis zu erzählen und wie dramatisch seine Rolle beim Attentat auf die Medici Brüder war… und ich hab mir gedacht – O Gott, in seiner Haut möchte ich auch nicht gesteckt haben. Zumal er eine Frau hatte, die er über alles liebte und die schwanger war und von seinen Verfehlungen noch nicht mal etwas ahnte, geschweige denn, dass die Liebe zu ihrem Mann tödlich enden könnte …
Und dann habe ich mir gedacht, DAS kann doch jetzt nicht das Ende sein … Lieber Gott, lass die beiden ihren Traum leben, trotz allem… naja – ob ich erhört wurde, sollen die Leser selbst herausfinden …

Aufbau Verlag
Kleeblatt:
Wie Du schon oben erwähnt hast, sind Deine Recherchen sehr umfangreich. Wie genau sieht Deine Recherchearbeit aus? Computer, Bücher? Reisen? Was gehört dazu?

Martina André:
Alles was Du aufgezählt hast. Und notfalls, wenn ich noch ein paar Infos benötige, die ich selbst nicht finden kann, rufe ich Dr. Barbara Ellermeier zur Hilfe. Sie betreibt einen professionellen Recherchedienst für Autoren. 

Aufbau Verlag
Kleeblatt:
Auf Deiner Homepage lässt Du deine Leser an vielem zu Deinen Büchern und Deiner Arbeit/ Recherche teilnehmen. Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Deinen Fans?

Martina André:
Sehr wichtig. Aus verschiedenen Gründen.
1. sind Menschen, die meine Bücher mögen, für mich meist sehr nette Menschen (nicht weil sie meine Bücher loben, sondern mit mir auf einer Wellenlänge liegen).
2. kann sich kaum jemand vorstellen, der nicht schreibt, wie berauschend das für einen Autor ist, zu sehen, wie die eigenen Figuren auch in den Köpfen anderer Menschen zu leben beginnen. Ich finde das immer sooo coool, wenn Leser (auch meine Schwiegermutter oder mein Mann) von den Figuren sprechen, als ob sie tatsächlich existieren (was sie ja irgendwie auch tun) und im Gespräch mit mir ganz außer Acht lassen, dass ICH sie „nur“ erfunden habe (was ich selbst auch nicht glaube – DIE sind DA – Gero, Struan, Johan und alle anderen - irgendwo da draußen :o)))…)
3. hole ich mir – wenn ich mich autorentechnisch mal wieder in meiner „klein-dick-hässlich-Phase“ befinde (kommt öfters vor, als man glauben mag) NICHT meine Kontoauszüge hervor (das ist eh nicht so dolle ;-)…) sondern meine positiv Rezensionen auf Amazon (oder wo auch immer) – Leute, ihr ahnt gar nicht, wie glücklich ihr mich damit macht!!!!

Aufbau Verlag
Kleeblatt:
Die ganze Arbeit  mit den Büchern ist - gerade für uns Leser - natürlich hochinteressant. Doch gibt es auch eine private Martina. Wie sieht für Dich ein entspannter Tag aus?

Martina André:
Frühstücken in unserer Zweitwohnung in Edinburgh (das hört sich jetzt sehr abgehoben an, ist aber in Wahrheit nur eine etwas größere Studentenbude mit Mausfamilienanschluss…aber ich liebe es über alles, dort zu sein), anschließend mit meinem Mann ein Spaziergang bei Sonne und frischem Nordseewind rund um den Athur‘s Seat, und danach ein monstermäßiges Stück Apple Pie mit fetter Double Cream Schlagsahne und ein Tässchen Earl Grey in Clarinda‘s Tea Room. Wunderbar!!

Clarindas Tea Room
Kleeblatt:
Das hört sich sehr gemütlich an. Apropos gemütlich: Stell Dir folgendes Szenario vor: Sonne, Meer, Strand.... was genau würdest Du machen?

Martina André:
Wenn‘s kalt ist (in Schottland ist es bei dem Szenario meistens kühl), lange Spaziergänge machen. Wenn‘s warm ist, ins Wasser hüpfen (sofern keine Haie in der Nähe sind) und schnorcheln.

Aufbau Verlag
Kleeblatt:
Also eher entspannend. Hast Du ein Lieblingsrezept, das du uns verraten magst?

Martina André:
Ich soll jetzt aber nicht kochen oder? Wenn ich mir selbst was zu essen zubereite, bin ich eher der einfache Typ. Gemüse schnippeln, ab in die Pfanne, brutzeln, würzen, einen Schuss Sahne dazu mit Basmatireis oder Spaghetti. That‘s it. Ansonsten esse ich super gerne selbst gebackene belgische Waffeln. Hab mir vor geraumer Zeit ein belgisches Waffeleisen geleistet, das so dicke mega Teile zaubert. Den Teig bereite ich nach Gusto aus Eiern, Butter, Zucker (alles schaumig schlagen) dazu Mehl, Milch/Joghurt. Kann man aber auch durch Mandelmehl und Mandelmilch ersetzen. Hauptsache der Teig ist dickflüssig. Dann die Waffeln ausbacken, bisschen abkühlen lassen. Fertig. Dazu angedickte Kirschen und Schlagsahne (und Vanilleeis?) – egal - tödlich lecker und deshalb leider nichts für jeden Tag…

Aufbau Verlag
Kleeblatt:
Gibt es eine Person (lebend oder tot), die du gerne getroffen hättest/treffen würdest? Welche Frage würdest du ihr stellen?

Martina André:
Meine Oma – damit ich mir die ganzen Hausmannskost-Rezepte mal aufschreiben könnte – die konnte nämlich was, das ich nicht kann – fantastisch kochen… leider ist sie zu plötzlich und zu früh gestorben, als dass ich eine Chance gehabt hätte, mir alles noch rechtzeitig aufzuschreiben. Bisschen quatschen würde ich auch noch mit ihr. Fragen, wie das so ist im Jenseits und was sie von ihrem grandiosen Urenkel hält, den sie ja leider nicht mehr live erlebt hat.

Kleeblatt:
Nun darfst Du mal in Deine Bücher eintauchen. Eine kleine Zeitreise in die Zukunft: Du in 10 Jahren...

Martina André:
Bei Dr. M in der Bodenseeklinik (sofern der dann noch praktiziert): Bitte einmal liften und Falten ausbügeln, es sei denn, es gibt bis dahin Spiegel mit integriertem Fotoshop ;o)))

Kleeblatt:Das wäre die Erfingung des Jahres. Und zum Abschluss eine Traditionsfrage: Wie lautet Dein Lieblingszitat?

Martina André:
Just do it! Nie denken, „ich doch nicht“ – jeder kann alles können, wenn er nur will.

Ich danke für euer Interesse – Liebe Grüße Martina :0)

Kleeblatt:
Herzlichen Dank für dieses hochinteressante Interview, Martina. Wir wünschen Dir für die Zukunft alles Gute und viele, viele weitere Ideen.


1 Kommentar:

  1. Auch ich möchte für dieses Interview danken! Autoren die wie Martina so direkt mit ihren Lesern in Kontakt treten, findet man nicht oft. Ich könnte mir schon vorstellen, daß dabei auch so manche Anregung kommt, die später in zukünftige Werke einfließen könnte.

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