Sonntag, 1. Mai 2016

Interview: Kiera Brennan - Die Herren der grünen Insel von SONJA


Quelle: Blanvalet


Die Herren der grünenInsel von Kiera Brennan ist ein Buch, dass derzeit in jeder Auslage einer Buchhandlung zu finden ist. Es greift mit seiner historischen Handlung Irland auf, was ich bislang in dieser Form noch nicht gelesen habe. Da mir persönlich ein Krankenhausaufenthalt den Besuch der Leipziger Buchmesse 2016 zu nichte gemacht hat, hatte ich durch den Verlag die Chance meine Fragen per Email an Julia Kröhn zu stellen, die hinter diesem englischen Pseudonym steckt. 


© Sonja Kochmann


Nach der Erstellung dieses Blogbeitrages ergab sich dann noch spontan die Möglichkeit, Julia Kröhn auf der Love Letter Convention 2016 in Berlin zu treffen:


Wer oder was hat Sie zum Schreiben gebracht? Und wie kam es zu dem Pseudonymen?

  1. Carla Federico
  2. Leah Cohn
  3. Sophia Cronberg

Ich habe schon sehr früh angefangen, Geschichten zu erfinden, und für mich waren diese von Anfang an eine Gelegenheit, in vergangene Zeiten einzutauchen – ist meine Leidenschaft für „die Geschichte“ doch fast so groß wie fürs „Geschichtenerzählen“. In gewisser Weise ist das Schreiben für mich also ein „Vehikel für Zeitreisen“.
Zunächst habe ich ausschließlich unter meinem wirklichen Namen publiziert. Die Pseudonyme wurden dann notwendig, als zum einen mein Output größer und ich zum anderen vielseitiger und experimentierfreudiger wurde. Für mich bieten die Pseudonyme die Chance, neue Genres und Erzählweisen auszuprobieren, ohne bisherige Leser, die die Eigenheiten der Kröhn-Romane schätzen, zu enttäuschen.

© Sonja Kochmann


Die Formulierungen sind manchmal recht derb und männlich. Haben Sie auch mal mit dem Gedanken gespielt, ein männliches Pseudonym zu wählen?

Am Anfang stand mal ein geschlechtsneutrales Pseudonym zur Debatte, doch diese Überlegungen wurden bald verworfen, hätte das doch bedeutet, keine Lesungen oder Medienauftritte zu machen. Ganz ehrlich: Ich hätte es schwer mit meiner feministischen Grundhaltung vereinbaren können, mal eben schnell mein Geschlecht zu ändern, um – in welcher Hinsicht auch immer – glaubwürdiger oder berechenbarer zu sein. Dass „Die Herren der Grünen Insel“ ein düsterer, martialischer und naturalistischer Roman ist, wird schließlich auch durch Cover und Klappentext deutlich – insofern bedarf es m.E. keinen männlichen Autorennamen als „Warnhinweis“ für Fans von netten Frauenromanzen.

Was verbindet Sie mit Irland und seiner Geschichte? Woher kam die Idee für das Buch?

Vor Irland habe ich bereits mehrere Male Schottland, Nordfrankreich, England und Norwegen bereist. Ich liebe einfach die nordischen Länder mit ihren rauen, wilden Küstenlandschaften und der Einsamkeit, dieser archaischen Schönheit und den reichen Zeugnissen der (meist keltischen) Geschichte.  In gewisser Weise spielt mein Roman nicht nur in Irland – er hat auch viel mit der „Grünen Insel“ gemein: Eine Gondelfahrt in Venedig ist ohne Zweifel das lieblichere, nettere Erlebnis, weil die Chance auf Sonne bzw. darauf, trocken und sauber zu bleiben, deutlich größer ist, als wenn man durch Irland wandert - aber sie ist eben auch nicht so herausfordernd, so individualistisch, so besonders.
Die normannische Invasion Irlands wiederum ist für mich eines der faszinierendsten Ereignisse der irischen Geschichte, weil hier ein Thema zum Tragen kommt, das in fast all meinen historischen Romanen eine große Rolle spielt – nämlich der „clash of civilizations“, also das gewaltsame Aufeinanderprallen von zwei unterschiedlichen Kulturen.

Wie lief die Recherche im Vorfeld ab? Gab es Hilfe zu den Themen (Kleidung, Tradition/Glaube, Kriegsführung, Pflanzenheilkunde)?

Ich habe viele Originalquellen und jede Menge Sekundärliteratur (etwa fünfzig Bücher) gelesen, sodass ich am Ende sehr viel Material beisammen hatte. Zu meiner großen Begeisterung gibt es etliche Werke, die nur so vor interessanten Details/Episoden aus dem Alltag des mittelalterlichen Irlands strotzen. Wichtig waren für mich auch meine Recherchereisen an die Originalschauplätze, wo ich u.a. auch an den Gräbern von zwei meiner Romanfiguren (Strongbow und Diarmait) gestanden bin.

© Sonja Kochmann


Das Buch beinhaltet eine Menge gleichgestellte Figuren. Welches ist Ihre Lieblingsfigur und warum?

Ascall von Toora ist die bislang größte Romanliebe meines Lebens -  ich war noch nie so sehr in einen Protagonisten verliebt wie in ihn. Das liegt wohl auch daran, dass er für mich sehr schwer zu fassen war/ist, und ich überhaupt erst nach zwei Dritteln des Buchs – zumindest ansatzweise - kapiert habe, wie er tickt. Diese Mischung von Brutalität und Verletzlichkeit, von Rohheit und Verantwortungsbewusstsein ist für mich ziemlich unwiderstehlich.
Bei den Frauen ist Caitlín meine Favoritin, an der ich den schwarzen Humor und den Pragmatismus schätze.

Die Namensgebung der Protagonisten ist durch die Mischung aus englisch und gälisch interessant geworden. Vermutlich werden diese aber vom Leser falsch gedacht bzw. ausgesprochen. Warum wurden nicht alle Namen ins Englische übertragen?

Für mich war diese Vorgehensweise ein Kompromiss. Ich hätte am liebsten alle Namen original gälisch geschrieben, weil ich die Geschichte der normannischen Eroberung Irlands aus dem Blickwinkel von Iren schildere und es mir falsch vorgekommen wäre, ausgerechnet bei ihren Namen plötzlich die normannische Perspektive einzunehmen. Allerdings war mir auch klar, dass man Lesern nicht unbedingt Namen wie z.B. „Tairrdelbach Ua Conchobair“ zumuten kann. Deswegen habe ich mich bei den komplizierten Namen für jene Schreibweise entschieden habe, die der gälischen Form – spricht man sie denn laut aus – am nächsten kommt: So wurde jemand wie der Hochkönig Ruaidrí bei mir zu Ruari. Was die Sache so kompliziert macht, ist die Tatsache, dass es von vielen Namen nicht einfach nur die „gälische“ oder die „englische“ Form gibt, sondern etliche dazwischen, manchmal bis zu sechs.
Bei den fiktiven Figuren habe ich großteils versucht, einfach auszusprechende Namen zu verwenden – z.B. Ascall, Pól etc. Dass allerdings auch bei diesen die Aussprache oft vom geschriebenen Wort abweicht, ließ sich nicht immer vermeiden. Wobei es doch o.k. ist, wenn der Leser - sobald er z.B. Éilís liest - „Alice“ im Kopf hat, nicht „Älisch“.
Etwas inkonsequent war ich – zugegebenermaßen – bei den Ortsnamen. Bei diesen habe ich fast immer die englische Namensform gewählt, denn da einige Leser Irland kennen und sich auf der Insel gut orientieren können, wäre es mir als Schikane erschienen, statt des Flusses Liffey „An Life“ oder statt Wexford „Loch Garman“ zu schreiben.

Die Figuren sind größtenteils gleichgestellt. Eine Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenfiguren gibt es kaum, da die Handlung stark verwoben ist und alle Figuren einen Zusammenhang haben oder sich irgendwann „treffen“. Wie haben Sie da geschrieben bzw. geplottet (personenbezogen oder chronologisch)?

Durch die historischen Ereignisse war ein Grundgerüst vorgegeben – d.h. ich wusste ganz genau, was in welchem der sechs Jahre, die die normannische Eroberung währte, passiert. Beim Plotten bin ich so vorgegangen, dass ich zunächst - auf Basis der Historie – die einzelnen Handlungsstränge entwickelt habe, um diese dann nach und nach zu verweben. Ich gehöre generell zu den Autorinnen, die extrem viel planen, ehe sie zu schreiben beginnen – und bei dieser Fülle an historischen Fakten und Figuren hast sich das besonders gut bewährt.

Wie lange dauerte das Schreiben dieses Buches?

Von der Erstellung des Exposés bis zur Abgabe vergingen knapp zwei Jahre, wobei ich in dieser Zeit nicht ausschließlich an diesem Buch gearbeitet habe. Und natürlich bin ich mit dem Stoff schon lange zuvor schwanger gegangen.

© Sonja Kochmann


Ich habe Gerüchte gehört, dass es eine Fortsetzung mit dem Titel „Wolf und Rabe“ geben wird…..

Es gibt definitiv eine Fortsetzung, wobei ich diese nicht unbedingt so bezeichnen würde. Es werden zwar sehr viele Protagonisten von den „Herren der Grünen Insel“ wieder auftauchen bzw. wird deren Geschichte dann auch zu Ende erzählt, doch mein zweiter Irlandroman ist so angelegt, dass man ihn auch als eigenständiges Buch lesen und verstehen kann. Der Titel „Wolf und Rabe“ ist tatsächlich der Arbeitstitel – allerdings ist er vom Verlag noch nicht abgesegnet worden. Gut möglich also, dass am Ende was ganz anderes daraus wird.

Das Buch ist wirklich ein dickes Buch und sorgt auch für Muskelarbeit beim Lesen. Wie stehen Sie zum Ebook?

Ich selbst habe mich bis jetzt noch nicht mit Ebooks anfreunden können, obwohl ich ihre Vorteile klar sehe. In diesem Fall wäre es in der Tat die muskelschonendere Variante – der Roman wiegt immerhin mehr als ein Kilo :-) - allerdings ist es gerade bei diesem Buch manchmal gut, zum Personenverzeichnis vorblättern zu können.

Wie gefällt Ihnen der Buchtrailer?

Ich bin sehr begeistert davon. Klar, die Burg, die man sieht, hätte man im 12. Jahrhundert nicht in Irland vorgefunden und die Cliffs of Moher, auf die man einen kurzen Blick erhascht, kommen in meinem Roman gar nicht vor – aber ich finde, der Trailer fängt die Grundstimmung des Buchs perfekt ein. Für mich bedeutet es immer wieder Gänsehaut pur, ihn zu sehen.

Haben Sie neben dem Schreiben noch Hobbys?

Ich reise sehr gerne, bin bekennender Serienjunkie und zwinge mich regelmäßig zur körperlichen Ertüchtigung ;-)

Wollten Sie schon immer Autor/in werden?

Ich glaube, ich war nie etwas anderes – deswegen konnte ich auch nichts anderes werden :-) Wenn ich als kleines Kind in der Badewanne saß, habe ich mit zwei Zahnbürsten irgendwelche erfundenen Geschichten nachgespielt. Von daher gilt: Das Geschichtenerzählen ist nicht das, was ich tue, sondern das, was ich bin.

© Sonja Kochmann


Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Interview und ich bin gespannt auf weitere Werke. Wer nun auch neugierg geworden ist, kann dieses Buch gewinnen.


Wenn DU das hier gewinnen willst, dann schreib mit Deiner Adresse an buecherkleeblatt@gmx.de und mit dem Betreff "Gewinnspiel Kiera Brennan", was Du mit dem Begriff "Die grüne Insel" verbindest und warum und like unsere facebook Seite (https://www.facebook.com/KleeblattsBucherblog).


Das Gewinnspiel läuft bis 08.05.2016, 23.59 Uhr. Danach eingehende eMails können leider nicht berücksichtigt werden.


Wir versichern, dass sämtliche Daten nach Ablauf des Gewinnspiels nur dafür verwendet werden, die Gewinne zu verschicken und danach vollständig gelöscht werden. Der Gewinn wird von mir (Sonja) versandt. Ein Versand erfolgt nur innerhalb Deutschlands.


Nun bleibt uns nur noch, Euch viel Glück zu wünschen.


Euer Kleeblatt


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