Dienstag, 19. Juli 2016

Interview // mit Liliana Le Hingrat von SONJA

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Quelle: Droemer Knaur
Als das Buch "Das dunkle Herz der Welt" erstmalig in der Vorschau des Verlages und auf historischen Buchseiten auftauchte war für mich klar: Dieses Buch muss ich lesen. Die Thematik ist bislang kaum in historischen Romanen verarbeitet und bietet Stoff für viele gemütliche Leseabende (Rezension findet sich unter http://kleeblatts-buecherblog.blogspot.de/2016/01/liliana-le-hingrat-das-dunkle-herz-der.html). 

Auf der Frankfurter Buchmesse konnte ich die Autorin treffen und besprach mit ihr soviele interessante Dinge, so dass sich im Nachgang noch dieses tolle Interview ergab.

© Sonja Kochmann

© Sonja Kochmann

Du hast Geschichtswissenschaften studiert. Was war Dein Lieblingsthema?

Am meisten liebe ich die Recherche. Ich war schon immer neugierig. Deswegen habe ich neben dem Vorlesungsstoff oder der Pflicht-Fachliteratur noch mehr gelesen, um die „pikanten“ Informationen zu finden … das gewisse „Etwas“.

Besonders das Mittelalter hat mich fasziniert. Es ist die Zeit, als in Europa entscheidende Ereignisse stattfanden, die unsere Geschichte bis heute prägen …. Wenn nicht sogar unser Schicksal. Denn seitdem hören wir Worte wie Heiliger Krieg oder Djihad  … egal in welcher Sprache. Aber es ist nicht nur das. Hunderte von Burgen und Prunkschlösser quer durch die Europa faszinieren uns bis heute mit ihren Geschichten. Wir haben dieser Epoche viel zu verdanken, wie beispielsweise die Gotik und die Renaissancearchitektur. Ich denke, deswegen sind so viele Mittelalter-Fangruppen entstanden. Die Mittelalter-Fans „erleben“ diese Zeiten mit Herz und Seele in ihren Aktivitäten wie: sich auf Mittelaltermärkten zu treffen, Ritterspiele zu veranstalten, um historischen Personen schauspielerisch zu verkörpern. So sind auch die Leser von historischen Romanen.

Gerade deswegen ist es in meinen Augen so wichtig, in meinem Roman nicht nur die historischen Ereignisse neu erlebbar zu machen, sondern auch die Schicksale der Menschen zu zeigen. Sie haben uns mit ihren Geschichten etwas Wertvolles hinterlassen: Unsere Gegenwart!

Wer oder was hat Dich zum Schreiben gebracht? Wolltest Du schon immer Autorin werden?

Ja, ich wollte schon immer Bücher schreiben. Was oder wer mich zum Schreiben gebracht hat? Mit Sicherheit war es mein Vater. Er hat historische Romane geliebt. Ich werde nicht vergessen, wie er uns, als wir Kinder waren, daraus vorgelesen hat. Hier möchte ich ein „Danke, Papa!“ meinem Vater im Himmel senden und ihm zuwinken.

Bereits während meines Studiums der Geschichtswissenschaften spürte ich die Faszination von historischen Traktaten, originalen Urkunden und den möglichen Geschichten, die zwischen den geschriebenen Fakten im Verborgenen zu schlummern schienen. Und ich hatte das größte Glück, wunderbare Professoren und Dozenten zu haben. Sie waren begnadete Erzähler. Ihre Vorträge glichen imaginären Zeitreisen in die Vergangenheit, die so lebendig dargestellt wurden, dass sie mich bis heute begleiten und beim Schreiben inspirieren.

Die Schreiberfahrung, die ich als freiberufliche Journalistin einer rumänischen Tageszeitung gesammelt habe, hat mir diese Aufgabe erleichtert.

Woher kam die Idee für das Buch?

Die Leidenschaft für die Geschichte und der Drang, die Biographie von Vlad Dracula anders zu erzählen, ihm die mystische Aura, die ihm Bram Stoker verliehen hatte, zu nehmen und gleichzeitig Unterhaltung mit wahren historischen Fakten zu verbinden, fühlte sich wie eine Aufgabe an. So las ich als Studentin das erste Mal über den Vater des legendären Vlad Dracula: Vladislav Draco Basarab. Denn Draculas Geschichte beginnt nicht erst mit jenen Gräueltaten, die ihm den Beinamen „Der Pfähler“ eingebracht haben. Sie beginnt mit dem Streben seines Vaters Vladislav nach dem walachischen Thron …

Wie lange dauerte das Schreiben?

Das kann ich nicht genau definieren. Allein die Zeit am Schreibtisch zu betrachten, während man tippt, finde ich es ungenügend. Man schreibt an dem Buch, auch dann während man kocht oder im Stau steht. Ständig denkt man an die Romanfiguren und wiederholt im Kopf eine Szene oder einen Dialog, bis es passt. Und das geschieht unbewusst. Man steht nachts auf, weil man den perfekten Cliffhanger „geträumt“ hat. Daher für mich hat die Schreibzeit mit der Idee begonnen und sie ist mit der Abgabe der Druckfahne an Verlag beendet worden. Insgesamt zehn Jahre!



Wie verläuft ein Arbeitstag bei Dir?

Ein Arbeitstag als Autorin verlangt sehr viel Disziplin, das ist schon klar. Ich habe nun zwei Mustertage:

Quelle: Liliana Le Hingrat / Himmerod


1.     Muster: Schreiben zu Hause

Zuerst muss ich richtig wach werden, und das geht nur mit viel Kaffee und lauter Musik. In dieser Zeit erledige ich alle erforderlichen Hausarbeiten, denn ich will nicht an sie denken, während ich am Schreibtisch bin. Mit klarem Kopf kann ich mich hundertprozentig in meine Geschichte und ihre Romanfiguren versetzten. Mittag- oder Abendessen gibt es nur, wenn mein Magen knurrt oder Mann und Kinder mit Messer und Gabeln auf den Tisch klopfen. Wenn ich in meinem Buchprojekt versinke, dann vergesse ich die reale Welt.
Und wenn ich nicht schreibe, dann lese ich. Ich lese viel und ich lese gerne. Es sind nicht nur die Fachbücher oder historische Fachzeitschriften. Ich lese sehr gerne die historischen Romane meiner Kolleginnen und Kollegen. Wir alle sind die Nachfahren der „Geschichtenerzähler“ oder der „Minnesänger“ aus dem Mittelalter, die ihre Lieder von Dorf zu Dorf und vom Mensch zu Mensch weitergetragen haben.

Quelle: Liliana Le Hingrat / Himmerod


2.       Muster: Schreiben im Kloster der Himmeroder Abtei

Hier ist es einfacher:
Aufstehen – Frühstück im Parlatorium – Schreiben
Mittagessen im Parlatorium – Schreiben
Abendessen im Parlatorium – Schreiben und Lesen, bis die Augen von allein zu fallen.
Zwei Wochen, jeden Tag!
In der Abtei Himmerod habe ich die fruchtbarste Schreibzeit und Inspiration.


Dorothea Kenneweg hat für Dich lektoriert. Ihr habt beide verschiedene Muttersprachen. Wie war die Zusammenarbeit?

Bis heute genieße ich die Zusammenarbeit mit Dorothea. Ich glaube, so etwas findet und erlebt man nur ein Mal im Autorenleben.

Ich habe damals eine einfache Anzeige auf Xing gestartet, dass ich auf der Suche nach Lektoren und Verlagen bin … und ich hatte Angst, dass sich tatsächlich jemand meldet. Es waren in der Tat viele, die geantwortet haben. Aber nur die Nachricht von Dorothea war persönlich. Sie hat gezielt nach meinem Buchprojekt gefragt. Ob das Manuskript schon fertig sei? Welches Genre? Ob es mein erstes Manuskript ist? Was mich bewegt hat zu schreiben? … usw. Es waren viele und schöne Fragen, so dass ich mich entschieden habe, sie anzurufen. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Aber ich wollte sie unbedingt persönlich treffen und mit ihr alle Themen „live“ besprechen. Einige Wochen später flog ich nach Berlin, um über unsere Zusammenarbeit zu sprechen. Ich werde es niemals vergessen! Aus „Arbeitskolleginnen“ sind wir inzwischen Freundinnen geworden.
Dorothea hat ein besonderes Gespür für das Zwischenmenschliche einer Geschichte und die Charakterentwicklung. Sie hat mich immer wieder auf „den roten Faden“ der Dramaturgie aufmerksam gemacht.
Ich schätze unsere Gespräche sehr, besonders die, die mich aus einem „Schreibloch“ oder einer Blockade rausholen. Sie hat es immer geschafft!

Dass wir beide verschiedene Muttersprachen haben, hat uns beide weitergebracht, denn wir beide haben etwas voneinander zu lernen oder zu erfahren gehabt. Und das ist schön. Wir leben eben in einer multikulturellen Gesellschaft … so wie „Das dunkle Herz der Welt“ nun einmal ist.  


Ich habe das Gerücht von einer Fortsetzung gehört. Kannst Du schon etwas verraten?

Ungerne, denn schon das Wort „verraten“ klingt für mich „verräterisch“ meinen Romanfiguren gegenüber. Ich kann nur so viel sagen: Auch in dem Folgeband bleibt das Thema der Balkanische Rosenkrieg. Es wird ein Geflecht von historischen Konflikten mit unerwarteten Wendungen sein, dargestellt von starken und berühmten Persönlichkeiten, wie Vlad Draculea, Matthias Corvinus, Sultan Mehmet der Eroberer, Eneas Silvio Piccolomini, dem späteren Papst Pius II.,  und vielen anderen, deren persönliche Geschichte wir miterleben werden.
Und der Schauplatz? Das blutige Europa des 15. Jahrhunderts ... mehr kann und darf ich nicht verraten.


Du engagierst Dich für den Erhalt und die Restaurierung von Kirchen in Deinem Heimatland. Erzähl uns davon und hast Du ein paar Bilder für die Leser?

Mit meinem Roman „Das dunkle Herz der Welt“ wollte ich deutschsprachige Leser auch auf die deutsche Minderheit aus Rumänien aufmerksam machen und zeigen, dass diese Völker historisch seit Jahrhunderten verbündet sind. Die Kirchenburgen aus Transsylvanien sind aufgrund ihrer Architektur einmalig in Europa. Es ist traurig mitzuerleben, wie diese historischen Spuren der deutschen Minderheit in Rumänien dem Zerfall und der Vergessenheit preisgegeben sind, denn ihre Kultur hat die Geschichte Rumäniens über Hunderte von Jahren geprägt.

Nur leider leben seit der Revolution von 1989 immer weniger Siebenbürger Sachsen in diesem Land. Es gibt verlassene deutsche Dörfer, evangelische Kirchburgen, die Einsturz gefährdet sind, sowie verwahrloste Friedhöfe, wo man Namen wie Müller, Schuster, Weber oder Maier auf den Grabsteinen lesen kann. Dieses kulturelle Erbe droht verloren zu gehen. Mit meinem Roman möchte ich daher auch ein Zeichen setzen, die Geschichte dieser deutschen Minderheit in Rumänien bekannt und damit neu erlebbar machen.
Mein Herz schlägt für das Projekt der Kirchenburg Dobring:

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Quelle: Liliana Le Hingrat / Alexander Kloos

Aber lassen wir lieber die Bilder darüber sprechen, die mit freundlicher Genehmigung von Herrn Alexander Kloos hier veröffentlicht werden dürfen.

Hier appelliere ich an alle Leser, die ein Herz für Geschichte haben! Nur mit einer kleinen Spende können wir so viel erreichen, wie zum Beispiel Zement für Mörtel zu kaufen oder ein Steingrab zu reparieren. Jeder Euro zählt.

Diesbezüglich kontaktieren Sie bitte Herrn Kloos von
Kulturerbe Kirchenburgen e.V. – Verein für den Erhalt der Kirchenburgen in Siebenbürgen
Am Vogelgesang 29, 67657 Kaiserslautern, Deutschland
email: alex.kloos@buero75.de

Quelle: Liliana Le Hingrat / Alexander Kloos

Quelle: Liliana Le Hingrat / Alexander Kloos


Wer ist Dein Lieblingsschriftsteller?

Ich habe diese Frage gefürchtet. Es gibt so viele Autoren, die ich gerne lese. Nur einen Schriftsteller oder eine Schriftstellerin zu nennen, wäre ungerecht den anderen gegenüber, deren Bücher ich genauso so sehr schätze.

Dennoch, ich habe tatsächlich einen Lieblingsautor: Alexandre Dumas. Ich liebe seinen D'Artagnan bis heute und besonders den Bösewicht Kardinal Richelieu.

Was ist Dein Lieblingsbuch?

Auf Rumänisch heißt Abecedar …freiübersetzt: Das ABC-Buch. Damit habe ich in der ersten Klasse das Lesen erlernt. Ohne dieses Buch hätte ich nicht schreiben und lesen können.

Aber wenn ich nur ein einziges Buch nennen müsste, würde ich sofort sagen: „Das dunkle Herz der Welt“ … denn es ist mein Kind. Welche Mutter liebt nicht ihr Baby bedingungslos?

© Sonja Kochmann


Willst Du zukünftig auch in verschiedenen Genres Bücher schreiben?

Ganz klar: Nein! Ich bin Autorin aus Liebe zur Geschichte geworden. Es gibt so viele spannende Ereignisse und interessante historische Persönlichkeiten, über die ich noch gerne Romane schreiben würde. Zeit muss man haben und gesund bleiben …

Welche/n Autor/in würdest Du gerne mal treffen? Welche Frage würdest Du stellen?

Bram Stocker. Und die Frage wäre: Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht, aus einem walachischen Fürst einen transsylvanischen Vampir zu machen?

Die Antwort habe ich in meinen umfassenden Recherchen gefunden ;-) . Daraus ist die Idee für einen weiteren Roman entstanden. Aber alles zu seiner Zeit.

Das nenne ich Cliffhanger in einem Interview. Nun bin ich und hoffentlich auch Ihr gespannt auf die nächsten Werke von Liliana Le Hingrat. Vielen Dank für die Einblicke und hoffen wir, dass die ein oder andere Kirchenburg Unterstützung findet, um vor dem Verfall bewahrt zu werden.



Kommentare:

  1. Was für ein tolles und interessantes Interview! Das Buch steht schon eine Weile auf meiner Wunschliste und wird sicher bei mir einziehen.
    Liebe Grüße
    Martina
    https://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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    1. Vielen Dank, Martina. Das schöne Interview mit Soja hat mir sehr große Freude bereitet.
      Ich wünsche Dir viel Spaß mit "Das dunkle Herz der Welt" und eine spannende Lektüre!
      Herzliche Grüße,
      Liliana Le Hingrat

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  2. Ich kaufe ein N. Liebe Grüße SoNja

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