Sonntag, 26. Februar 2017

Lesung: Marc Elsberg - HELIX: Sie werden uns ersetzen von SONJA


© Sonja Kochmann

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Marc Elsberg hat sich in den letzten Jahren durch sein Gespür für brisante Themen rund um den technischen Fortschritt einen Namen gemacht. Mit einer ordentlichen Prise Thriller und einer großen Dosis Zukunftsszenario, bekam man mit Blackout und Zero Bücher, die ein Garant für schlaflose Nächte waren.


© Sonja Kochmann

Nun wird der medizinischen/wissenschaftliche Fortschritt aufs Korn genommen. Bei der Lesung zu Helix verriet der Autor, dass er die Ideen für seine Bücher grundsätzlich aus seinem Alltag herausfiltert. Themen (Beobachtungen, Überlegungen, interessante Konflikte) die ihn beschäftigen, führen zu Recherchen und dies geht nach und nach seinen Weg. 

Meist holt ihn die Realität während des Schreibens ein, was ein Zeichen für sein sicheres Gespür bei der Themenauswahl ist. In der Zeit, in der Blackout auf den Markt kam, holte Fukushima die Realität, um die sichere Stromversorgung ein. 

Zero wurde durch den Fall Snowden beängstigend bestätigt. Bei der Lesung faste sich der Autor an den Kopf und meinte, er hätte vor über 16 Jahren die sozialen Plattformen nicht nur aufs Papier bringen, sondern gründen sollen.

Die Idee für Helix entstand schon 2007 als im Umkreis des Autors ein wahrer Babyboom ausbrach und die Eltern derart über Hochbegabung etc. fachsimpelten, dass der Autor auf die Idee kam, was wäre wenn. Doch damals erschienen ihm die bereits 150 geschriebenen Seiten zu Science Fictionlastig und die Geschichte landete in der Schublade.

Inzwischen sind bestimmte DNA-Abschnitte (CRISPR) ohne nachweisbare Eingriffe veränderbar. Es sollen Krankheiten, Defekte oder Eigenschaften ausgetauscht werden. Doch was ist eine sinnvolle Laune der Natur und was ist eine massive Veränderung von pflanzlichen, tierischen oder sogar menschlichen Erbguts?

Gentechnische manipulierte Organismen (GMO) schleichen sich nach und nach in unseren Alltag. So gibt es entsprechende Baumwolle, die vermutlich inzwischen Einzug in jeden Kleiderschrank gefunden hat, da die Kennzeichnungspflicht nur bei bestimmten Voraussetzungen greift.


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Ich gebe zu, dass mich manche Ausführungen des Autors doch ziemlich erschreckt haben, da sie mir in dieser Form nicht bewusst waren. Aber zu später Stunde konnte anhand des Schwammerls - ups Champions - mit österreichischen Charme doch noch einige Lacher eingefangen werden. Bei einer Championart wurden nun zum Beispiel die Eigenschaft entfernt, braune Druckstellen zu entwickeln. Sicherlich greift man gern zum hübscheren Exemplar, nur wie lange ist der noch genießbar und woran erkennt man das?

Der Autor stimmte die Zuhörer mit seinen Textpassagen nachdenklich und führte an, dass sich die gesellschaftlichen Normen weiter verschieben werden. Wie sollte zukünftig das Wissen genutzt werden? Was sind Krankheiten, die beseitigt werden sollten und welche nicht. 

Sollte bei Kindern, die vielleicht laut DNA häufiger zu Erkältungen neigen, eine Veränderung oder ein Abbruch vorgenommen werden, nur damit die Eltern bei der Arbeit aufgrund eines kranken Kindes nicht so häufig fehlen? Beängstigende Zukunft.

Auf die Frage, ob er sich eine Fortsetzung von Blackout vorstellen könne, antwortete der Autor, dass es vielleicht irgendwann ein kleines Extra im Rahmen eines anderen Buches geben könnte: vier Jahre danach mit den globalen Folgen.

Blackout wäre übrigens beinah "nur" ein Boykott der Finanzmärkte und kein Stromausfall geworden. Doch damals wusste Marc Elsberg nicht, wie man eine derart große Finanzkrise literarisch umsetzen sollte. Heute wüsste er es.

Auf die Frage, ob er sich auch mal ein anderes Genre zum Schreiben vorstellen könnte, antwortete er, dass die Biografie der Oma ("Meine Oma wohnte in einem Haus aus Eisen.") einiges hergeben würde. Dabei müsste allerdings ein Pseudonym eingesetzt werden, da Marc Elsberg nun für die Thrillerschiene festgelegt sei. Hier wurden bereits einige mögliche Anekdoten verraten, so dass ich bei einem ja noch ungewissen Entstehen des Buches hoffe, dass ich das Buch anhand des ersten Satzes, trotz Pseudonym erkennen werde, sollte es jemals Erscheinen.

Historische Romane würden ihn auch reizen, wären allerdings von der Recherche noch schlimmer als seine Thriller.

Man darf gespannt sein, was dieser Autor noch alles aus der Schublade holt. Vielen Dank für den spannenden Abend, denn die Auswahl der Texte sorgten für wahre Cliffhanger.

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Video - © Sonja Kochmann


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