Sonntag, 5. März 2017

Blogtour // Tag 3 - Nora Bendzkos "Kindsräuber"



Nora Bendzko
Heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut, dass niemand weiß,
dass ich Rumpelstilzchen heiß!

Willkommen zum dritten Tag der Blogtour zu Nora Bendzkos neuem Roman

"Kindsräuber".

Wer sich schon auf Noras Seiten oder auf Amazon bei dem Buch etwas eingelesen hat, der weiß, dass es sich dabei um eine düstere Adaption des Märchens "Rumpelstilzchen" von den Brüdern Grimm handelt. Grund genug, sich mal näher mit der Entstehung des Märchens zu befassen und wie diese "Kindsräuber" beeinflusst hat. Eine Rezension dazu gibt es von mir auch schon. Einfach hier klicken.


Rumpelstilzchen: Das Original
Auch wenn den meisten Lesern das Märchen "Rumpelstilzchen" bekannt sein sollte, so will ich auf Nummer sicher gehen und die bekannteste Version kurz wiedergeben.
Ein Müller behauptet fälschlicherweise (ach was!) vor dem König, dass seine Tochter Stroh zu Gold spinnen kann. Der König ruft darauf besagte Tochter zu sich, stellt ihr Stroh und Spindel hin und sagt: Ist das bis morgen nicht zu Gold gesponnen, so musst du sterben.Ein kleines Männchen kommt darauf zur weinenden Tochter und bietet ihr seine Hilfe an. Sie gibt ihm dafür ihren Ring als Gegenleistung. Drei Nächte lang geht das so, drei Nächte, in denen immer mehr Stroh gesponnen werden muss und die Forderungen des Männchens immer mehr werden. Zuletzt will er das Erstgeborene der Tochter haben. Die weint darauf so bitterlich, dass er Mitleid hat: Er willigt ein, von ihrem Kind abzulassen, wenn sie seinen Namen errät. Ein nur scheinbar unmögliches Unterfangen: Mithilfe eines Königsboten, der das Männchen belauscht, findet sie seinen Namen heraus. Der findet das Männchen nämlich im Wald, wie es ums Feuer tanzt und das berühmte Sprüchlein aufsagt mit dem Satz: Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß! Und das Kind ist gerettet.
Wie man sieht, gehört Rumpelstilzchen zweifelsfrei zu den grausameren Märchen der Brüder Grimm, verschachert die Müllerstochter doch ihr erstgeborenes Kind, um ihre eigene Haut zu retten. Beleuchtet man aber alles genauer, wird einem klar, dass die Todesangst der Müllerstochter ihre Wahrnehmung getrübt hat. Erst als sie selbst als Mutter ihr Kind im Arm hält, merkt sie, was für einen Bockmist sie verzapft hat. Dann tut sie natürlich alles, um das grausame Schicksal abzuwenden. So ist es übrigens auch in "Kindsräuber": Der Protagonistin Alene wird das Angebot gemacht, ihr Kind der böhmischen Königsfamilie zu überlassen. Dafür würde sie so viel Geld bekommen, dass sie niemals mehr in ihrem Leben mehr vor Hunger, Krankheit und Armut Angst haben muss, unter denen sonst jeder Normalbürger im 30-jährigen Krieg zu leiden hat. Außerdem könnte sie so ihrem alten, gichtigen Vater einen guten Lebensabend statt einer ungewissen Zukunft bescheren.



So viel zum Originalmärchen!
Wer jetzt eine Analyse des Märchens erwartet hat, den muss ich enttäuschen: Mir geht es mehr um die Entstehung des Märchens.
Ich habe mich mal bei Wikipedia und Co. umgeschaut und dabei einige interessante Fakten zu dem Märchen gefunden.

Was wohl jeder weiß: Urheber von "Rumpelstilzchen" sind die Brüder Grimm, genauer gesagt Wilhelm Grimm. Sein Bruder Jacob schickte das Märchen ursprünglich an einen gewissen Herrn Friedrich Carl von Savigny (einem Rechtsgelehrten), der es wiederum seiner Tochter geschenkt hat. 
Jacob Grimm hat einige Feinheiten in dem Märchen eingefügt. Die Urfassung von 1810 enthielt noch die Überschrift "Rumpenstünzchen". Im Laufe der Zeit wurde daraus jedoch "Rumpelstilzchen", wobei die einzelnen Wortsilben für folgendes stehen: Rumpel- = rütteln, -stilzchen = Stelzen. Dabei ist vermutlich gemeint, dass Rumpelstilzchen gerne an Stelzen (Tischbeinen) rüttelt.

Rumpelstilzchen geht zweifellos auf ältere Volksmärchen zurück und hier insbesondere auf sog. Teufelssagen. Dies zeugt auch davon, dass Rumpelstilzchen am Ende des Märchens sich in der Luft zerreisst, im Boden versinkt und dabei "Das hat dir der Teufel gesagt" schreit. Außerdem wird ein sog. Teufelspakt geschlossen, als das Männchen das Erstgeborene der Müllerstochter fordert. Selbstverständlich gibt es auch in "Kindsräuber" teuflische Anspielungen. Sei es das bereits genannte Angebot der Königsfamilie, ein Kind gegen Geld einzutauschen, oder die Tatsache, dass Rumpelstilzchen im Buch ein toter Junge ist und somit ein unheiliges Wesen.

Des Weiteren wird Rumpelstilzchen im Volksmund als "Schrumpelstelzchen" bezeichnet - ein aufbrausender, tobsüchtiger kleiner Mann, der durch seine Art seine Kleinwüchsigkeit kompensieren will. Das Märchen trug unter anderem dazu bei, dass in kleinwüchsigen Menschen meist Angehörige einer "[..] dämonisierten Unterbevölkerung gesehen wird, die durch Kindsraub ihre Gene verbessern wollen..." (Quelle: wikipedia). "Kindsräuber" interpretiert das Männchen Rumpelstilzchen dabei nicht als "kleinen Mann", wie es viele Adaptionen und Interpretationen tun, sondern einfach als zehnjährigen Jungen – wenn dieser auch genauso mit Kindesentführungen zu tun hat.



Die Bedeutung von Rumpelstilzchen für die indogermanische Märchenwelt
"Rumpelstilzchen" ist, zusammen mit "Die Schöne und das Biest", auch eines der Märchen, dass "[..] mit Sicherheit zurückverfolgt werden kann bis zur Entstehung der wichtigsten Unterfamilien des westlichen Indogermanischen... vor 2500 bis 6000 Jahren." (Quelle: Welt.de)

Dieses interessante Zitat hat mich dazu gebracht, den indogermanischen Aspekt noch näher zu erforschen. Die Brüder Grimm haben ihre "Kinder- und Hausmärchen" veröffentlicht, wurden daraufhin aber gleich verpönt angesehen, da sie angeblich abgekupfert haben von dem Franzosen Charles Perrault. Der schrieb schon im 17. Jahrhundert verschiedene Märchen. Dies ließen die beiden Brüder nicht auf sich sitzen und belegten, dass ihre Märchen an indogermanische Sagen angelehnt sind. Doch keiner glaubte ihnen so recht. Ihre Märchen wurden dadurch zwar geduldet, aber hinter ihrem Rücken wurde getratscht.
Erst 204 Jahre später wurden endgültige Beweise vorgelegt. Die Grimms hatten recht: Die Märchen haben ihre Ursprünge im Indogermanischen. Hierzu gehört auch das Märchen "Rumpelstilzchen". (Quelle: Welt.de)

Bei meinen Recherchen im Internet bin ich auf einen interessanten Artikel gestoßen, in welchem durchleuchtet wird, wie das Märchen "Rumpelstilzchen" als "biotechnologische Deutung" zu werten ist. Sehr unterhaltsam und für Euch einfach mal zum Nachlesen: KLICK 


Die Entstehungsgeschichte von "Rumpelstilzchen" bezogen auf "Kindsräuber"
Nora hat sich die wohl wichtigste Inspiration bei der 6. Fassung vom Grimm'schen "Rumpelstilzchen" geholt. Darin steigt das Rumpelstilzchen als „schwarzes Männchen“ aus der Erde und erscheint der Protagonistin, die Kirschen aus einem Garten stehlen wollte, und will ihr Kind. 

Nora überlegte, wie man das in die Geschichte verweben könnte und kam dann auf die Idee, dass verbrannte Haut/Knochen ja auch schwarz aussehen. Daher hat ihr toter Junge schwarze Haut und ist als skelettartiges, schwarzes Wesen auf dem Cover von "Kindsräuber" abgebildet. Die Kirschen im Garten, die nicht gestohlen werden dürfen, hat sie als eine Parabel auf die „verbotene Frucht“ verstanden. Daraus entstand die Idee, dass die Protagonistin Alene etwas „Verbotenes“ im Sinne der Religion tut, woraus erst der ganze Konflikt des Buches entsteht. Nämlich: Unehelich schwanger zu werden. 


Und somit bin ich auch schon am Ende meiner Forschungen! 
Sicherlich gibt es noch viele weitere interessante Fakten zu "Rumpelstilzchen". Schaut doch mal selbst. Ich habe gemerkt, dass Recherche richtig Spaß macht.

Morgen geht es weiter bei Lina auf ihrem Blog "Lina liest halt". Sie beleuchtet "Rumpelstilzchen in der Populärkultur".


Gewinnspiel


Und zu gewinnen gibt es natürlich auch etwas.

Nora stiftet drei signierte Printausgaben ihres Werks "Kindsräuber" wie folgt:


2 x 1 Print-Exemplar von »Kindsräuber«plus Wolfslesezeichen
1 x 1 Print-Exemplar von »Kindsräuber« plus Wolfszeichen und Geister-Goodie-Paket: Mit Original Wiener Schokolade, Totenkopftasche, schwarzer Duftkerze von Shearer Candles und zwei Totenkopf-Schnapsgläsern
Ihr müsst einfach nur eine Frage in den Kommentaren beantworten:
Wie wird Rumpelstilzchen im Volksmund bezeichnet? 

Die Antwort könnt ihr hier einfach unter dem Artikel in den Kommentaren posten.

Am Ende der Tour (08. März 2017) werden aus allen Kommentaren (hier und auch auf den anderen Blogs) drei Gewinner gezogen und per Mail informiert. 

Die Daten der Blogtour:



Ich wünsche Euch weiterhin viel Spaß und viel Glück. 

Meine Quellen:


Gewinnspielregeln:

Wer ist teilnahmeberechtigt? Minderjährige nur mit Erlaubnis der Eltern, nur Teilnehmer aus Deutschland und Österreich, nur ein Mitglied pro Familie oder Haushalt

Es ist nur eine einzige Teilnahme möglich: Die Beantwortung mehrerer Gewinnerfragen auf unterschiedlichen Blogs erhöht nicht die Gewinnchancen.

Die Verlosung endet am Mittwoch, den 8. März 2017 um 18:00
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen
Eine Haftung für den Versand ist ausgeschlossen
Meldet sich der Gewinner innerhalb von drei Tagen nicht, wird sein Gewinn an jemand anderen vergeben


Kommentare:

  1. Das ist Schrumpelstelzchen.
    Ein schöner Artikel, danke dafür.

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  2. Ein schöner Artikel zu meinem Lieblingsmärchen :-) Liebe Grüße, Lina

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  3. Hallo und guten Tag,

    auch heute wieder ein interessanter Beitrag im Puzzel um den Roman...Stück für Stück erfährt der Leser mehr.

    Herzlichen Dank geht hier gerne an die Bloggerin des Blogs hier dafür.

    Antwort auf die Frage...Schrumpelstelzchen...

    LG..Karin...

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  4. Guten Morgen,
    Rumpelstilzchen wird im Volksmund Schrumpelstelzchen genannt :)
    Liebe Grüße

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  5. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  6. Hey :)
    Danke für deinen schönen Beitrag.
    Rumpelstilzchen wird im Volksmund als "Schrumpelstelzchen" bezeichnet.
    Liebe grüße Shuting :)

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  7. Hallo,
    sehr interessanter Beitrag. Im Volksmund wird er als Schrumpelstelzchen bezeichnet. War mir so noch nicht bekannt, man lernt nie aus ;-)
    Liebe Grüße Bettina Hertz
    bettinahertz66@googlemail.com

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  8. Er wird im Volksmund als Schrumpelstelzchen bezeichnet! :-)
    VLG jenny..

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  9. Hallo,
    vielen Dank für deinen tollen Beitrag.
    Er wird im Voksmond "Schrumpelstelzchen" genannt.
    Liebe Grüße
    Isabell

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  10. Hallo,

    er wird als Schrumpelstelzchen bezeichnet ;)

    LG

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