Montag, 29. April 2013

Interview // Ursula Poznanski von SONJA

Obwohl ich nach Erscheinen die Bücher "Erebos" und "Saeculum" immer mal wieder in der Hand hatte, habe ich es immer wieder weggelegt. 2012 packte es mich dann und ich habe alle Bücher von Ursula Poznanski verschlungen und alle mit Bestnoten bewertet 
(s. Verlinkungen zu den Rezensionen unten).
 Aus Neugier stöberte ich ein bisschen im Netz und postete die Rezensionslinks auf der Facebookseite der Autorin. Es ergab sich ein netter Austausch und Anfang des Jahres durfte ich der Autorin Fragen stellen. Die Buchmesse, das Erscheinen des neuen Buches "Blinde Vögel" und das Schreiben der Fortsetzung "Die Verratenen" haben das Ganze etwas verzögert, doch hier ist das langersehnte Interview:

©  Doris Bretterbauer


Sie haben Japanologie, Publizistik, Rechtswissenschaften, Theaterwissenschaften studiert. Wer oder was hat Sie dann zum Schreiben gebracht?

Ich habe immer gern geschrieben, auch während meines Studiums – damals aber ohne die Absicht, veröffentlicht zu werden. Meine Studien habe ich alle nicht abgeschlossen, aber ich habe einen schreibenden Beruf ergriffen – Journalistin. Ideal für mich, dachte ich, weil ich damals mit kurzen Texten viel besser zurecht gekommen bin als mit langen.

Wollten Sie schon immer Autor/in werden? Haben Sie mit dem großen Erfolg Ihrer Bücher gerechnet und wie kommen Sie mit der Popularität zurecht? Lässt sich dies alles gut mit Ihrem Job als Medizinjournalist vereinbaren?

Ich war lange nicht sicher, was ich werden sollte. Der Autorenberuf war einer, den ich mir sehr schön vorgestellt habe, gegen den aber eine Menge Vernunftgründe gesprochen haben. Was den Erfolg betrifft, so kann man damit seriöserweise nicht rechnen, nur darauf hoffen. Das habe ich natürlich getan – überrascht hat mich die Resonanz auf „Erebos“ aber trotzdem. Popularität ist für Autoren übrigens kein großes Thema. So lange man nicht regelmäßig im Fernsehen auftaucht, kennen die Leser viel eher die Bücher eines Autors als sein Gesicht. Ich werde eigentlich nur auf Buchmessen und gelegentlich in Buchläden erkannt. Sonst nie.
Meinen Job als Medizinjournalistin habe ich vor einiger Zeit an den Nagel gehängt, weil er sich mit dem Bücherschreiben nicht mehr vereinbaren ließ.

Wie lange dauerte es, bis Sie einen Verlag für Ihr erstes Buch gefunden haben?

Mein allererstes Buch war eines für Kinder von ungefähr sechs Jahren, es hieß „Buchstabendschungel“ und ich habe meinen Verlag damals auf die klassische Art gefunden: das Manuskript an fünf Verlage auf einmal geschickt und dann gewartet. Ich habe wirklich Glück gehabt, ein österreichischer Kinderbuchverlag hat sich innerhalb von zwei Wochen gemeldet und das Buch ein Jahr später herausgebracht.

Wie schreiben Sie? Wie verläuft ein Arbeitstag bei Ihnen?

Unterschiedlich. Wenn außer Schreiben nicht viel auf dem Programm steht, setze ich mich kurz nach acht an den Computer, allerdings dauert es dann oft ein oder zwei Stunden, bis ich wirklich anfange. Manchmal auch länger. Aber es gibt immer Mails zu beantworten, organisatorische Sachen zu erledigen, etc. Mein Ziel ist es, jeden Tag 1300 Worte zu schreiben – das klappt nicht immer, aber doch recht häufig. Wenn ich damit fertig bin, habe ich frei.

Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller?

Ich habe keinen erklärten Lieblingsschriftsteller, es gibt so viele großartige Autoren.

Was ist Ihr Lieblingsbuch?

Damit verhält es sich ähnlich wie mit den Schriftstellern. Aber ich liebe „Melodien“ von Helmut Krausser sehr, oder „Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco.


© Sonja Kochmann


Woher kam die Idee für das Buch „Erebos“?

Der Anreiz, das Buch zu schreiben, kam eigentlich aus der Idee heraus, dass ein Computerspiel eine perfekte "Gegenwelt" sein kann, vergleichbar mit den fremden Welten in Fantasyromanen. Ein gut gemachtes Spiel kann den Spieler absorbieren, ihn aus der Realität in die Spielewelt hineinziehen – das in einem Buch zu verarbeiten, hat mich fasziniert. Trotzdem ist es meiner Meinung nach keine Geschichte die von Spielsucht handelt, sondern von Manipulation.

Sie üben selbst das Hobby Geocaching aus. Was war ihr schönster Fund? Gab es andere Jagdsituationen an die Sie sich gern erinnern? Haben Sie noch andere Hobbys?

Es gab eine Menge schöner Funde, ganz besonders toll fand ich einen magnetischen Cache, an dem wir sicher zehn Mal vorbeigelaufen sind, weil wir ihn für etwas ganz anderes gehalten haben. Schnitzeljagden und Rätselrallys mochte ich immer schon gerne.
Für Hobbies war in den letzten Jahren nicht allzu viel Zeit, aber ich liebe das Schifahren, lese natürlich viel und fotografiere oft, wenn auch nicht so gut, wie ich gerne möchte.

Saeculum und Fünf spielen überwiegend in der Natur. Halten Sie sich dort gern auf?

Ja, absolut. Besonders im Wald fühle ich mich sehr zu Hause.

Es gibt nur einen Teil Ihrer Bücher als Ebook. Wie stehen Sie zum Ebook?

Es ist eine tolle Erfindung, besonders für unterwegs. Trotzdem kaufe ich mir laufend „normale“ Bücher, weil ich einfach das haptische Erlebnis nicht missen möchte. Wie ein Buch riecht, wie es sich anfühlt … da kann das Ebook niemals mithalten.

Welche/n Autor/in würden Sie gerne mal treffen? Welche Frage würden Sie ihm/ihr stellen?

Unerfüllbar, aber wenn ich die Wahl hätte, dann Sheakespeare. Schon um zu erfahren, ob es ihn wirklich gegeben hat aber vor allem natürlich, um zu sehen, wie ein Mann, der so unvergleichlich großartige Dinge geschrieben hat, als Mensch war. Und ein bisschen in der Hoffnung, dass Genie abfärbt.


Gesehen auf der Leipziger Buchmesse 2013 
© Sonja Kochmann


Die Fortsetzung von „Fünf“ mit Beatrice Kaspary („Blinde Vögel“) ist im April 2013 erschienen. Können Sie etwas darüber verraten? Wie viele Bände sind mit Beatrice Kaspary geplant?

In „Blinde Vögel“ spielt das Internet eine große Rolle, ganz konkret gesagt Facebook. Es werden zwei Tote gefunden, zwischen denen es dem ersten Anschein nach keine Verbindung gibt, doch dann stellt sich heraus, dass sie beide in einer Facebook-Gruppe aktiv waren, die sich mit Gedichten beschäftigt. Zu dieser Gruppe zu gehören erweist sich im Verlauf des Romans als ziemlich ungesund.
Wie viele weitere Bände es mit Beatrice noch geben wird, weiß ich selbst nicht genau – aber zumindest zwei sollten es sein.


© Sonja Kochmann


Und wie geht es weiter mit den Verratenen?

Da erscheint der zweite Teil im Oktober. Fertig geschrieben ist er schon, im Moment wird er gerade lektoriert.

Wie stehen Sie zu Buchreihen? Sind Sie davon begeistert, oder mögen Sie lieber Einzelbücher?

Ich mag beides. Als Autorin gibt mir eine Buchreihe die Möglichkeit, eine sehr große Geschichte zu erzählen, die ich rein platzmäßig nicht in einen Einzelband packen könnte. Außerdem muss ich die Figuren, die mir über ein Buch hinweg ans Herz gewachsen sind, nicht gleich wieder verlassen. Ein Einzelband hat den Vorteil, dass die Leser nicht auf Fortsetzungen warten müssen. Ich kann gut verstehen, dass das lästig ist.

Welche Pläne/Ideen wollen Sie literarisch noch verwirklichen?

Im Moment wäre ich höchst zufrieden, wenn ich so weiterschreiben könnte wie bisher. Vielleicht mache ich noch den einen oder anderen Ausflug in Genres, die ich bisher noch nicht ausprobiert habe, wer weiß.

Sie leben in Wien. Eine sehr interessante Stadt. Ich habe an einem verlängerten Wochenende selbst gemerkt, dass man gar nicht alles anschauen kann. Was würden Sie Kurzurlaubern besonders empfehlen?

Ich würde zumindest ein Museum besuchen – das kunsthistorische liebe ich besonders, allein wegen der Architektur der Eingangshalle, aber auch die Nationalbibliothek ist wunderschön; ein echtes Wiener Kaffeehaus besuchen, durch die Innenstadt spazieren oder durch die Parkanlagen von Schloss Schönbrunn, auf den Naschmarkt gehen und danach wieder ins Kaffeehaus oder ins Theater.

Vielen Dank für das ausführliche Interview!


Freitag, 26. April 2013

Rezension // Mira Grant - Blackout: Kein Entrinnen von SONJA


Nach dem dramatischen zweiten Teil "Deadline - Tödliche Wahrheit" geht es inhaltlich zügig weiter. Das verbleibende Bloggerteam rückt der Wahrheit immer näher und gefährdet damit sich und ihre Lieben. 

Das Buch büßt auch im dritten Teil nicht an Tempo ein. Es nehmen zwar die Szenen mit ausführlichen Schilderungen der Zombiemetzeleien ab, dafür dringt die Bloggerberichterstattung und die Wahrheitsfindung der Blogger ordentlich Geschwindigkeit in den zeitlichen Ablauf des Buches. Erneut vergehen 500 Seiten wie im Fluge.

Dies wird auch durch ständigen Perspektivwechsel unterstrichen, der eigentlich gar nicht so mein Fall ist. Hier passt er hervorragend und zeigt die Sicht auch aus der Perspektive einer Totgeglaubten.

Mehr darf und kann man nicht verraten. Band 1 (Feed - Viruszone) und 2 (Deadline - Tödliche Wahrheit) MÜSSEN vorher gelesen werden, denn hier greifen massive medizinische und politische Verschwörungen ineinander, so dass es sehr viele Wendungen und Aha-Effekte gibt, die sonst einfach nicht zusammenhängend verstanden werden können.

9 von 10 Punkten, da ich am Ende dieser Trilogie doch gern ein paar Seitchen mehr gehabt hätte, obwohl dies vermutlich Geschmacksache ist.

Verlag: egmont lyx
erschienen: 2013
Seiten: 500
ISBN: 978-3802584183


Rezension // Timur Vermes: Er ist wieder da von SONJA


Im Sommer 2011 geschieht etwas Ungewöhnliches: Adolf Hitler erwacht auf einem Baugrundstück in Berlin in seiner Uniform. Er ist allein und schaut sich interessiert um. Er ist dem Fortschritt gnadenlos ausgesetzt und es hat sich scheinbar (!?) viel verändert.

Puh, das wird eine schwere Rezension. Erst einmal muss ich sagen, dass die Idee der Zeitreiseromane ja schließlich nicht neu ist. Es jedoch eine Besonderheit, dass die Zeit reisende Person eine kontroverse Person der Geschichte ist. Adolf Hitler ist in Deutschland ein Thema für sich. In den Schulen wird dieses Thema nicht nur einmal, zweimal, dreimal und sogar in meinem Fall vielfach durch genommen (Deutsch, Geschichte, Politik, Werte und Normen etc.und das in diversen Jahrgängen). Auf n-tv und n24 laufen Reportagen noch und nöcher und eigentlich kann das Thema keiner mehr hören, obwohl es doch wichtig und immer noch aufgrund extremer politischer Richtungen brisant und aktuell ist.

Darf man daher darüber lachen?

Die ersten 100 Seiten hab ich herzlich gelacht, da ich es schon komisch fand, dass Hitler seine Uniform in eine türkische Blitzreinigung bringt oder er die Sportleibchen mit Namensaufdruck von Hitlerjunge Ronald gut findet. Doch dann häuften sich Reden und Äußerungen der Romanfigur, die ich nicht mehr witzig fand. Das es sich hierbei um Endlösung, Juden usw. handelt, muss ich an dieser Stelle wohl nicht schreiben.

Der Autor fügt zwar im Laufe der Geschichte Hinweise ein, dass auch der Leser dies zwar hinterfragen, man eigentlich auch den Medien kritisch gegenüber stehen und nicht alles blind konsumieren sollte, aber mich hat es beim Lesen gestört. Dies steigerte sich derart, dass ich mich zum weiterlesen gezwungen habe. Lesegenuss habe ich daher eher weniger empfunden. Stoff zum Nachdenken gab es mit Sicherheit. Daher vergebe ich 6 von 10 Punkten. Ob ich damit gerecht bin, weiß ich nicht, denn das Geschichtliche ist gut recherchiert und auch die Hommage an Chaplin und einige Andere sind gelungen.

Hinweis: Das Hörbuch wird von Christoph Maria Herbst gesprochen, der auch inhaltlich mehrfach erwähnt wird. Genial.

Verlag: Eichborn Verlag

erschienen: 2012
Seiten: 400
ISBN: 978-3847905172


Gesehen auf der Leipziger Buchmesse 2013 
© Sonja Kochmann

Freitag, 19. April 2013

Lesung // Edward Kelsey Moore - Mrs Roosevelt und das Wunder von Earl's Diner von SONJA

Vergangenen Dienstag ging ich (mal wieder) zu einer Lesung. Doch diesmal war es aus einer Vielzahl von Gründen etwas ganz Besonderes:

1. Ich war Gast des Verlages und durfte bei den musikalischen Proben (später mehr dazu) dabei sein und ich durfte vorher mit etwas sprachlicher Unterstützung von Berit Böhm (Danke nochmals) den Autor vor der Lesung interviewen. Dadurch dass sich der Herr vom NDR verspätete, wurden aus den geplanten 10 Minuten 30 Minuten und wir gerieten ins Plaudern, was sich auch durch die lockere sympatische Art des Autors ergab:


© Sonja Kochmann

Die Idee für das Buch mit den drei unterschiedlichen Frauen ergab sich aus einem Gespräch mit einem Freund. Es ging um Tapferkeit und Courage, so dass er gedanklich Odette entwarf, die tapfer ist und keine Angst fühlt.

Er selbst stammt aus einer Familie, wo die Frauen nach den Familienfeiern beim Aufräumen viel und gern miteinander gesprochen haben. Er hat dabei immer zugehört. Doch keine Angst in dem Roman "Mrs. Roosevelt und das Wunder von Earl's Diner" werden keine Familiengeschichten verraten. Es war die Art und Weise wie die Fraen sich unterhalten haben, die den damals noch kleinen Edward Kelsey Moore fasziniert haben. Als Kind habe er sich auch am Liebsten in der Bücherei aufgehalten, wo Geschichten immer präsent waren.


© Sonja Kochmann

Sein Vater war Baptistenprediger und von der Art des Auftretens und seinem Verhalten wie Big Earl aus dem Buch. Jeder sollte so eine Vater haben und von ihm unterstützt werden. Auch die eigene Nähe zur Religion machte es ihm möglich, in seinem Debutroman die Religion auch mit einem zwinkernden Auge darzustellen.

Die Frage, welches seine Lieblingsfigur in dem Buch sei, wurde spontan mit "Mama" beantwortet und ich muss sagen, dass ich die jointrauchende alte Dame auch sehr mag, obwohl ich ja eigentlich mit einer der drei Supremes als Antwort gerechnet hätte. Ganz vorn im Ranking mit dabei ist auch Mrs. Roosevelt, da er es lustig fand, eine hoch angesehene Frau, die viel für die armen Leute in Amerika getan hat, nach ihrem Tod als etwas fies, versoffen und zänkisch darzustellen. Auch die Idee einer Wahrsagerin, die immer falsch liege, fand er besonder witzig.

Odette kann im Buch Geister sehen und mit Ihnen sprechen. Dies ist jedoch kein reiner Fantasyeinfluss. Sondern vielmehr eine Erinnerung aus der Gegenwart in die Vergangenheit. Den lange Freundschaften und auch lange Beziehungen wirken (auch wenn sie zurückliegen) in die Gegenwart.


© Sonja Kochmann

Das Schreiben dauert 2 1/2 Jahre und der Autor bediente sich als Hilfe für das Schreiben nicht etwa wie bei manch anderen Autoren üblich seiner Familie, sondern tauschte sich in einer Schreibgruppe aus. Im Nachhinein vertritt er die Meinung, dass dies einiges erschwert habe. Da er keine literarische Ausbildung habe, bediente er sich der musikalischen Darstellungsweise von Sinatra. Ich muss sagen, dass hat hervorragend geklappt und ich bin gespannt wie der zweite Roman wird, der bereits geschrieben wird, aber über den leider noch nichts verraten wird.


© Sonja Kochmann

Es könnte jedoch sein, dass es wieder einen Bezug zu einigen Personen aus Plainview gibt. Diesen Ort gibt es übrigens nicht. Er ist dem Herkunftsort seiner Mutter Summersville in Kentucky nachempfunden.


© Sonja Kochmann

Im Klappentext des Buches wird darauf hingewiesen, dass der Autor gern musiziert, schreibt und gärtnert. Auf die Frage, welches davon seine Lieblingstätigkeit wäre, antwortete er überraschenderweise gärtnern, wobei die Blumen eher vernachlässigt werden würden, da er gern isst und damit das Gemüse den Vorzug in seinem Garten erhält.

2. Wie bereits oben angeführt ist der Autor eigentlich Cellist im Orchester von Chicago. Die Lesung wurde mit Unterstützung des NDR Musiker Oliver Mascarenhas mit dem Stück "Der Schwan" von Saint-Saens eröffnet.


© Sonja Kochmann

Auch für jede seiner Hauptfiguren hat der Autor zwischen den einzelnen Leseabschnitten ein besonderes Stück vorgetragen. Es war wunderschön und auch interessant, wie vertieft ein Musiker in seine Musik sein kann. 

Seine Tätigkeit als Cellist auf Hochzeiten hat ihm übrigens zahlreiche Vorlagen für die chaotische Hochzeit aus dem Buch geliefert, denn er hat schon einige flüchtende Tiere, Streitigkeiten und Pannen erlebt. 

3. Ein weiteres Highlight war auch der auf deutsch gelesene Part. Dieser wurde von Regina Lemnitz übernommen. Das sagt Dir/Ihnen nichts?! Doch bestimmt. Es handelt sich um die deutsche Stimme von Whoopie Goldberg, Roseanne und Berta aus "Two and a half Men". Es war genial: Regina Lemnitz hat nicht einfach gelesen. Sie hat die einzelnen Figuren gespielt. Hier merkte man deutlich  dass sie nicht nur Synchronsprecherin, sondern auch Schauspielerin ist. 
Die Passagen mit den Schimpfwörtern waren so flammend vorgetragen  dass sogar Edward Kelsey Moore meinte, einige Personen würden jetzt nur noch auf deutsch in seinem Kopf sprechen. Es werde also Zeit deutsch zu lernen.


© Sonja Kochmann

Beendet wurde die Lesung mit einer Zugabe von Oliver Mascarenhas und ich muss sagen, es war eine der abwechslungsreichsten Lesungen auf der ich bislang war. Hier war für jeden etwas dabei: Ein Autor zum Anfassen, eine temperamentvolle Lesung auf deutsch, wundervolle Musik und das alles in einer Buchhandlung die familiär geführt wird und dadurch eine besondere Atmosphäre bietet.

© Sonja Kochmann

Vielen Dank an alle die diesen Abend mitgestaltet haben.

© Sonja Kochmann

Rezension // Angelika Schwarzhuber: Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück von SONJA


Hanna ist eine Stadtpflanze, als ihr der letzte Wille ihrer Oma Berta eröffnet wird, hält sie alles für einen schlechten Witz: Sie erbt den Bauernhof und ein beträchtliches Barvermögen nur, wenn sie die nächsten 3 Monate inklusive Nächte auf dem Hof verbringt und einen Mann aus der Landwirtschaft heiratet. Schon bald geben sich die Verehrer die Klinke in die Hand. Doch es gibt nicht nur Verehrer....

In letzter Zeit boomen die Liebesromane mit "lokalkolorit". Ich selbst habe als Liebesromanfan schon mehrfach zugegriffen, so dass es natürlich schwer ist, dem Leser noch etwas Neues zu bieten. Auch lässt sich das grundsätzliche Schema eines Liebesromans nicht wirklich abwandeln: Frau A trifft Mann B. Sympathie, Gekabbel, Probleme, Lösung: Happy End.

Die Gestaltung dieser Kette ist das Entscheidende und das ist hier im zweiten Roman der Autorin hervorragend gelungen. Die Haupt- und auch Nebenprotagonisten einschließlich Quotenhund  sind sympathisch und liebenswert. Selbst der oder die Unruhestifter/in ist glaubwürdig und sorgt für ein ordentliches Kuddelmuddel. Auch hat die gute Hanna auch nicht nur ein Problem, was zu lösen gilt, so dass die arme Heldin vor lauter Stress beinah die echte Liebe übersieht.

Der berufliche Teil von Hanna und auch der Rückblick auf einen jungen Mann in der Vergangenheit lassen die Leser sogar ein bisschen grübeln, was in einer Beziehung wirklich wichtig ist.

Es gibt auch ein Wiedersehen mit Lene und Karl aus Liebesschmarrn und Erdbeerblues, worüber ich mich sehr gefreut habe. (Schließlich will man ja wissen, wie es seinen Romanfiguren so geht.) Dies ist jedoch so neutral gehalten, dass man diesen Band nicht unbedingt kennen muss. (Aber er ist wirklich gut - nur so am Rande.)

Die verwendeten bayrischen Begriffe sind minimal und halten sich in Grenzen. Es werden keine ganzen Dialoge damit bestritten, sondern einzelne Begriffe damit "koloriert". Wer aufgrund seiner Herkunft, ins Stocken gerät, kann nachschlagen. Eine Erklärung ist dabei. Wimmerl klingen übrigens viel hübscher als Pickel.

10 von 10 Punkten für dieses turbolente Liebeschaos.

Tipp: Auf der Verlagsseite gibt es ein aktuelles Interview und auf unserer Blogseite gibt es ein Interview, was im Rahmen des Debutromans mit der Autorin 2012 geführt wurde.

Verlag: Blanvalet
erschienen: 2013
Seiten: 416
ISBN: 978-3442380749


Rezension // Vina Jackson - 80 Days: Die Farbe des Verlangens von SONJA


Die ukrainische Ballettänzerin Luba wandert nach New York aus. Dort ist alles so anders. Sie verfällt dem mysteriösen Bernsteinhändler Chey, der Verlangen in ihr weckt und....

Ich gebe zu, ich bin langsam übersättigt, was das Genre Erotik angeht. Dennoch wollte ich wissen, wie die Reihe 80 Days weitergeht. Denn im Gegensatz zu den ersten drei Bänden handelt es sich nicht um die Hauptfiguren Summer und Dominik, sondern um die bisherige Nebenfigur Luba.

In den ersten drei Bänden taucht Luba immer wieder als erotische Tänzerin auf und wirkt selbst geheimnisvoll und lasziv. Dadurch war meine Neugier geweckt. Wie wurde aus der Ballettänzerin eine sinnliche Nackttänzerin mit Live-Sex und einem besonderen Tattoo? Die Entwicklung Lubas ist nachvollziehbar und man neigt beim Lesen dazu, ihr Glück zu wünschen, da nicht alles so gradlinig läuft wie geplant.

Die Szenen, in denen Luba in den Vorbänden vorkam, tauchen erneut im Zusammenhang mit Lubas Geschichte auf und ich fand es erstaunlicherweise nicht langweilig diese "nochmal" aus anderer Perspektive zu lesen. Aufgrund mancher spärlicher Randinformationen zu bestimmten Konstellationen von Personen, Zeiten und Orten, empfiehlt es sich, die Vorbände zu lesen. Auch ein Wiedersehen mit den Personen aus den Vorbänden gibt es hier. 

Die erotischen Szenen, sind zum Vergleich zu den Vorbänden eher zahm und haben kaum SM-Anteil.

Ich vergebe 8 von 10 Punkten und freue mich dennoch auf den letzten (?) Band, in dem es um das Mädchen mit der tattoowierten Träne geht. Mal sehen, wie sich diese Nebenrolle mausert.

Verlag: carl's Books
erschienen: 2013
Seiten: 320
ISBN: 978-3570585269



Gesehen auf der Leipziger Buchmesse 2013 
© Sonja Kochmann

Samstag, 13. April 2013

Rezension // Sebastian Fitzek + Michael Tsokos - Abgeschnitten von SONJA


Bei der Autopsie einer verstümmelten Frauenleiche findet der Rechtsmediziner Paul Herzfeld eine Telefonnummer: die seiner Tochter. Die Mailboxansage bestätigt den grauenvollen Verdacht. Seine Tochter wurde entführt und eine grauenvolle Schnitzeljagd mit mehreren Leichen beginnt. Kann er seine Tochter vor Vergewaltigung, Verstümmelung und dem sicheren Tod retten?

In der mörderischen Schnitzeljagd spielen eine Vielzahl an unterschiedlicher Personen eine Rolle: Rechtsmediziner (durchgeknallt und bislang systemtreu), ein Student mit Millionen auf dem Konto, ein stalkender Exfreund, ein Vergewaltiger, mehrere Mörder (?), ein türkischer Hausmeister, eine Comiczeichnerin und und und

Wie passen diese alle zusammen? Dieses Bild setzt sich erst nach und nach zusammen und die schrittweise Auflösung ist spannend gestaltet.

Die Autopsie bzw. die Beschreibung der Leichen ist packend, was natürlich auf den Einfluss von Michael Tsokos zu führen ist und teilweise nichts für schwache Nerven.

Bei den Szenen mit der "Haut wie Butterbrotpapier" und dem "Schamhaarnest" musste ich beim Lesen doch Lachen, da dies die Szenen waren, von denen die beiden Autoren auf der Leipziger Buchmesse so lustig und lebhaft erzählt haben. Ansonsten gibt es bei diesem Buch nicht viel zu Lachen, denn die Taten sind grausam und man musste beim Lesen doch ordentlich Schlucken. Wer also nicht auf Blut und Co. steht, sollte hier nicht zu greifen.

Das Buch schafft es, gekonnt Kritik am Rechtssystem aus zu üben. Denn die Verhältnismäßigkeit im Strafmaß von Vergewaltigung bzw. Kindesmissbrauch zu Steuerhinterziehung müsste wohl mal überdacht werden. 

Die im Anschluss an den Roman beigefügten Erklärungen der Pathologieinstrumente fand ich überflüssig, da die "Leichenschau" hier ja sowieso nicht wie üblich durchgeführt wurde.

Ich vergebe 10 von 10 Punkten und möchte nochmal einen Roman von diesem dynamischen Duo haben!

Verlag: Droemer Knaur
erschienen: 2012
Seiten: 400
ISBN: 978-3426199268



Gesehen auf der Leipziger Buchmesse 2013 
© Sonja Kochmann

Donnerstag, 11. April 2013

Lesung // Justin Cronin - Die Zwölf von SONJA

Am vergangenen Dienstag war es endlich soweit: Justin Cronin las in der Buchhandlung Leuenhagen und Paris aus dem zweiten Band der Passage-Trilogie "Die Zwölf" vor und stand  dem Publikum und Margarete von Schwarzkopf Rede und Antwort. Den deutschen Part las der Schauspieler Heio von Stetten.


© Sonja Kochmann


Sowohl der erste Band (Der Übergang) als auch der zweite Band (Die Zwölf) sind vom Umfang episch: Eine Vielzahl an Personen und Zeitsträngen fordern den Leser ordentlich heraus dabei zu bleiben. Ich muss zugeben, ich habe zeitweise geschwächelt.


© Sonja Kochmann


Nach der Vorstellung von Justin Cronin und Ausblick auf seinen eigentlichen Beruf als Hochschullehrer in Englisch wurde ich nachdenklich. Wenn ein Autor manche Bücher selbst erst nach 3 x Lesen gut findet, war ich dann bei meiner Punktevergabe zu hart? Immerhin ist das Zusammentreffen der Personen, Zeitstränge meisterlich gelungen......Sympathisch machte es das Ganze, dass der Autor selbst von Listen und Inventarverzeichnissen redet. Das dritte Buch ist derzeit in der Entstehung und soll erst in 2 (!) Jahren erscheinen. Es soll im Gegensatz zu den anderen beiden Büchern weiter in die Vergangenheit (1979) zurück gehen und schließlich (endlich!) die Geschichte um Amy auflösen.

Wie kam es zu Amy? Seine Tochter hat sich eine Geschichte gewünscht, von einem Mädchen, das die Welt rettet. So einfach ist das. Und wie kam es zu der bedeutungsvollen 12? Etwa wie die Tafelritter? Nein, es sollen dann doch eher die 12 Apostel sein.

Überhaupt enthält das Buch viele Hinweise zu literarischen Meisterwerken, die dann doch den eigentlichen Beruf des Autors preisgeben. Ich geb es zu: Ich habe sie nicht alle erkannt und danke Margarete von Schwarzkopf für diese Hinweise (Virgina Woolfs - Mrs. Dalloway, Shakespeare usw.).

Während der erste Band wie eine Art Western geschrieben wurde, ist der zweite Band wie George Orwells "1984" gestaltet. Justin Cronin hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Mittelstück der Trilogie eigenständig zu gestalten, so dass es viele Kehrtwendungen, neue Varianten und Charaktere gegeben hat.

Die Virals stellen übrigens für ihn etwas ganz Besonderes dar: Es sind die Flugzeuge von 9/11. Ein wunderschöner Tag im September und BAMM alles ist anders. Sie sind nach ca. 10 Jahre ohne kalter Krieg etc. ein nicht genau bestimmbarer Gegner  Darauf wäre ich ehrlich gesagt nie gekommen. Aber manche Autoren habe einfach besondere Einfälle. Deswegen schreibt ja auch nicht jeder einen Bestseller, oder?


© Sonja Kochmann


Heio von Stetten las den deutschen Teil übrigens sehr sehr gut. Ich war schon bei vielen Lesungen, aber diese Stimme war sehr angenehm und mitreißend  Man hat gemerkt, dass er dieses Buch gern gelesen hat. (Was man auch an der zerfledderten Ausgabe gemerkt hat, in die er ständig streng geheime Eintragungen gemacht hat.) Ich hatte nach der Lesung kurz Gelegenheit mit ihm über das Vorlesen und das Buch zu sprechen und er ist eindeutig ein Fan der Reihe. Ich würde gern noch mehr Lesungen mit diesem Schauspieler besuchen.

Während Heio von Stetten deutsch vorgelesen hat, hat Justin Cronin übrigens hochkonzentriert mitgelesen und sich sehr gefreut, dass wir den "bunny joke" verstanden haben. Denn bei 1 Million Wörter muss ein Autor auch in einem Horrorroman Witze reißen. Die amerikanische Aussprache von Häschen ist übrigens zum kringelig Lachen.


© Sonja Kochmann



© Sonja Kochmann


Eine Lieblingsfigur hat er übrigens nicht, denn alle können sterben...oder auch nicht.

In diesem Sinne, werde ich wohl Teil drei lesen, denn ich MUSS wissen wie es weitergeht......

Rezension // Janne Teller - Krieg: Stell dir vor, er wäre hier von SONJA


Der Krieg ist bei DIR angekommen. Alles was Du gewohnt bist, musst Du aufgeben und in ein anderes Land fliehen, deren Kultur anders und fremd ist. Dort wirst Du nicht mit offenen Armen empfangen.

Meine Ausgabe hat die Form eines deutschen Passes, was auch der Grund war, warum ich es gelesen habe. Denn es stand bei uns in der Bücherei und stach mir aufgrund des Designs ins Auge.

Der Leser wird von der Autorin bewusst direkt angesprochen, was einem die Situation des Krieges näher bringt. Es wirkt vom offenen Erzählstil direkt auf den Leser und man gerät ins Grübeln. Das Buch enthält zu den einzelnen Stationen des Kriegsflüchtlings anschauliche Skizzen und war aufgrund der Seitenanzahl ein kleiner Zeitvertreib, der irgendwie nachwirkt und nachdenklich stimmt.

Ein Buch für das ich 10 von 10 Punkten vergebe.

Verlag: Carl Hanser Verlag
erschienen: 2011
Seiten: 64
ISBN: 978-3446236899

Rezension // Edward Kelsey Moore - Mrs Roosevelt und das Wunder von Earl's Diner von SONJA


Drei schwarze Frauen haben einen Dreh- und Angelpunkt in ihrem Leben: Earl's Diner. In einer Kleinstadt in den USA in den 50iger/60iger Jahren ist dieser Diner der Treffpunkt schlecht hin. Dies liegt u.a. auch an Big Earl, der mit Rat und Tat bereit steht.

Die drei Frauen können kaum unterschiedlicher sein und das Schicksal schlägt auf unberechenbare Weise zu, doch Clarice, Odette und Barbara Jean finden zusammen und sind bis in die heutige Zeit so unzertrennlich, dass diese den Spitznamen "die Supremes" tragen.

Vorweg: Dieses Buch ist eigentlich überhaupt nicht mein Genre, aber der Klappentext hat mich neugierig gemacht.

Die Lebensgeschichten der drei Frauen sind stark ineinander verflochten und es spielt in der aktuellen Zeit mit Rückblicken in die Vergangenheit. Die ersten 100 Seiten tat ich mich schwer, doch diverse Andeutungen und Rückblicke, führten einfach dazu, dass ich wissen wollte, wie es weiter geht bzw. wie es zu allem kam.

Clarice, Odette und Barbara Jean sind vom Schicksal ordentlich gebeutelt: untreuer Ehemann, Krebserkrankung, Tod eines Kindes etc. dennoch sind sie füreinander da.

Trotz allem hat das Buch auch witzige Situationen (ich sag nur Hochzeit) oder Dialoge (ja,ja man muss Männern halt drohen) parat, so dass man das Buch wirklich ins Herz schließt. Es zeigt an drei Beispielen, dass eine Ehe aus verschiedenen Gründen geschlossen werden und auch ganz unterschiedlich geführt werden kann.

Die Besonderheit des Buches ist u.a., dass Odette mit Geistern sprechen kann. Hier tauchen die Verstorbenen ihrer Umgebung auf, was zu Wegweisern oder lustigen Situationen führt. Mrs. Roosevelt aus dem Buchtitel stellt hierfür die absolute Todesbotin dar, denn sie sagt den absoluten Todeszeitpunkt (?!) der noch Lebenden voraus.

Auf der letzten Seite hat das Lektorat vermutlich bei der Übersetzung Bahre mit Trage verwechselt, so dass ich die Szene vorsorglich zweimal gelesen habe, denn hier wird eine Person abtransportiert, deren Leben, dass ganze Buch auf der Kippe stand. (Mehr sag ich nicht.)

Der Originaltitel "The Supremes at Earl's All-You-Can-Eat" hätte mir ehrlich gesagt besser gefallen, da ich hier aufgrund der Häufigkeit der Szenen, den Geist von Mrs. Roosevelt nicht so wichtig finde und ein Wunder im Diner - trotz einiger Wendungen - auch nicht wirklich erkennen kann.

Das Buch erinnert mich tatsächlich wie vom Verlag angeführt an das Buch "Grüne Tomaten" und kann von mir einfach nur wegen der leichten Einstiegsschwierigkeiten mit 9 von 10 Punkten bewertet werden.

(Bericht zur Lesung gibt es hier auf dieser Seite.)

Verlag: Limes
erschienen: 2013
Seiten: 448
ISBN: 978-3809026235


Freitag, 5. April 2013

Interview // Claudia Brendler von SONJA


Ein Jahr schlich ich um das Buch Eiertanz herum. Ich war mir nicht ganz schlüssig, ob mir ein Buch mit Dialekt gefällt. Zwischenzeitlich vergaß ich auch den Titel und konnte mich nur an das Motiv Huhn mit rosa Karos erinnern. Was macht man da, man zückt das Fotohandy und kauft es dann doch mit ein bisschen Verzögerung .....

© Sonja Kochmann


Belohnt wurde ich wie man an den Rezensionen zu "Eiertanz" und "Paarungszeit" erkennen kann. Aufgrund des sympathischen Schreibstils wurde ich neugierig und stöberte ein bisschen hier und da im Internet und es kam zu einem netten Wortwechsel mit der Autorin, die sich netterweise für ein Interview zur Verfügung gestellt hat:

© Claudia Brendler



Woher kam die Idee für die Bücher mit Dialekten?

Ich habe schon immer Dialekte geliebt, auch in der Bühnencomedy, konnte aber nicht allzu viele Dialekte nachahmen. Mit den Queens of Spleens waren wir lange oder und oft in Bayern auf Tour, wir haben den Dialekt ebenso lieben gelernt wie das bayerische Bier. Im Programm der Queens of Spleens gibt es deshalb zwei bayerische Lieder, dh, wir haben uns auch ernsthaft mit bayerischer Volksmusik beschäftigt, um sie dann zu parodieren. Ich finde, im Dialekt sind die Leute menschlicher, klingen ehrlicher, zum Teil auch lustiger. Es gibt liebevollere, natürlich auch derbere und mitunter viel treffendere Bezeichnungen für vieles. Und es gibt einige Gelegenheiten für Sprachverwirrungen, besonders, wenn auch noch eine Fremdsprache dazu kommt. Dann passieren Missverständnisse, man versucht, mit anderen Mitteln zu kommunizieren, es wird lustig und interessant.

Wie stehen Sie zu den anderen Büchern mit „Lokal Kolorit“?

Ehrlich gesagt, kenne ich gar nicht so viele. Einige, die auch Bayern zum Thema haben, habe ich natürlich zu Forschungszwecken gelesen: Krimis. Jörg Maurer, Rita Falk und Andreas Förg. Einfach, um zu schauen, wie sie den Dialekt einbauen. Gerade bei Andreas Förg hat mir das Lokalkolorit sehr gut gefallen, das Bayrisch war bei ihm eher dezent, aber es passte genau zu den Figuren und zur Geschichte. Und bei uns Hessen, unübertroffen: „Erna, der Baum nadelt. Ein botanisches Drama am Heiligabend“, von Robert Gernhard (sowieso einer meiner „Götter“) Bernd Eilert, Pit Knorr. Uralt, aber immer noch superkomisch.

Wie lange dauerte das Schreiben?

Mit Recherche schon ein knappes Jahr pro Buch. Ich war mit beiden etwas knapp dran, hatte auch nebenher noch ein anderes Projekt; dann habe ich noch einiges umgeworfen, und es wurde bei beiden gegen Ende relativ stressig, ein Schreibmarathon. Ich habe praktisch im Roman gelebt.

Wie lange dauerte es, bis Sie einen Verlag für Ihr Buch gefunden haben?

Bei den beiden Komödien nicht lang. Aber ich war ja schon relativ erfahren, fünfzehn Jahre Schreiben für die Bühne und Veröffentlichungen in Zeitschriften, mehrere Romanprojekte, zwei literarische Agenturen, so langsam wusste ich, mit welchen Themen man gute Chancen hat. Und ich habe eine sehr gute Agentin.

Wer oder was hat Sie zum Schreiben gebracht?

Das fing als Kind schon an. Passend dazu konnte ich sehr früh lesen und schreiben, da bot es sich an. Und es hörte nicht auf. Im Gymnasium schrieb ich Stücke für das Schultheater, dann meinen ersten (unveröffentlichten) Roman, und so ging es immer weiter, mit vielen Rückschlägen natürlich. Beim Schreiben braucht man ein dickes Fell und viel Geduld.

Wie verläuft ein Arbeitstag bei Ihnen? Wie schreiben Sie?

Meine beste Zeit ist der frühe Morgen, deshalb versuche ich, in dieser Zeit viel zu schaffen und mich möglichst wenig abzulenken. Alles andere, Korrespondenz, Leserunde, Üben für Lesungen, Telefongespräche, versuche ich, in den Nachmittag zu schieben, auch vieles, was Planen und den Plot betrifft. Der Morgen gehört dem Schreiben und der Sprache. Planen kann ich auch recht gut während anderer Tätigkeiten. Mein Arbeitstag verläuft recht diszipliniert, ich versuche auch, ein Seitensoll zu erfüllen. Abschalten fällt mir relativ schwer, das heißt, ich denke auch nach dem Arbeiten eigentlich ständig über das aktuelle Projekt nach.

In beiden Büchern wird mit Augenzwinkern über erotische Bücher berichtet. Mögen Sie dieses Genre? Was halten Sie von Shades of Grey und Co?

Ich habe, ebenfalls zu Forschungszwecken, relativ viele dieser Bücher, oft auch nur Szenen, gelesen. Einfach, weil ich finde, dass in der Beschreibung von Erotik viel (unfreiwillige) Komik steckt. Es gibt ja auch den „Bad Sex Award“, der in England jedes Jahr verliehen wird für die unfreiwillig komischste Sexszene in ansonsten ernster Literatur. Darüber kann ich mich amüsieren. Rein zum Lesevergnügen kann ich mit dem Genre wenig anfangen, auch Shades of Grey habe ich recht flüchtig gelesen und konnte speziell dieser Art Erotik nicht viel abgewinnen.

Haben Sie auch Haustiere wie zum Beispiel Picco, der Papagei oder eine große Anzahl Fische?

Schöne Frage, das müsste man eigentlich denken. Aber ich habe kein einziges Haustier. Obwohl ich Tiere, speziell Hunde, sehr mag. Sowohl für die Papageien als auch für die Fische musste ich sehr viel recherchieren, habe mir viel angeschaut und gelesen, mich auch in unzähligen Foren herumgetrieben, Zum Glück tauschen sich gerade die Fischfans recht ergiebig aus. So kam ich auch aufs Fischforum. Allerdings geht es in den echten Fischforen nicht so zur Sache, wie in dem von mir ausgedachten Forum.

Wer sind Ihre Lieblingsschriftsteller?

Ralf Rothmann, Michael Köhlmeier, Jenny Erpenbeck, Robert Gernhardt. Gut, dass Sie in der Mehrzahl fragen, mich für einen/eine zu entscheiden fällt mir schwer.

Was ist Ihr Lieblingsbuch?

Oh, das ist schwierig. Nur eins? Heimsuchung von Jenny Erpenbeck ist großartig.

Was lesen Sie gerade?

Atlas eines ängstlichen Mannes von Christoph Ransmayr. Auch ein tolles Buch.

Wie stehen Sie zum Ebook?

Ich habe noch keinen Reader! Noch kann ich mich nicht daran gewöhnen. Aber irgendwann werde ich einen haben, und sicher werden immer Menschen Ebooks lesen. Das Ebook eröffnet neue Möglichkeiten für Indie-Autoren, das finde ich interessant. Ich glaube aber, dass es noch eine ganze Weile Bücher geben wird, neben den Ebooks. 

Was hat es mit Queens of Spleens auf sich?

Wir sind schon sehr lange ein Musik-Comedy Duo, meine Bühnenkollegin und ich. Zusammen haben wir sieben Bühnenprogramme geschrieben und gespielt, sind in Kleinkunsttheatern überall in Deutschland, der Schweiz und Österreich aufgetreten, auch in einigen Fernsehsendungen. Jetzt machen wir gerade ein „Best of“-Programm, das Beste (oder für uns Schönste) aus so vielen Jahren. Auch, um zu feiern, dass es uns gibt, dass wir beide uns nach so langer Zeit und intensivem Touren immer noch gut verstehen. Das haben nur wenige Duos geschafft.

Sie haben Philosophie, Germanistik und Englisch studiert. Wollten Sie schon immer Autorin werden?

Ja. Es gab aber immer noch die andere Leidenschaft, die Musik. Deshalb habe ich auch Gitarre studiert, und es ging eigentlich immer zwischen dem Schreiben und der Musik hin und her. Die Bühnencomedy mit viel Musik und Text ist etwas, das beides berücksichtigt und noch besser kann ich Text und Musik bei den Lesungen zusammenbringen, bei denen ich viel Gitarre spiele.

© Claudia Brendler


Welche/n Autor/in würden Sie gerne mal treffen? Welche Frage würden Sie ihm/ihr stellen?

Ich habe gerade Michael Köhlmeyer auf einer Lesung gesehen und mir Bücher von ihm signieren lassen. Immer würde ich gern wissen, wie die von mir bewunderten Autoren arbeiten.  Dies alles in eine Frage zu packen, ist schwer. Ich würde in einem Fall nach der Rolle oder der Stimme des Erzählers fragen, in einem anderen nach den Figuren, in einem dritten nach der Gesamtstruktur; ich würde meinen Lieblingsautoren gern ablauschen, wie sie auf ihre poetischen Bilder kommen. Aber darüber, wie über so vieles, kann man nicht reden. Interessant finde ich immer, wenn Autoren, von denen ich lernen will, Poetikvorlesungen halten, ich kaufe sie mir dann meist, wenn sie als Buch herauskommen. In diesen Vorlesungen werden viele Fragen beantwortet. 

Vielen Dank für das Interview und ich bin gespant auf Band drei ;)


© Sonja Kochmann