Donnerstag, 15. August 2013

Jojo Moyes - Ein ganzes halbes Jahr von SINA

Quelle: Rowohlt

Lou, 26 Jahre alt und ohne Pläne für die Zukunft, verliert ihren Job als Kellnerin im Cafe. Durch die Arbeitsagentur bekommt seine eine Arbeit bei dem querschnittsgelähmten Will vermittelt. Doch Will hat seinen Lebenswillen verloren und nur seinen Eltern zuliebe hat er seinen Termin zum Selbstmord in der Schweiz um 6 Monate verschoben. Lou hat ein halbes Jahr Zeit, um Will umzustimmen.

Durch die vielen positiven Reaktionen auf die Geschichte bin ich auf das Buch aufmerksam geworden. Eigentlich bin ich keine Leserin von Liebesromanen, aber gerade die Schwärmereien vieler LeserInnen hat mich dann doch dazu gebracht, mir das Buch zuzulegen.
Aber letztendlich war ich dann doch enttäuscht.

Mit Lou konnte ich mich gar nicht identifizieren. Ihre Naivität und der große Hang zum Selbstmitleid haben mich teilweise sogar eher genervt. Allerdings hat mir dann wiederum ihre Schlagfertigkeit sehr gut gefallen. Die große Klappe, die sie an den Tag legt, hat einiges ihrer Selbstdramatik wieder wett gemacht.
Wills fehlenden Lebenswillen konnte ich da schon eher verstehen. Seine Entscheidung, sich in der Schweiz selbst umzubringen, hatte mein vollstes Verständnis.

Das Thema, dass die Autorin anschlägt, ist kein leichtes und bringt bestimmt viel Diskussionsmaterial mit sich. Die angesprochen Firma in der Schweiz, die einem bei seinem eigenen Selbstmord hilft, ist in vielen Ländern umstritten, aber auch ich sehe es so, dass jeder – gerade in der Position, in der sich Will befindet – selbst entscheiden sollte, ob er sein Leben so verbringen möchte.

Die Geschichte an sich hat mich dann jedoch an sehr an die Autobiografie von Philippe Pozzo die Brog „Le second soufflee“ erinnert, die unter dem Namen „Ziemlich beste Freunde“ verfilmt wurde. Auch dort gibt es einen Querschnittsgelähmten, der auf seinen Pfleger angewiesen ist. Philippe hat seinen Lebenswillen auch teilweise verloren und sein Pfleger versucht, ihn aus diesem Loch herauszuholen. Dabei entsteht eine tiefe Freundschaft, die bis heute noch besteht. Den Film und die Autobiografie kann ich nur empfehlen.

Genau daran hat mich „ Ein ganzes halbes Jahr“ erinnert, nur dass es hier keine Freundschaft, sondern eine Liebesgeschichte entsteht.

Letztlich hat mich dann nur eine Tatsache davon abgehalten, das Buch abzubrechen. Ich wollte wissen, ob und wie Lou es schafft, Will wieder das Leben schmackhaft zu machen.

Das Ende fand ich dann sehr passend und stimmig und hat das Buch für mich dann doch einen Ticken besser gemacht.

Fazit:
Eine Story, die mir leider zu bekannt vorkam und mich deswegen nicht recht fesseln konnte. Nur aufgrund des für mich stimmigen Endes vergebe ich 6 von 10 Punkten.

Verlag: Rowohlt
erschienen: 2013
Seiten: 512
ISBN: 978-3-499-26703-1




Kommentare:

  1. Ich habe das Buch auch gelesen und mir hat es sehr gut gefallen und im nachhinein sehr zum Nachdenken bewegt. Ganz klar entdeckt man Gemeinsamkeiten mit "Ziemlich beste Freunde" aber das Thema ist ja auch sehr ähnlich, oder?

    Ich konnte mich sehr gut in beide Seiten versetzen und mitfühlen.
    Es ist kein leichtes Thema aber ich finde die Autorin hat es gut umgesetzt.

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  2. Ich kann Deine Meinung nachvollziehen, jedoch nicht unbedingt teilen. Ich fand das Buch großartig, was allerdings auch daran gelegen haben kann, dass ich weder "Le second soufflee“ kenne (ich glaube auf Deutsch kam das auch garnicht raus), noch habe ich den Film gesehen. Mag sein, dass ich dann auch anders darüber denken würde...
    LG
    Tanja

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