Freitag, 31. Juli 2015

Rezension // Paula Hawkins - Girl on the Train: Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich von SONJA


Rachel pendelt jeden Tag von einem tristen Vorort nach London. Da die Zugfahrt eintönig und ermüdend ist, beobachtet sie die vorbeiziehenden Häuser. Regelmäßig hält der Zug an einem Haus: Sie nennt das Paar dort Jess und Jason. 

Doch eines Tages sieht sie etwas Schockierendes. Als tags darauf die Zeitungen von Jess Verschwinden berichten, beschließt Rachel zur Polizei zu gehen und setzt eine auch für sie gefährliche Verkettung in Gang.

Um dieses Buch wird seit Wochen ein riesiges Tamtam gemacht, so dass ich beschloss, passender Weise mit diesem Roman meine anstehende Zugfahrt zu verbringen.

Leider bin ich mit den Figuren der Handlungen von Anfang an nicht richtig warm geworden. Denn die Handlung wird aus der Ich Perspektive von drei Figuren (Rachel, Anna und Jess) mit zeitlichen Abständen erzählt, was ich als sehr anstrengend empfunden habe. 

Die Hauptprotagonistin hat ein massives Alkoholproblem, was sie in ihren Handlungen und Wahrnehmungen stark einschränkt. Dies hat mich doch teilweise sehr gestört. Hier von einer Antiheldin zu sprechen, fand ich zuviel des Guten. Rachel lässt sich bewusst gehen und die Sucht macht sie zu einer unsympathischen Person, mit der ich nicht mitleiden wollte. Allerdings ahnte ich beim Lesen, dass dies von der Autorin bewusst als Stilmittel verwendet wurde. Der Alkohol verschleiert die Fakten, so dass es nicht wie üblichen einen roten Faden bei der Klärung um Jess Verschwinden gibt. Nichts ist, wie es scheint und Paula Hawkins hat einige vorhersehbare aber auch überraschende Dreh- und Angelpunkte in die Handlung eingebaut.

Das Ende kam dann doch sehr zügig (Der musste nun wirklich sein.) So dass einige der drei Ich Erzählerinnen verspätet im Leben angekommen sind. Ich verrate nicht welche.

Das Buch erinnert mich ein wenig an den Filmklassiker "Das Fenster zum Hof", so dass ich sagen muss: bekanntes Thrillerkonstrukt in neuer Verpackung: 6 von 10 Punkten.

Verlag: Blanvalet
erschienen: 2015
Seiten: 448
ISBN: 978-3764505226

© Sonja Kochmann
Zugfahrt Hannover - Weimar


Rezension // Nichola Reilly - Herrscher der Gezeiten von SONJA


Die Erde ist überflutet, nur Wenige kämpfen Tag ein Tag aus ums Überleben. Die schwer gezeichnete Coe ist in ihren Reihen eine Randfigur und muss erniedrigende Arbeiten erledigen, um einen sicheren Platz auf der Plattform zu haben, die bei jeder Flut umspült wird.

Sie träumt von einem besseren und trockenerem Leben und bewundert ihren Freund Tiam, der mutig und stark durchs Leben schreitet. Eines Tages erfährt die Inselgemeinschaft, dass der Herrscher der Insel im Sterben liegt und die Nachfolge unsicher ist. Coe und Tiam werden ins königliche Schloss geladen und erfahren von einem Geheimnis, das alles ändern kann. Haben sie genug Zeit, bevor die Flut alles mit sich reißt?

Auf der Leipziger Buchmesse 2015 fiel mir dieses Buch sofort in die Hände und es war klar. Ich muss es lesen. Denn ich liebe das Meer. Also las ich dieses Buch während ich auf einer Liege am Meer lag und die Sonne....dieses Buch passt zu jedem Strandurlaub und ist auch etwas für Daheimgebliebene, denn die dystopischen Schilderungen der Autorin sind wunderbar gelungen. Ob diese Zukunft irgendwann Realität wird?


Coe und Tiam haben auf jeden Fall einen sehr aufregenden Alltag, so dass ich das Buch von Anfang an als sehr spannend empfunden habe. Durch ihre Behinderung ist Coe eine Außenseiterin der Gruppe und erträgt stoisch ihr Schicksal ohne zu verbittern. Dies macht sie als Heldin der Handlung sehr sympathisch.

Doch auch die übrigen Figuren sind geschickt angelegt, denn der Leser muss mit Coe zusammen erleben und erfahren, wer gut oder böse ist. Denn die Zivilisation wie wir sie heute kennen, gibt es nicht mehr. Hier zählt das blanke Überleben. Coe kann beim Lesen eines alten Märchenbuches zum Beispiel manche Dinge wie Tanzen gar nicht nachvollziehen, da es in ihrer Welt reiner Luxus wäre. Auch sind die Voraussetzung durch die Überflutung dafür nur im Palast gegeben. Weitere Einblicke in lang vergessenes Wissen erhält sie durch ein Tagebuch, dass in der Zeit entstand, in der die Flut kam. Dadurch bekommt der Leser einen guten Einblick in die Dystopie ohne durch lange Schilderungen gelangweilt zu werden.

Das Ende ist für mich ein wenig offen, so dass ich mich frage, ob es eine Fortsetzung geben könnte. (Bislang gibt es auch im Englischen nur dieses eine Buch.) Daher 9 von 10 Punkten!


Verlag: Mira TB
erschienen: 2015
Seiten: 352
ISBN: 978-3956491061


© Sonja Kochmann

Rezension // Susan Mallery - Eine Marcelli gibt nicht nach von SONJA


Auf dem Weingut der Familie Marcelli laufen die Vorbereitungen für die Hochzeit der jüngsten Enkelin Mia an. Sie wird mit gerade Mal 18 Jahren vor den Altar treten und den ebenfalls blutjungen David heiraten. Doch der Vater von David, Zach, will dies mit Tücke und List verhindern. Er engagiert für seine Kanzlei Mias Schwester Katie, die als Partyplanerin bislang einen guten Ruf inne hat. Sollte sie nicht mitspielen, wird er sie ruinieren, dumm nur, dass auch diese Marcelli äußerst verlockend ist.

Die Marcellis sind eine italienische Familie wie man sie sich gerne ausmalt. 

Es wird gekocht, gegessen und temperamentvoll diskutiert. Die Weinberge bieten eine malerische Umgebung und auch die angedeuteten Familienstreitigkeiten und die Fehde mit dem Nachbarn bieten Raum für eine interessante Handlung.

Nur der Patriarch sieht für seine Enkelinnen (Für Folgebände ist also ordentlich Kapazität vorhanden.) als einzige erstrebenswerte Zukunft die Heirat an. Dies bietet ordentlich Zündstoff, der von der Autorin sicherlich auch so gewollt ist, doch in den einzelnen Dialogen hat mich dies einfach nur genervt! Die sonst so emanzipierten Enkelinnen wirken wie die Heimchen am Herd und sticken am Hochzeitskleid, statt die Augen zu öffnen und mal auf den Tisch zu hauen.

Susan Mallerys gewohnten spritzigen Dialoge verblassen teilweise unter der erdrückenden Hochzeitsthematik, so dass mich einzig und allein der Handlungsverlauf besänftigen konnte: denn es kommt doch alles anders als gedacht. Ich baue nach dieser überraschenden Lösung für die Konstellation Mia/David und Katie/Zach doch auf die verbliebenen Enkelinnen. 6 von 10 Punkten.



Verlag: Mira Taschenbuch
erschienen: 2012
Seiten: 348
ISBN: 978-3862784912


© Sonja Kochmann

Freitag, 24. Juli 2015

Rezension // Mechthild Gläser - Die Buchspringer von SONJA


Während der Sommerferien fliehen Amy und ihre Mutter auf eine kleine abgeschiedene Shetland-Insel. Was Amy nicht wusste, hier lebt ihre Großmutter, die ihr noch am Abend ihrer Ankünft ihr bislang verschwiegenes Familienerbe offenbart: Sie ist eine Buchspringerin und kann die geschriebenen Geschichten besuchen. Doch in der fiktiven Welt treibt sich ein realer Bösewicht umher. Amy und ihre Lieben geraten in Gefahr und auch das gedruckte Wort scheint sich zu verändern.

Mechthild Gläser ist es gelungen ein wunderschönes Jugendbuch zu schreiben, dass auch erwachsene Leser in ihre Jugendzeit zurückversetzt. Denn während Jugendliche vielleicht Leseappetit auf Klassiker wie Momo, Das Dschungelbuch, Peter Pan, Sherlock Holmes, Stolz und Vorurteil, Shakespeare und Co. bekommen (Ja, es gibt auch Bücher zu Filmen), erinnert sich vielleicht der ein oder andere an frühere Lesestunden.

Anhand der Geschichte wird geschickt erklärt, wie ein Buch entstehen kann bzw. wie sich eine Geschichte zusammensetzt.

Da auch Amy ihre Fähigkeiten und die Möglichkeiten nach und nach entdeckt, begleitet der Leser die Handlung und kann es kaum aus der Hand legen, denn das gedruckte Wort ist in Gefahr!

An dieser Stelle doch ein Hinweis ohne Spoiler: Für mich war das Ende sehr überraschend für ein Jugendbuch, da ich etwas anderes erwartet hätte. Daher 9 von 10 Punkten. Absolut lesenswert für Jung und Alt.


Verlag: Loewe
erschienen: 2015
Seiten: 384
ISBN: 978-3785574973

© Sonja Kochmann

Dienstag, 7. Juli 2015

Rezension // M. Leighton - The Wild Ones: Verführung von SONJA


Irgendwo im Süden der USA, eine Ranch, Vollblutpferde, ein herrischer Patriarch, ein hübsches Mädchen namens Camille. Der zukünftige Schwiegersohn Brent wurde vom Vater bereits ausgesucht. Alles scheint in geregelten Bahnen für Cami zu laufen. Bis sie Patrick ("Trick") kennen lernt. Es bricht ein Feuerwerk an Gefühlen bei Cami aus. Doch die Liebe der beiden löst nicht nur bei ihrem Vater Widerstand aus.....

Obwohl ich noch nie in den USA war, liebe ich Romane, die im Süden der USA spielen. Die hier geschilderte Umgebung der Ranch oder der Dorfkneipe haben mir sehr gut gefallen. Auch die Nebencharaktere fand ich äußerst gelungen. Denn die Haushälterin namens Drogehda, die den Held der Geschichte als "heißer als der 9. Kreis der Hölle" bezeichnet, ist wirklich liebenswert. 

Die Autorin schafft es, durch ihre spritzig und frechen Dialoge eine abwechslungsreiche Liebesgeschichte mit Höhen und Tiefen zu schildern. Auch die abwechselnde Erzählung aus Camis und Tricks Sichtweise bietet eine ordentliche Dynamik im Handlungsstrang. 

Die Thematik der Pferdezucht bietet gekonnt eine Basis für die Träume der beiden jungen Protagonisten, denn beide wollen sich selbst etwas erarbeiten und lieben die Pferde. Während Camis Vater sich hochgearbeitet hat und nun vor Geld schwimmt, muss Trick auf vieles verzichten, weil der Tod seines Vaters die Familie ruiniert hat. Dies bietet ordentliche Reibungspunkte.

Obwohl dieses Buch zum Genre Young Adult gehört ist eine ordentliche Dosis Erotik enthalten und sogar das Essen von Krabbenbeinen wird ein erotisches Mahl. Volle Punktzahl! Ich freue mich auf Folgebände der Reihe (Die aber inhaltlich nicht von einander abhängig zu sein scheinen. Ich werde berichten!)


Verlag: Heyne
erschienen: 2015
Seiten: 352
ISBN: 978-3453418806