Montag, 27. November 2017

Rezension [Hörbuch] // Jonathan Stroud - Bartimäus: Das Amulett von Samarkand (1) von SINA

© Sina Frambach

Nathanael kommt als Kind in den Haushalt von Arthur Underwood, um dort seine Ausbildung als Zauberer zu beginnen. Von Anfang an hat Nathanael es nicht leicht, wird doch sein Genie verkannt und er nur spärlich von seinem Lehrmeister mit Informationen versorgt. Heimlich lernt er aus den Büchern, die er eigentlich noch nicht lesen darf und vergrößert dadurch sein Wissen. Als er eines Tages von Simon Lovelace, einem eitlen und herrschsüchtigen Zauberer auf die Probe gestellt wird und diese Probe besteht, wird er von Lovelace trotzdem bzw. aufgrund seines Wissens gedemütigt. Nathanael beschließt, sich zu rächen und beschwört den Dämon Bartimäus, einen großen und mächtigen Dschinn. Zusammen mit Bartimäus kommt Nathanael dann jedoch einer Verschwörung auf die Spur. Nathanael weiß: nur er kann Lovelace aufhalten.

Beim Lesen des Buches hatte ich mich schon köstlich amüsiert. Nach 50 Seiten war ich von der Geschichte so begeistert, dass ich mir sofort die Folgebände bestellt hatte.
Die Erzählweise des Autors ist herrlich sarkastisch (gerade aus Sicht des Dschinns). Die packende Story tut dann den Rest und so ist man gefangen von der detailreichen Erzählweise.

© Sina Frambach

Um nun eine Auffrischung der Geschichte zu erhalten, habe ich mir das Hörbuch zugelegt. Vorab: Dieses ist stark gekürzt, einige Dinge fehlen vollkommen (die in meinen Augen für den zweiten Teil sehr wichtig sind). Und doch ist man - wenn man als Neuling an die Geschichte herangeht - wieder fasziniert von den Zauberern London, die mitten unter den Gewöhnlichen (ein für HP-Fans ungewohnter Name für Muggel) leben und agieren. 

Gerade Bartimäus, ein kauziger, nicht auf den Mund gefallener Dschinn, hat es mir dabei sehr angetan. Seine Art, sich über alles zu stellen und von oben herab zu behandeln, ist fast schon wieder sympathisch. Sein Handeln führt manchmal dazu, dass die Dinge außer Kontrolle geraten, aber trotzdem hat er - wenn er eins hätte - das Herz am rechten Fleck. 

Abwechselnd wird aus seiner Sicht und aus Sicht Nathanaels erzählt. Dabei erzählt Bartimäus in Ich-Form. Im Buch sind es noch die Fußnoten, in denen der Dschinn seine Erhabenheit und Sicht auf die Menschen erklärt. Leider konnten diese im Hörbuch nicht umgesetzt werden. Es fehlt also ein entscheidender Teil, der das Buch ausmacht. Ich wüsste aber nicht, wie man dies um Hörbuch umsetzten sollte, wenn man nicht laufend das Wort "Anmerkung" oder "Fußnote" mit einbauen will.

© Sina Frambach
Der Sprecher Martin Semmelrogge ist in meinen Augen jedoch sehr unpassend gewählt. Ich hatte oft sehr viel Mühe, ihn zu verstehen, weil er - gerade bei spannenden oder rasanten Stellen - zu schnell sprach und dabei einige Worte verschluckte. Ich denke, dass er als Sprecher von Bartimäus zwar gut gewählt ist, aber die gesamte Geschichte zu erzählen nicht seine Stärke war. Wenn er den Part von Bartimäus vorlas, konnte ich mir den vorlauten Dschinn sehr gut vorstellen. Der "neutrale Vortrag" als dritte Person über Nathanael war nicht gelungen. Es wirkte nämlich nicht so "nüchtern", wie in den Büchern. Nathanael ist keine emotionale Person, die Stimme von Martin Semmelrogge konnte dies leider nicht rüberbringen. 

Nathanael und Bartimäus sind ein ideal nicht-zusammenpassendes Team. Ich habe mich köstlich über den Wort-Schlagabtausch zwischen den beiden amüsiert. Die nächsten Teile sind damit ein absolutes Muss.

Fazit:
Ein herrliches, witziges Jugendhörbuch, dass auch für große Kinder geeignet ist. Nur der Sprecher ist gewöhnungsbedürftig. Die Story bekommt von mir eine glatte 10. Der Sprecher leider nur eine 4. Insgesamt vergebe ich deshalb 7 von 10 Punkten

Verlag: Randomhouse Audio
erschienen: 2008
Format: 6 CDs, gekürzte Lesung
Länge: 430 Min.
ISBN: 978-3-8371-0003-7

© Sina Frambach