Dienstag, 29. Mai 2018

Rezension // Fay Winterberg - Kain: Der erste Vampir (3) von SINA


© Sina Frambach

Der dritte Teil der New-Steampunk-Age-Reihe führt uns diesmal zu den Anfängen der Vampire. Denn Lilith wird von Raphael beauftragt, um bei der Suche nach Kain zu helfen. Kain, der erste Vampir. Die Dringlichkeit ist hoch, denn sollte ihm etwas zustoßen, würde dies den Untergang aller Vampire bedeuten. 
Und schon sind wir mitten in einer Verfolgungsjagd, deren Ziel einzig der Vampir Kain ist. Immer wieder überschattet von Bombenanschläge, die überall auf der Welt stattfinden und bevorzugt Stätten von Vampiren treffen.
Lilith muss ihren Grips diesmal mächtig anstrengen, wobei sie aber sehr oft anderen Reizen ausgesetzt ist. 

Der Schreibstil der Autorin sorgt dafür, dass die Geschichte fast ohne Längen auskommt und die Spannung auch gehalten wird. Lilith und Raphael tappen sehr oft in bedrohliche Situationen, immer mit ungewissem Ausgang. Doch ihr Einfallsreichtum hilft ihnen. Teils erhalten sie auch unerwartete Hilfe.

© Sina Frambach

Die Puzzleteile, die dabei aufgedeckt werden, führen jedoch oft zu noch mehr Verwirrung, bevor es am Ende zu einem großen Showdown kommt. Dabei lässt die Autorin gezielt einige Fragen offen, doch zu einem großen Cliffhanger kommt es nicht. So meint man, die Reihe wäre abgeschlossen, aber es folgt doch noch der kleine Hinweis, dass der vierte Teil bald folgen soll. 
Den Weg, den Lilith dann einschlagen wird, werde ich gerne weiterverfolgen, denn ihre taffe und ehrliche Art gefällt mir sehr gut. Und da sie nun eine große Entwicklung machen wird, ist bestimmt auch wieder ein großes Abenteuer vorprogrammiert.

© Sina Frambach

Aber auch die anderen Charaktere wachsen einem ans Herz. Elias, Liliths Vater, der als Oberhaupt das Sagen hat, gibt zwar einige Rätsel auf, doch führt dies zu einer geheimnisvollen Aura, was ihn sehr sympathisch wirken lässt. Sein teils verhaltenes Auftreten führt dazu, dass man sich auf weitere spannende Auftritte von ihm freut.

Auch Kain, der erste Vampir, gibt sich rätselhaft, doch sind dies genau die Charakterzüge, die für weiteren Lesestoff sorgen. Hier ist alles sehr ausbaufähig, vielleicht sogar für Spin-offs. 

© Sina Frambach

Der Unterhaltungswert der Geschichte ist sehr hoch, vor allem wenn es zu kleinen Reibereien zwischen den Vampiren kommt. Liliths loses Mundwerk steht dabei hoch im Kurs. Doch dies ist nicht das einzigste. Alle anderen können auch ihren Teil und so ergeben sich humorvolle, sarkastische, aber auch ernste Dialoge. Man muss schmunzeln, lachen, aber auch nachdenken.

Fazit:
Eine Verfolgungsjagd der besonderen Art. Ich vergebe 8 von 10 Punkten.

Verlag: Art Skript Phantastik Verlag
erschienen: 2018
Printseiten: 232
Format: Klappenbroschur
ISBN: 978-3945045152


Dienstag, 22. Mai 2018

Rezension // L. J. Shen - Rough Love von SONJA


© Sonja Kochmann


Diese eShort Geschichte ist eine Geschichte die zeitlich vor "Vicious Love" anzusiedeln ist. Meines Erachtens ist jedoch die Reihenfolge hierbei nicht ganz so wichtig.

Es geht um die Lehrerin Melody Greene, die zum Objekt der Begierde für "Hot Hole" Jamie wird. Ihre Träume eine Ballerina zu werden, musste sie begraben und arbeitet an der Elite High School der "Hot Holes". Die Anziehung zu dem deutlich jüngeren Jamie lässt sich kaum verbergen und es wird gefährlich: denn seine Mutter ist die Direktorin und ein Techtelmechtel könnte ihren Job gefährden.

Der bereits bekannte Schreibstil der Autorin wurde auch in dieser eShort Geschichte beibehalten. Melody und Jamie bringen ihre sexuelle Anziehung schnell auf den Siedepunkt. Denn es bleiben schließlich nur 130 Seiten, um die Lage zu klären.

Anfänglich dachte ich an eine typische "Mrs. Robinson" Geschichte doch der "treibende" Part ist hier Jamie. Das beide noch ordentliche Hürden nehmen müssen, um zum Glück zu kommen, wurde trotz der Kürze gut gelöst. Volle Punktzahl!



Verlag: Lyx digital
erschienen: 2018
Seiten: 130
ASIN: B079M8GMC7

Rezension // L. J. Shen - Vicious Love von SONJA


© Sonja Kochmann

Dark Romance ist derzeit aus den Bücherregalen nicht mehr wegzudenken und hier haben wir ein besonders schönes Exemplar: Baron "Vicious" Spencer hat Emilia LeBlanc einst ihr Leben zur Hölle gemacht, als sie nun Jahre später wieder in seine Augen blickt, kann sie sich ihm kaum entziehen.

Inzwischen ist aus dem Jungen von einst ein erfolgreicher Anwalt geworden, der mit den restlichen Jungen seiner Gang, den "Hot Holes" ein Multi-Milliarden-Dollar-Imperium erschaffen hat. Er bietet Emilia einen Job an, den sie kaum ablehnen kann. Doch ist das alles?

Natürlich nicht. Der Schreibstil hat mir von Anfang an gut gefallen. Vicious und Emilia können gegensätzlicher nicht sein. Doch der Leser erfährt nach und nach von ihren Beweggründen - damals wie heute - und ahnt, dass die beiden einander brauchen und nicht von einander lassen können. Ist der Bad Boy vielleicht doch liebenswert?

Das immer wiederkehrende Motiv des blühenden Kirschbaums fand ich sehr gelungen und in Bezug auf die heranwachsende Heldin sehr romantisch und prägend.

Vielversprechend sind natürlich auch die anderen "Hot Holes", die hier in diesem Auftaktband schon ihre Einführung in die Sinners of Saint Reihe erhalten. Denn mit denen geht es schließlich in den Folgebänden und einer eShort Geschichte weiter (und es scheint vielversprechend zu werden).

An Erotik mangelt es natürlich auch nicht und so fliegen Fetzen und Funken bis zum.......volle Punktzahl.

Wer Soundtracks zu Büchern mag, wird übrigens auf den ersten Seiten fündig. Also los geht's.



Verlag: Lyx
erschienen: 2018
Seiten: 448
ISBN: 978-3736306868

Rezension // Alice Clayton - Cream of the Crop: Erste Sahne von SONJA

© Sonja Kochmann

Auf dieses Buch wurde ich bei Netgalley durch das sehr offensichtliche Cover aufmerksam. Ich fand es zwar etwas sehr plump, wurde aber anhand des Klappentextes doch neugierig. (Das englische Cover ist übrigens kein Deut besser.)

Obwohl es sich um den zweiten Band der Hudson Valley Reihe handelt, dachte ich sofort: DAS ist etwas für mich. Denn hier trifft eine toughe Werbefachfrau aus New York auf den sexy Milch- und Käsebauern Oscar.

Bei dieser Beschreibung musste ich doch glatt an meine Lieblingsreihe True North von Sarina Bowen denken. Städterin trifft auf Naturburschen. Es scheint ein Geheimrezept zu sein. Doch funktioniert es auch hier?

Der Schreibstil von Alice Clayton lässt sich gut lesen. An erotischen Szenen und flotten Sprüchen mit Erotikanteil mangelt es hier auf keinen Fall, denn die Heldin Natalie ist, trotz ein paar Kilos zuviel, keine Kostverächterin, was Männer und Käse angeht. 

Genussvoll und auch gewöhnungsbedürftig, denn die Kurven und auch ihre Sichtweise auf Männer werden einen Tick zuviel erwähnt, so dass die selbstbewusste Haltung, die durchaus tiefer gehende Ursachen hat, ein bisschen sexistisch anmutet. 

Doch die Dialoge mit Oscar sind prickelnd und humorvoll, so dass man sich schnell mehr vom Bauern und vom Käse erhofft. Ein Thema, was geschickt in die ländliche Idylle mit hineingebracht wird. Ein bisschen Brie herstellen kann erotisch sein, aber ob Natalie, dies in ihren Peeptoe-Pumps auch findet? Ein vielversprechender Kontrast.

Der Vorband "Nuts - Verrückt nach Dir" handelt übrigens von Natalies Freundin Roxie und dem Farmer Leo, die beide am Rande vorkommen. Die Protagonisten sind gelungen und ich wurde neugierig auf das Städtchen im Hudson Valley. Hier gibt es noch ein paar andere interessante Protagonisten, die sich für weitere Bücher eignen würden.

Band 1: "Nuts - Verrückt nach Dir" und Band 3: "Buns - Unwiderstehlich" sind trotz der Kritikpunkte auf meiner Wunschliste gelandet und werden mir wieder einen kleinen Ausflug in das idylische Hudson Valley bescheren. Ich vergebe 8 von 10 Punkten.


Verlag: Sieben Verlag
erschienen:
Seiten: 308
ISBN: 978-3864437618

Sonntag, 20. Mai 2018

Rezension // Markus Heitz - Die dunkle Zeit: Das Zeichen des dunklen Gottes (3) von SINA

© Sina Frambach

Während Lodrik seine Herrschaft weiter ausbaut und das benachbarte Borasgotan als vermeintlichen Feind sieht, hantieren im Hintergrund dunkle Mächte, um ihn zum Scheitern zu bringen. Doch Lodrik, davon überzeugt, dass er der wahre Herrscher, der wahre Beschützer von Ulldart ist, lässt sich nicht abbringen und hat ein festes Ziel vor Augen. Aber so ganz kann er sich der Manipulation ihm gegenüber nicht wehren und wird tiefer in die Machenschaften seines Konsultanten Mortva Nesreca gezogen. Und seine einstigen Freunde stellen sich gegen ihn. Die dunkle Zeit scheint immer näher zu rücken und keiner weiß, wie sie aufgehalten werden soll.

Auch der dritte Teil der Ulldart-Reihe "Die dunkle Zeit" besticht durch ein ausgeklügeltes System von Intrigen, Drahtziehern im Hintergrund und der Besessenheit des Kabcars (Herrscher), der ein geeintes Reich möchte, dies jedoch nur mit Hilfe von Magie durchsetzen kann.

Und so wird es spannend. Denn nun ist es so, dass die einstigen Freunde Lodriks anfangen, an ihm zu zweifeln. Sie wollen den früheren Herrscher zurück und schrecken dabei auch nicht davor zurück, Hochverrat zu begehen, um ihm endlich die Augen zu öffnen. 

Der Weg des Kabcars ist mit vielen Steinen gespickt. Jeder einzelne ist groß und schwer umschiffbar. Und so passiert es, dass sich eben Dingen bedient wird, die zweifelhaft sind. Magie kommt ins Spiel. Alte Götter werden zur Hilfe gerufen. Das Land droht auseinanderzufallen. Nur Bündnisse helfen.

Der Autor führt uns in ein dunkles Kapitel des Kontinents Ulldart. So scheint alles aussichtslos. Die Feinde sind übermächtig, der Kabcar jedoch weiß sich zu helfen. Er droht jedoch immer mehr den finsteren Zeiten zu verfallen und man stellt sich unweigerlich die Frage, ob es nicht wirklich besser gewesen wäre, wenn der Mönch Matuc, der ja im zweiten Teil ein Attentat geplant hatte, dies aber nicht richtig ausführen konnte, nicht doch recht getan hätte, Lodrik zu töten. 
Andererseits hat man Mitleid mit Lodrik, der ja eigentlich Gutes will. Nur die Umsetzung scheitert. Und er hat mit den falschen Leuten zu tun. 

Lodrik ist der eine Hauptstrang, im zweiten beschäftigen wir uns näher mit Lodriks Geliebter Norina, dem Leibwächter Waljakov und Stoiba, Lodriks einstigem Vertrauten. Die drei standen dem Herrscher näher, wie kein anderer. Bis der Verwandte Mortva auf den Plan trat.

Der dritte Strang handelt wieder von dem König Perdór und seinem Hofnarr Fiorell, die die ganze Angelegenheit noch als Außenstehende betrachten, aber schon anfangen, Vorkehrungen zu treffen, falls sie in den Krieg mit einbezogen werden.

Jeder geht seinen eigenen Weg und doch sind alle Schicksale miteinander verknüpft. Denn jeder kann dazu beitragen, dass vielleicht doch noch gute Zeiten hereinbrechen. Dazu müsste aber der verantwortliche Drahtzieher gefasst und aufgehalten werden. 

Der Schreibstil des Autors ist gewohnt flüssig, packend und mit dem nötigen Humor gespickt. Gerade bei den Gesprächen zwischen König Perdór und seinem Hofnarr Fiorell entstehen witzige Szenen, die man sich bildlich sehr gut vorstellen kann. 

Mir fehlen allerdings ein paar Landschaftsbeschreibungen. Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, wie es in der Hauptstadt des Landes oder den jeweiligen anderen Orten aussieht. Nur die Charaktere an sich habe ich mit einem Bild vor Augen.

Ansonsten bin ich froh, dass mit dem dritten Teil der Reihe das Niveau nicht nachlässt und immer noch eine packende Story im Vordergrund steht. Auch hier sind keine Längen entstanden, obwohl das Buch ja über 500 Seiten lang ist. Diese vergehen jedoch wie im Fluge und man leidet mit den Charakteren mit. Am liebsten wäre ich in das Buch gekrochen, hätte Lodrik an den Schultern gepackt, geschüttelt und ihm ins Gesicht geschrieen, dass er endlich die Augen aufmachen soll. Doch zum Glück kann ich das nicht und lese deshalb gerade den vierten Teil der Reihe, der - soweit kann ich es schon verraten - genauso spannend weitergeht und einige Überraschungen parat hält.

Fazit:
Das Böse droht Überhand zu nehmen. Ich vergebe 8 von 10 Punkten.

Verlag: Piper
erschienen: 2004
Format: ebook
Printseiten: 528
ISBN: 9-783-492-95049-7


Mittwoch, 2. Mai 2018

Rezension // Markus Heitz - Die dunkle Zeit: Der Orden der Schwerter (2) von SINA

© Sina Frambach

Lodrik steht kurz vor seiner Krönung zum Kabcar von Tarpol, doch zeigt er sich dem Volk nur spärlich, damit die Überraschung bei der Zeremonie umso größer ist. Doch die Prophezeiung, die ihm im Nacken sitzt, weckt Zweifel bei seinen Vertrauten. Als am Krönungstag ein Attentat auf ihn verübt wird, dabei jedoch die Kathedrale zum Einsturz gebracht wird, sind die Zweifel zumindest bei Lodrik ausgelöscht. Er glaubt sich von Uldrael beschützt. Ist Lodrik wirklich der, der das Land ins Chaos stürzt? Oder muss er geschützt werden, damit das Land gerettet werden kann?

Diesmal geht der Autor mit mehr Ernst an die Geschichte heran. Zwar ist der Humor immer noch vorhanden, doch gerade Lodrick ist es, der sich stark verändert und seine Aufgabe sehr ernst nimmt.

Vielen Autoren gelingt es nicht, eine Fortsetzung zu schreiben, die genauso packend, wenn nicht so gar noch spannender ist, wie der erste Teil. Diesmal ist es sehr gut gelungen. Ich war noch faszinierter von dem Kontinent Ulldart, der mit so einigen Charakteren aufwartet, die ich sehr interessant finde.
Gerade zum Ende hin gibt es einige Überraschungen. Diese machen dann auch große Lust, gleich zum nächsten Teil zu greifen.

Die politischen Interessen der einzelnen Länder werden sehr detailliert beschrieben und behandelt, so kann man die Beweggründe der Parteien gut nachvollziehen. Doch gibt es einige Zeitsprünge, die es teilweise sehr schwer machen, der Handlung zu folgen. Befindet man sich gerade noch in einer Besprechung im Königreich Tarpol im Palast des Kabcar, steht man im nächsten Moment an der Front dem Feind gegenüber und es wird zum Angriff geblasen. 

Vor jedem Kapitel erwartet einem wieder ein kleiner Ausschnitt aus der Geschichte Ulldarts. Diesmal die Einblicke in die religiösen Gegebenheiten, d. h. die einzelnen Götter des Kontinents werden vorgestellt und wie es dazu kam, dass alles so ist, wie es ist. Diese Geschichte in der Geschichte trägt dazu bei, das Ende des Buches zu vervollständigen und zu verstehen, warum jetzt so gehandelt wird.

Gerade die neuen Charaktere, die in die Geschichte eingebunden werden, bringen großen Schwung und die Geschichte. Die Änderungen, die sie herbeiführen, können bis zum Ende des Buches noch nicht mal als gut oder schlecht eingeschätzt werden und so ergeben sich wiederum so einige Überraschungen. 
Diese Ungewissheit nötigt einem fast den dritten Teil der Reihe auf, diese Challenge akzeptiere ich jedoch mit Freude.

Die Charaktere sind allesamt wieder gut ausgearbeitet, haben Tiefgang, Ecken und Kanten und wirken - auch wenn böse - sehr sympathisch und realistisch. 

Bei den ganzen politischen Spielen und kriegerischen Auseinandersetzungen vergisst der Autor jedoch nicht den fantastischen Teil und lässt im wahrsten Sinne des Wortes sehr viel Magisches geschehen. Neben dem Strang rund um Lodrik und seinen Kampf um Tarpol gibt es Einschübe, die uns den König Predor und seinen Hofnarr Fiorell vorstellen. Gerade hier kommt der Humor des Autors zu Wort. Fragt man sich am Anfang noch, warum es diese Einschübe gibt, erfährt man im Laufe der Geschichte so einiges über die Charaktere und ihre Wirkung auf das Geschehen. 

Man sollte den ersten Teil "Schatten über Ulldart" gelesen haben, weil doch so einiges aus dem ersten Band aufgegriffen wird. Ansonsten fehlt dann doch das Verständnis vom zeitlichen Ablauf her. 

Ich bin froh, dass das Niveau des ersten Teiles gehalten werden konnte und freue mich nun auf den dritten Teil der mittlerweile 9 Bände umfassenden Reihe.

Fazit:
Fast besser als der erste Teil. Von mir gibt es 8 von 10 Punkten.

Verlag: Piper
erschienen: 2010
Format: ebook
Printseiten: 496
ISBN: 978-3-492-95050-3

Rezension // Markus Heitz - Die dunkle Zeit: Schatten über Ulldart (1) von SINA

© Sina Frambach
Lodrik, Sohn des Kabcar und als Tadc sein rechtmäßiger Nachfolger, hat sein Augenmerk eher auf Essen gerichtet, denn auf das Lernen, wie er als nächster Kabcar das Land regiert. Da dies in den Augen seines Vaters ein Frevel ist, schickt er ihn in die Verbannung in die Provinzhauptstadt Granburg, damit Lodrik dort als Gouverneur lernt, wie man herrscht, ohne sich lächerlich zu machen. Seine einzigen Begleiter sind Stoika, ein Vertrauter und Lehrer  sowie der Leibwächter Waljakov. Lodrik merkt bald, dass mit diesen beiden nicht zu spaßen ist und als er auch noch auf die schöne Norina trifft, wandelt sich sein Leben um 180 Grad.
Gleichzeitig wird in einem Kloster weit entfernt ein Mönch von einer Vision heimgesucht. Seine Worte "Tadc... Gefahr... jemand töten... die Dunkle Zeit kehrt zurück" wird so ausgelegt, dass der Nachfolger des Kabcar getötet werden muss, da dem Königreich ansonsten Unheil droht. Matuc, der die Vision miterlebt hat, macht sich auf den Weg, das Schicksal des Tadc zu erfüllen.

Nach vielen Einzelbänden des Autors wollte ich mich mal wieder eine Reihe von ihm widmen und meine Wahl fiel dabei auf die Ulldart-Reihe "Die dunkle Zeit". Ihren Anfang nimmt diese mit "Schatten über Ulldart" und umfasst nun mittlerweile 9 Bände.
Da mit der Schreibstil des Autors sehr gut gefällt und hier auch teilweise sein Humor einfließt, hatte ich keinerlei Mühe, in die Geschichte einzutauchen und fand mich sogleich in Tarpol wieder, ein Königreich des Kontinents Ulldart. Dort lebt der "Tadc", der Sohn des regierenden Kabcars. Lodrik ist 15 und hat nicht nur die Bürde als Thronfolger zu tragen. Auch seine Lebensweise macht ihn nicht gerade beliebt. Dicklich, verweichlicht und vorlaut - alles Attribute, die seinem Vater schwer zu schaffen machen. Um dies zu ändern, schickt er ihn fort, zusammen mit Stoiko, dem engsten Vertrauten des Tadc und dem Leibwächter Waljakov, einem Hühnen von einem Mann, der schon mit seiner mechanischen Hand einen gewissen Respekt ausstrahlt. 
Unerkannt soll der Tadc nun in der Provinzhauptstadt Granburg als Gouverneur regieren und dort lernen, ein Kabcar zu werden.

So weit so gut, gäbe es nicht zeitgleich die Prophezeiung: "Tadc... Gefahr... jemand töten... die Dunkle Zeit kehrt zurück." Eine Prophezeiung, die zweierlei ausgelegt werden kann. Matuc und der Dunkle Rat kommen auch zu dem Ergebnis, dass der Tadc getötet werden muss, damit die Prophezeiung ausgeführt wird und so macht sich Matuc auf den Weg, dies zu erledigen. Unterwegs trifft er auf eine Gruppe, die ihm helfen will

Doch was ist, wenn die Prophezeiung falsch interpretiert wurde?

Diese Frage gilt es nun zu klären und so begleiten wir auf der einen Seite Lodrik auf seinem Weg zur Ausbildung zum Kabcar und auf der anderen Seite Matuc, der die Prophezeiung erfüllen möchte. 

Denkt man zu Anfang noch, es drehe sich alles um Lodrik, kommen nach und nach Matuc und seine Begleiter in den Vordergrund. So ergibt sich eine Geschichte, die in zwei Stränge aufgeteilt ist und je mehr man liest, umso spannender wird es. Was wird wohl passieren, wenn die beiden Stränge aufeinandertreffen? Dies herauszufinden, hat mir unheimlich Spaß gemacht. So konnte ich das Buch nur selten aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es denn nun weitergeht.

Dabei ist es aber keineswegs so, dass die Protagonisten dabei auf der Strecke bleiben. Im Gegenteil, jeder bekommt so viel Raum, wie für ihn nötig ist. Alle lernt man genau kennen, kann die Beweggründe oder Handlungstaten nachvollziehen und auch bei denen Sympathie entdecken, bei denen man eigentlich dachte, dass dies nicht möglich sei.

So ergeben sich auch interessante Kombinationen von Charaktere. Insbesondere an dem Berater des Tadc, Stoika und dem Leibwächter Waljakov fand ich großen Gefallen. Diese beiden ergänzen sich perfekt und werden im Laufe der Geschichte auch enge Freunde. Beide halten mit ihren Meinungen nicht hinterm Berg und fahren dem zukünftigen Kabcar auch mal über den Mund. Daraus entsteht aber auch eine tiefe Freundschaft zwischen Lodrik, Stoika und Waljakov. Die drei können sich aufeinander verlassen.

Obwohl es sich hier um eine Fantasy-Geschichte handelt, kommt diese ohne die bekannten Figuren wie Trolle, Orks oder Zwerge aus. Trotzdem merkt man deutlich, dass man sich auf einem fiktiven Kontinent befindet, der mit fantastischen Dingen aufwartet. Interessant war dabei, wie die Entwicklung mancher Figuren vonstatten ging. Am meisten verändert sich wohl Lodrik, doch auch bei allen anderen fand ich dies spannend zu lesen.

Auch die erfundene Götterwelt führt sich packend in die Geschichte ein. Dabei ist es so dass, als Einleitung zu jedem Kapitel jeweils ein Auszug aus der Entstehung Ulldarts angeführt ist, so dass sich hier quasi eine Geschichte in der Geschichte verbirgt. Doch diese kurzen Szenen ergeben zum Ende hin ein Bild, dass nötig ist, um alles besser zu verstehen.
Die Geschichte ist komplex, da viele Charaktere auftauchen. Aber trotzdem ist es einfach, diesen zu folgen, da durch den detaillierten Schreibstil keine Fragen offen bleiben.

Das Ende ist so, wie es für einen ersten Teil sein soll: spannend und mit sehr vielen offenen Türen. So muss man zum zweiten Band greifen, weil man dringend wissen will, wie es weitergeht.

Fazit:
Ein komplexer neuer Kontinent mit interessanten politischen Entwicklungen. Nichts ist so, wie es scheint. Ich vergebe 8 von 10 Punkten.

Verlag: Piper
erschienen: 2010
Format: ebook
Printseiten: 400
ISBN: 978-3-492-95051-0


Rezension // Mina Baites - Träume aus Silber (2) von SINA

© Sina Frambach

Lilian Morrison hat endlich ihre Familie gefunden und führt mit ihrem Verlobten Sam ein schönes Leben in Kapstadt. Doch sehnt sie sich danach, herauszufinden, was mit ihrer Schwester geworden ist, die sie nach der Flucht ihrer Eltern aus Deutschland in den Wirren des zweiten Weltkrieges verloren hat. Lilian war zwar noch ein Baby, doch ihr Vater erzählt immer wieder liebevoll von ihrer großen Schwester. 
Zusammen mit Sam und ihrem Vater reist sie nach England, um dort noch etliche Dinge zu regeln, bevor sie endgültig nach Kapstadt zieht. Dabei stößt sie auf eine Spur, bei der sie Details über den Tod ihrer Schwester erfährt. Derart angesteckt, will sie nun endgültig wissen, was passiert ist. 
Währenddessen kämpft Lilians Großmutter Lotte gegen den Rassismus, der in Südafrika herrscht. Und Ceara Foley, die in Dublin eine Schreiner-Werkstatt führt, baut ein Kästchen aus Holz, verziert mit Motiven, welche ihr im Traum erschienen sind.

Mit dem ersten Teil "Die silberne Spieldose" hat mich die Autorin in eine Welt geführt, in der Trauer, Not und Tod eine große Rolle spielen. Die Verfolgung der Juden, die damit verbundene Not und das Auseinanderreißen der Familie standen im Mittelpunkt. 
Im zweiten Teil spinnt die Autorin die Geschichte weiter und erzählt, wie es den einzelnen Charakteren ergangen ist, nachdem ihnen die Flucht in das weit entfernte Kapstadt gelungen ist. 

Diesmal dreht sich die Geschichte nicht um Paul Blumenthal, der aber eine größere Nebenrolle spielt. Wir befassen uns mit Lilian, die endlich einen großen Teil ihrer Familie wiedergefunden hat. Auch die Liebe meint es gut mit ihr. Sie ist verlobt mit Sam und beide wollen gemeinsam in Kapstadt ein neues Leben beginnen.
Doch immer wieder nagt es an Lilian, denn sie vermisst ihre Schwester, die leider bei einer Bombenexplosion im Zweiten Weltkrieg ums Leben kam.

Lilian ist eine sehr sympathische Frau. Sie versucht, es jedem Recht zu machen, auch sich selbst und so nimmt sie den Kampf mit sich selbst auf und versucht herauszufinden, was passiert ist. Dies wird sehr emotional und ich konnte sehr gut mit ihr mitfühlen. Ebenso war ich froh, Taschentücher griffbereit zu haben.

Als zweiten Strang erleben wir, wie Lotte, Lilians Großmutter, mit den Tücken des Rassismus zu kämpfen hat. Lotte führt ein Haus namens Blue Heart, in dem benachteiligte Personen für kurze Zeit Unterschlupf finden können. Frauen und Kinder bekommen dort Hilfe, Essen und einen Platz zum Schlafen, wenn es mal knapp wird. Als eines Tages eine schwarze Frau dort Unterschlupf bekommt, soll Lotte dafür büßen. 

Der dritte Hauptteil führt uns nach Dublin in eine Schreiner-Werkstatt, die von Ceara Foley geführt wird. Ceara hat immer wiederkehrende Albträume, Ängste und ist auch sonst eine sehr introvertierte Person. Allerdings führt sie eine glückliche Ehe mit ihrem Mann Aiden. Als die Ängste eines Tages überhand nehmen, holt sie sich professionelle Hilfe. Ein Psychiater führt sie zu den Ursprüngen der Ängste zurück. Allerdings leidet Ceara an Amnesie. Seit sie bei einer Explosion mit 9 Jahren knapp mit dem Leben davongekommen ist, weiß sie nicht mehr, was vorher alles passiert ist. 

Diese drei Frauen verbindet so vieles und es ist sehr spannend und auch sehr emotional zu lesen, wie die drei Stränge sich langsam miteinander vermischen. Die Charaktere muss man einfach gern haben, da sie authentisch sind. Sie haben so viel Tiefe und man merkt auch deutlich, dass die Autorin die Charaktere sehr lieb gewonnen hat. Denn gerade die gefühlvolle Erzählweise der einzelnen Geschehnisse macht die Geschichte zu etwas sehr Besonderem.

Insbesondere Peter, Lilians Vater, hat mich sehr berührt. Er ist es, der am meisten verdient hat, zu wissen, was passiert ist. Sein Leidensweg, der im ersten Teil "Die silberne Spieldose" beginnt, endet erst im zweiten Teil und dies mit einer sehr wunderschönen, sehr rührenden Geste seines Enkelsohnes. 

Fazit:
Ein gefühlvoller zweiter Teil, der mir die Familie "Blumenthal" noch etwas näher gebracht hat. Ich vergebe 10 von 10 Punkten.

Verlag: Tinte + Feder
erschienen: 2018
Format: Kindle Edition, ebook
Printseiten: 301
ASIN: B078S6Q8Q1

Rezension [Hörbuch] // Andy Weir - Artemis von SINA

© Sina Frambach

Jazz ist Schmugglerin. Schließlich ist das Leben auf dem Mond recht teuer und so verdient sie sich einiges mit dieser Tätigkeit dazu. Ihr eigentlicher Job ist Trägerin, d. h. sie bringt Waren, die von der Erde kommen zu ihren Empfängern. Als sich eines Tages ein illegaler Job als sehr lukrativ für sie erweist, schlägt sie zu, weil sie mit dem zu verdienenden Geld endlich ein besseres Leben führen kann. Doch alles geht schief und plötzlich wird Jazz zu der Person, die die Menschen auf dem Mond retten muss.

Nach "Der Marsianer" war ich sehr gespannt auf das neueste Werk des Autors. Diesmal befinden wir uns auf dem Mond und schmuggeln zusammen mit Jazz Bashara Luxusgüter, die eigentlich auf dem Mond verboten sind. 
Dabei lernen wir so einige Personen der Stadt Artemis kennen, die allesamt eine wichtige Rolle spielen.


© Sina Frambach

Der Autor hat es wieder geschafft, alle technischen oder physikalischen Begebenheiten so zu beschreiben, dass auch ein Laie versteht, wie denn die Stadt auf dem Mond überhaupt existieren kann. Dabei bedient er sich auch einer sehr bildgewaltigen Sprache, so dass man keinerlei Mühe hat, sich vorzustellen, dass auf dem Mond tatsächlich solch eine gewaltige Anlage entstanden ist. 

Jazz ist eine liebenswerte junge Frau, die sich eigentlich nur wünscht, endlich aus dem "armen" Leben, dass sie führt, zu fliehen und ein "reiches", d. h. besseres Leben in einem anderen Stadtteil zu führen. Dabei führt sie kleinere kriminelle Schmuggeleien durch, um sich das Leben zu "ersparen", dass sie sich wünscht.

Die Aussicht, etwas schneller an dieses Leben heranzukommen, führt Jazz dazu, einen größeren Auftrag auszuführen und damit eine Firma zu ruinieren, um einer anderen Firma die Möglichkeit zu geben, die größte der Stadt zu werden. Und plötzlich kommt sie dabei einer Verschwörung auf die Spur.


© Sina Frambach

Jazz ist nicht auf den Mund gefallen. Sie sagt, was sie denkt und eckt dabei auch gewaltig an. Aber weil sie eben ihr Herz auf der Zunge trägt, macht sie sich so einige Freunde und kann deshalb auf Hilfe zählen, als sie diese am dringendsten braucht.

Mir hat es Spaß gemacht, Jazz auf dem Mond zu begleiten. Die Idee, die der Autor hier verarbeitet hat, war sehr interessant, gut durchdacht und bietet eine Menge Potential.

Und doch hat mir "Der Marsianer" besser gefallen, weil einfach mehr Spannung vorhanden war. Außerdem ist Jazz ein sehr cleveres Mädchen. Sie könnte ihr Potential ausschöpfen und eigentlich einen richtig guten Job machen. Doch verlegt sie sich lieber aufs Schmuggeln. 

Die technischen Begebenheiten, die auf dem Mond verarbeitet sind, sind klug durchdacht. Großen Respekt vor dem Autor, dass er sich hier so in die Materie eingearbeitet hat, diese aber so einfach und spielerisch erklärt, dass sie jeder versteht. Dies hat mir in dem Vorgängerroman schon gefallen und ich hoffe, dass der Autor diesen Stil auch weiter beibehält.


© Sina Frambach

Die Sprecherin, die sich des Hörbuchs angenommen hat, ist die gleiche, die auch Daenerys Targaryen in "Game of Thrones" spricht. So hatte ich bei der Rolle der Jazz die Schauspielerin vor Augen, die auch Daenerys spielt. Emilia Clarke könnte ich mir auch gut in dieser Rolle vorstellen. Gabrielle Pietermann aber ist es, die das Hörbuch spricht und dabei auch den verschiedenen Rollen ihre jeweils eigene Stimmfarbe gibt. Dies macht es einfacher, die Charaktere zu unterscheiden. 
Es hat mir Spaß gemacht, ihr zuzuhören, da sie an den richtigen Stellen Spannung reinbrachte.

Fazit:
Ein Ausflug zum Mond mit spannenden Abenteuern. Ich vergebe 8 von 10 Punkten. 

Verlag: RandomHouse Audio
erschienen: 2018
Format: 2 mp3-CDs
Länge: 9 Stunden, 10 Min. (gekürzte Fassung)
ISBN: 9-783-837141658


Rezension // Anna Ruhe - Die Duftapotheke: Ein Geheimnis liegt in der Luft (1) von SINA

© Sina Frambach

Luzie und ihr Bruder Benno sind gerade in die Villa Evie eingezogen. Das erste, das Luzie auffällt, sind die vielen Gerüche. Doch woher kommen die und warum bewacht Willem, der griesgrämige Gärtner, sein Gewächshaus? Mats, der Nachbarsjunge, glaubt, dass es in der Villa Evie spukt. Doch Luzie ahnt, dass mehr hinter allem steckt. Und das Gewächshaus sowie die Düfte spielen dabei eine große Rolle.

Ich war gleich von Anfang an von der Geschichte verzaubert, schon allein, weil auch die Aufmachung des Buches schon betörend wirkt. Die Verschnörkelungen, die geheimnisvolle Art und die schönen Farben machen es nämlich von außen schon zu einem wahren Hingucker. 
Am liebsten möchte man seine Nase reinstecken und die vielen Gerüche aufsaugen, die es verspricht. 

© Sina Frambach

Im Inneren wird es dann aber noch schöner. Die Illustrationen versprechen eine besondere Geschichte und wenn man liest, meint man fast, die Gerüche auch wirklich riechen zu können. Aber auch die Villa, in die Luzie und Benno eingezogen sind, ist einfach sehenswert und voller Geheimnisse.

Und das ist genau das, was Luzie herausfinden will. Das geheimnisvolle Verhalten des Gärtners Willem fördert Luzies Entdeckungsdrang und so macht sie sich gemeinsam mit ihrem Bruder und dem Nachbarsjungen Mats daran, den Geheimnissen auf den Grund zu gehen. Dabei spielen die Gerüche eine große Rolle. Welche genau, müsst ihr jedoch selbst riechen, äh... herausfinden.

So ergibt sich ein spannendes Rätsel, das nach und nach aufgelöst wird.
Luzie ist ein aufgewecktes und sehr neugieriges Mädchen, dass sich aber auch mit Hingabe um ihren kleinen Bruder Benno kümmert. Auch sonst ist der Familiensinn sehr groß geschrieben, denn Luzies Familie wirkt sehr harmonisch. So möchte man sich mit an den Esstisch setzen und eine große Tasse Kakao trinken.

© Sina Frambach

Aber auch Mats, der Nachbarsjunge, ist sehr sympathisch und wird Luzie ein guter Freund. Abenteuer schweißen eben zusammen. 

Die Idee zu dem Buch ist ungewöhnlich und dies als Kinderbuch zu verpacken, einfach nur herrlich gelöst. So ergeben sich viele Möglichkeiten. Und da am Ende noch so einiges ungeklärt bleibt, wird auch ein zweiter Teil folgen (Herbst 2018), denn das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Und ich denke auch, dass der Autorin hier die Ideen nicht ausgehen werden.

Der Schreibstil ist sehr flüssig. Als Erwachsener ist man mit dem Buch dann natürlich schnell durch, doch ist die Geschichte eben auch sehr zauberhaft geschrieben, so dass man am Ende noch viel von dem Buch haben wird. Kinder und Jugendliche kommen voll auf ihre Kosten. 
Ich persönlich freue mich auf jeden Fall auf das nächste Abenteuer von Luzie, Benno und Mats. 

Auch die Illustrationen im Buch sollte man sich genau anschauen. Denn dort gibt es sehr viel zu entdecken. Dabei wurde viel Liebe in die Zeichnungen gelegt, denn die Details sind einfach grandios. 

© Sina Frambach
Als positiven Nebeneffekt gibt es auch etwas zu lernen, da ja Pflanzen eine große Rolle spielen. Für mich, aber auch für Kinder und Jugendliche sicher sehr interessant.

Fazit:
Unterhalt, spannend und einfach "dufte". Ich vergebe 8 von 10 Punkten.

Verlag: Arena
erschienen: 2018
Format: Hardcover
Printseiten: 262
ISBN: 9-783-401603087

Rezension // Jeff Kinney - Gregs Tagebuch: Gibts Probleme? (2) von SINA

© Sina Frambach

Greg führt weiter Tagebuch, oh, Entschuldigung, seine Memoiren. Diesmal liegt der Fokus auf dem Bruder-Zwist zwischen Greg und seinem großen Bruder Rodrick. Aber auch sein kleiner Bruder Manni hat es schon drauf, Greg mächtig zu ärgern. Greg fühlt sich ungerecht behandelt, sowohl von seinen Brüdern, als auch von seinen Eltern. Und so meint er, dass sein Handeln gerechtfertigt ist, auch wenn er wieder in ganz viele Fettnäpfchen tritt. Doch erkennen will er es nicht. Klar, dass dies wieder ein turbulentes Jahr wird. 

Auch der zweite Teil der Reihe kommt witzig und sarkastisch daher. Greg hat wieder so einiges durchzustehen. Diesmal ist es sein großer Bruder, der ihm das Leben schwer macht und so lässt Greg sich natürlich auch wieder einiges einfallen, um sein eigenes Leben leichter zu gestalten. Dass er dabei aber andere vor den Kopf stößt, merkt er nicht oder will es nicht merken. 
Er schafft es immer wieder, seinen besten Freund Rupert zu demütigen. Dieser ist allerdings so gutmütig, ihm immer wieder zu verzeihen.
Und plötzlich stellen sie zusammen Blödsinn an, wobei die Ideen meist von Greg selbst kommen.

© Sina Frambach

Nebenbei wird dann auch noch aus dem Leben seiner Familie erzählt. Der Autor hat dabei so einen lockeren Schreibstil, der immer wieder unterbrochen wird von kleinen Zeichnungen, die bestimmte Szenen nochmals witzig unterstützen sollen. Gregs Eltern sind bedingt streng, was aber heißt, dass sie eher Rodrick und Greg bestrafen, während das Nesthäkchen Manni vieles durchgeht.

Mein Sohn, zur Zeit 9 Jahre alt, ist mittlerweile so begeistert von der Reihe, dass er die Bücher ständig bei sich trägt und immer wieder darin liest. Das abendliche gemeinsame Lesen ist auch für mich ein so schönes Ritual geworden, weil nun auch mein Sohn mit Begeisterung selbst vorliest. Dies war vor der Reihe nur bedingt der Fall.

Ich muss zugeben, dass auch ich mich auf die Bücher freue, weil sie teilweise dann doch sehr authentisch sind. Jetzt nicht wegen der Streiche, die Greg so ausheckt, sondern wegen der Denkweise des Jungen. 
Insoweit kann ich nur hoffen, dass mein Junior sich nichts bei Greg abschaut.

© Sina Frambach

Fazit:
Lustig, sarkastisch, Greg. Von mir gibt es 8 von 10 Punkten.

Verlag: Baumhaus
erschienen: 2008
Format: Hardcover
Printseiten: 218
ISBN: 9-783-833936333

Dienstag, 1. Mai 2018

Rezension // Helene Sommerfeld - Wie man Kopfschmerzen mit dem Holzhammer vertreibt von SINA

© Sina Frambach

"Sie leiden unter Kopfschmerzen? Kein Problem, ich hau mit dem Hammer drauf, dann sind sie weg."
"Tja, wenn das so einfach ist, dann machen sie mal!"

So, oder so ähnlich, könnte Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts ein Gespräch beim Arzt abgelaufen sein.

Diese fragwürdige Behandlung von Kopfschmerzen stimmt nämlich aus dieser Zeit. Somit ist auch klar, dass dies nicht die einzigste skurrile Behandlung zu sein scheint. Die Autorin Helene Sommerfeld hat mehrere der - auch mal lustigen - Behandlungen aus dieser Zeit zusammen getragen, wobei der Schwerpunkt hier auf "Frauenleiden" liegt. Zumindest dachten Männer in dieser Zeit, dass bestimmte Krankheiten nur Frauen befallen können, da diese ja das "schwache Geschlecht" und somit eben anfälliger seien. 

© Sina Frambach

Die Idee zu diesem kleinen Büchlein entstand, da die Autorin bei ihrer Recherche zu ihrer Reihe "Die Ärztin" auf solche Behandlungsmethoden stieß. Für sie Grund genug, die lustigsten, skurrilsten und auch fragwürdigen Methoden zusammenzutragen. 

Herausgekommen ist dabei eine kurzweilige Lektüre, bei der am abwechselnd lachen und den Kopf ob der Absurdität schütteln muss.

Zu beachten ist, dass zur damaligen Zeit Frauen noch nicht viel zu sagen hatten und es der Mann war, der den Frauen vorschrieb, was sie zu tun und zu lassen hatten.

Außerdem war der Fortschritt auch noch nicht dermaßen ausgereift, wie es heute der Fall ist. So wurden eben Kopfschmerzen damit behandelt, dass man mit dem Hammer auf bestimmte Stellen des Kopfes schlägt und so den Kopfschmerz vertreibt. 
Aber auch Berührungen des Körpers sind nur in Notfällen erlaubt. Wie z. B. beim Jucken oder Waschen.  Wer sich aber ohne Grund für längere Zeit berührt, begeht eine Todsünde. 

© Sina Frambach

Auch die Aufmachung des Buches ist zu erwähnen. Es ist auf alt getrimmt und weckt neben dem fleckig wirkenden Einband auch im Inneren den Eindruck, dass man ein altes Buch in Händen hält. Sehr schöne Idee.

Fazit:
Ein kleines Buch für den Notfall, wenn alles andere mal nicht hilft. 10 von 10 Punkten.

Verlag: Rowohlt
erschienen: 2018
Format: Hardcover
Printseiten: 112
ISBN:  978-3-499-27480-0

Rezension // Helene Sommerfeld - Die Ärztin: Das Licht der Welt (1) von SINA

© Sina Frambach
Berlin, 1876: Als Ricarda, 13jährige Tochter eines Gärtners und einer Köchin, das Leben der Tochter des Grafen rettet, erhält sie die große Chance, mit der Schwester des Grafen, der Komtess Henriette, nach Berlin zu gehen, um dort eine gute Ausbildung zu genießen. Rica nimmt sich die Komtess als Vorbild, die als eine der wenigen weiblichen Ärztinnen in Berlin eine Zahnarztpraxis betreibt. 
Ricarda merkt bald, dass auch sie Ärztin werden will und fängt an, für ihren Traum zu kämpfen. Doch dies wird für sie nicht einfach, denn für ein Mädchen ihres Standes ist das Leben, dass die Komtess führt, unerreichbar. Glückliche Zufälle helfen Rica auf ihrem Weg. Doch als sie den jungen Medizinstudenten Siegfried kennenlernt, wanken ihre guten Vorsätze.

Bei "Das Licht der Welt" handelt es sich um den ersten Teil der Reihe um Ricarda Petersen, die im Berlin im Jahre 1876 ihren Traum Ärztin zu werden, verwirklichen will. Dass sie es nicht leicht haben wird, ist dabei von vorneherein klar. Denn Frauen haben es nicht leicht, werden als das schwache Geschlecht ohne Rechte angesehen. Arbeiten sollen sie nur als Köchin, Mamsell oder Putzkraft. Ansonsten bestimmt der Mann, was sie zu tun hat. 

© Sina Frambach

Rica stellt dieses System schon früh in Frage und merkt sehr bald, dass sich hier etwas grundlegendes ändern muss. Doch alleine kann sie nichts bewirken.

Ricarda hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der auch schnell in einen Beschützerinstinkt umschlägt. Sie handelt eher intuitiv und verlässt sich auf ihr Bauchgefühl. So manövriert sie sich oft in Situationen, die ihr zum Verhängnis werden.
Dabei ist es gut, dass sie Freunde hat, die ihr dann auch in ausweglosen Momenten helfen.

Doch als sie diese am dringendsten braucht, wird sie für ihr Vorgehen noch von diesen bestraft und auch alleine gelassen. Dies soll eine Lektion darstellen, führt bei Rica aber dazu, dass sie sich mehr als einmal überlegt, wie sie in Zukunft mit ihrem Vertrauen umgeht. Und sie merkt, dass sie für ihren weiteren Lebensweg nun selbst verantwortlich ist.
Dies macht sie dann so gut, dass sie vergisst, wie es ist, unter Leuten zu sein. So zerrt sie sich teilweise selbst auf.

© Sina Frambach
Die Autorin legt einen faszinierenden Schreibstil an den Tag. Dabei hat man das Gefühl, selbst in Berlin zu sein und mit Ricarda Unter den Linden zu wandeln, in der Schule zu sitzen oder kranke Menschen zu pflegen. Dabei wird in eindringlicher Weise vieles geschildert, was manche vielleicht schlucken lässt, gerade wenn es um Behandlungen von Verletzungen geht.
Aber auch die menschliche Behandlung der Frauen an sich ist teilweise schwer zu ertragen.

In der heutigen Zeit werden Frauen fast gleichwertig behandelt bzw. von den meisten gleichwertig und doch ist an vielen Ecken noch Handlungsbedarf.
Aber damals behandelten die Männer Frauen unwürdig und bei manchen Begebenheiten sogar sehr feindselig. Und die Frau hat sich dies gefallen lassen.

Zwar gab es schon "modern" denkende Männer, doch je mehr Macht der Mann hatte, umso mehr ließ er es heraushängen.

Die Geschichte an sich ist spannend zu lesen, denn Ricas Werdegang zieht einem in den Bann. Man verfolgt die Entwicklung des 13jährigen Mädchens zu einer starken, bewundernswerten Frau, die sich selbst ihren Mann steht, Entscheidungen trifft und versucht, das Beste aus sich herauszuholen. 

Diese Entwicklung führt sie an verschiedene Stationen, die ihr Mut geben, aber auch Niederschläge muss sie einstecken, die sie jedoch stärker machen.

© Sina Frambach
Rica wächst einem sehr ans Herz und man wünscht ihr alles Glück dieser Welt. 

Das Ende des Buches hat mich mit offenem Mund zurückgelassen, da es an einer Stelle aufhört, die sehr spannend ist. Alles in einem schreit geradezu danach, den zweiten Teil zu lesen, der aber leider erst im November 2018 erscheint. 

Die Autorin hat auch noch ein kleines Büchlein namens "Wie man Kopfschmerzen mit dem Holzhammer vertreibt" herausgebracht. Dort hat sie wunderliche Behandlungsmethoden aus dem späten 19. und führen 20. Jahrhundert gesammelt. 

Fazit:
Der Beginn einer spannenden, aber auch gefühlvollen Saga rund um die Ärztin Ricarda. Ich vergebe 10 von 10 Punkten.

Verlag: Rowohlt
erschienen: 2018
Format: Klappenbroschur

Printseiten: 560
ISBN: 978-3-499-27399-5