Mittwoch, 2. Mai 2018

Rezension // Markus Heitz - Die dunkle Zeit: Schatten über Ulldart (1) von SINA

© Sina Frambach
Lodrik, Sohn des Kabcar und als Tadc sein rechtmäßiger Nachfolger, hat sein Augenmerk eher auf Essen gerichtet, denn auf das Lernen, wie er als nächster Kabcar das Land regiert. Da dies in den Augen seines Vaters ein Frevel ist, schickt er ihn in die Verbannung in die Provinzhauptstadt Granburg, damit Lodrik dort als Gouverneur lernt, wie man herrscht, ohne sich lächerlich zu machen. Seine einzigen Begleiter sind Stoika, ein Vertrauter und Lehrer  sowie der Leibwächter Waljakov. Lodrik merkt bald, dass mit diesen beiden nicht zu spaßen ist und als er auch noch auf die schöne Norina trifft, wandelt sich sein Leben um 180 Grad.
Gleichzeitig wird in einem Kloster weit entfernt ein Mönch von einer Vision heimgesucht. Seine Worte "Tadc... Gefahr... jemand töten... die Dunkle Zeit kehrt zurück" wird so ausgelegt, dass der Nachfolger des Kabcar getötet werden muss, da dem Königreich ansonsten Unheil droht. Matuc, der die Vision miterlebt hat, macht sich auf den Weg, das Schicksal des Tadc zu erfüllen.

Nach vielen Einzelbänden des Autors wollte ich mich mal wieder eine Reihe von ihm widmen und meine Wahl fiel dabei auf die Ulldart-Reihe "Die dunkle Zeit". Ihren Anfang nimmt diese mit "Schatten über Ulldart" und umfasst nun mittlerweile 9 Bände.
Da mit der Schreibstil des Autors sehr gut gefällt und hier auch teilweise sein Humor einfließt, hatte ich keinerlei Mühe, in die Geschichte einzutauchen und fand mich sogleich in Tarpol wieder, ein Königreich des Kontinents Ulldart. Dort lebt der "Tadc", der Sohn des regierenden Kabcars. Lodrik ist 15 und hat nicht nur die Bürde als Thronfolger zu tragen. Auch seine Lebensweise macht ihn nicht gerade beliebt. Dicklich, verweichlicht und vorlaut - alles Attribute, die seinem Vater schwer zu schaffen machen. Um dies zu ändern, schickt er ihn fort, zusammen mit Stoiko, dem engsten Vertrauten des Tadc und dem Leibwächter Waljakov, einem Hühnen von einem Mann, der schon mit seiner mechanischen Hand einen gewissen Respekt ausstrahlt. 
Unerkannt soll der Tadc nun in der Provinzhauptstadt Granburg als Gouverneur regieren und dort lernen, ein Kabcar zu werden.

So weit so gut, gäbe es nicht zeitgleich die Prophezeiung: "Tadc... Gefahr... jemand töten... die Dunkle Zeit kehrt zurück." Eine Prophezeiung, die zweierlei ausgelegt werden kann. Matuc und der Dunkle Rat kommen auch zu dem Ergebnis, dass der Tadc getötet werden muss, damit die Prophezeiung ausgeführt wird und so macht sich Matuc auf den Weg, dies zu erledigen. Unterwegs trifft er auf eine Gruppe, die ihm helfen will

Doch was ist, wenn die Prophezeiung falsch interpretiert wurde?

Diese Frage gilt es nun zu klären und so begleiten wir auf der einen Seite Lodrik auf seinem Weg zur Ausbildung zum Kabcar und auf der anderen Seite Matuc, der die Prophezeiung erfüllen möchte. 

Denkt man zu Anfang noch, es drehe sich alles um Lodrik, kommen nach und nach Matuc und seine Begleiter in den Vordergrund. So ergibt sich eine Geschichte, die in zwei Stränge aufgeteilt ist und je mehr man liest, umso spannender wird es. Was wird wohl passieren, wenn die beiden Stränge aufeinandertreffen? Dies herauszufinden, hat mir unheimlich Spaß gemacht. So konnte ich das Buch nur selten aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es denn nun weitergeht.

Dabei ist es aber keineswegs so, dass die Protagonisten dabei auf der Strecke bleiben. Im Gegenteil, jeder bekommt so viel Raum, wie für ihn nötig ist. Alle lernt man genau kennen, kann die Beweggründe oder Handlungstaten nachvollziehen und auch bei denen Sympathie entdecken, bei denen man eigentlich dachte, dass dies nicht möglich sei.

So ergeben sich auch interessante Kombinationen von Charaktere. Insbesondere an dem Berater des Tadc, Stoika und dem Leibwächter Waljakov fand ich großen Gefallen. Diese beiden ergänzen sich perfekt und werden im Laufe der Geschichte auch enge Freunde. Beide halten mit ihren Meinungen nicht hinterm Berg und fahren dem zukünftigen Kabcar auch mal über den Mund. Daraus entsteht aber auch eine tiefe Freundschaft zwischen Lodrik, Stoika und Waljakov. Die drei können sich aufeinander verlassen.

Obwohl es sich hier um eine Fantasy-Geschichte handelt, kommt diese ohne die bekannten Figuren wie Trolle, Orks oder Zwerge aus. Trotzdem merkt man deutlich, dass man sich auf einem fiktiven Kontinent befindet, der mit fantastischen Dingen aufwartet. Interessant war dabei, wie die Entwicklung mancher Figuren vonstatten ging. Am meisten verändert sich wohl Lodrik, doch auch bei allen anderen fand ich dies spannend zu lesen.

Auch die erfundene Götterwelt führt sich packend in die Geschichte ein. Dabei ist es so dass, als Einleitung zu jedem Kapitel jeweils ein Auszug aus der Entstehung Ulldarts angeführt ist, so dass sich hier quasi eine Geschichte in der Geschichte verbirgt. Doch diese kurzen Szenen ergeben zum Ende hin ein Bild, dass nötig ist, um alles besser zu verstehen.
Die Geschichte ist komplex, da viele Charaktere auftauchen. Aber trotzdem ist es einfach, diesen zu folgen, da durch den detaillierten Schreibstil keine Fragen offen bleiben.

Das Ende ist so, wie es für einen ersten Teil sein soll: spannend und mit sehr vielen offenen Türen. So muss man zum zweiten Band greifen, weil man dringend wissen will, wie es weitergeht.

Fazit:
Ein komplexer neuer Kontinent mit interessanten politischen Entwicklungen. Nichts ist so, wie es scheint. Ich vergebe 8 von 10 Punkten.

Verlag: Piper
erschienen: 2010
Format: ebook
Printseiten: 400
ISBN: 978-3-492-95051-0