Montag, 18. Juni 2018

Rezension // Angelika Schwarzhuber - Barfuß im Sommerregen von SONJA


© Sonja Kochmann


Ein neues Buch von Angelika Schwarzhuber: 
Barfuß im Sommerregen! 

Die alleinerziehende junge Mutter Romy entdeckt im Supermarkt einen lebensrettenden Aushang: kostenloses Wohnen auf einem Bauernhof. Als Gegenleistung soll ein rüstiger älterer Herr namens Alfred unterstützt werden.

Doch als Romy auf dem Hof ankommt, ist Alfred alles andere als begeistert. Die beiden raufen sich jedoch zusammen und aufgrund einer Verkettung an Vorfällen entwickeln beide eine Geschäftsidee, die Romy und auch den Hof voranbringen soll. Gut, dass es noch Alfreds Neffen Hannes gibt, der Romys Gefühlsleben zusätzlich in Aufruhr bringt. Ach und dann gibt es noch Marco, der Vater des kleinen Tommis, der einfach so aus der Versenkung auftaucht.

Romy ist aufgrund ihrer familiären Schicksalsschläge ängstlich und zurückhaltend. Sie möchte ihren Sohn am Liebsten in Watte packen. Doch dieser entdeckt das Landleben nach und nach für sich und möchte sich lieber ins Heu oder auf die matschige Wiese mit dem Esel Herakles schmeißen.

Die beschriebenen Probleme einer allein erziehenden Mutter sind ohne Augenwischerei treffend dargestellt. Es ist nachvollziehbar, dass Vertrauen erst neu gelernt werden muss.

Dabei hilft Hannes, der sich gern über die extreme Vorsicht von Romy lustig macht. Nach und nach nähern sich die beiden an. Romy entschleunigt auf Alfreds Hof. Der Wegzug aus München ins Umland von Passau tut ihr und auch Alfred gut.

Und der alte Herr hat selbst ein Geheimnis. Durch zahlreiche Rückblicke erfährt der Leser davon. Wie sich alles fügt, ist absolut lesenswert.

Ein echtes Wochenend-/Urlaubsbuch zum Entschleunigen, denn der Hof mit seinen nach der griechischen Mythologie benannten Tieren, den schrulligen Dorfbewohnern und der Liebesgeschichte von Romy beruhigt auch die Nerven eines angespannten Lesers (Dank des Schreibstils von Angelika Schwarzhuber.).

Zum Ende bekommt man noch einen ordentlichen Ohrwurm (Christina Aguilera - Candyman) und Rezepte, die Appetit machen, verpasst. Ende gut, alles gut: volle Punktzahl.

Verlag: Blanvalet
erschienen: 2018
Seiten: 400
ISBN: 978-3734105531

Rezension // Jane Linfoot - Der kleine Brautladen am Strand von SONJA



© Sonja Kochmann

Ein Brautladen in Cornwall? Absolut mein Thema, dachte ich mir. Die Tortenbäckerin Poppy wohnt und arbeitet über dem Brautladen "Brides by the Sea". Nun muss aber Poppy für ihre Freundin auch noch die Hochzeitsplanerin ersetzen, als diese abspringt. Fortan muss sich Poppy nicht nur um Zuckerguss und Tüll herumschlagen, sondern auch mit dem mürrischen Gutsbesitzer Rafe und seinem tierischen Gefolge.

Denn Rafe kann aus persönlichen Gründen offensichtlich Hochzeiten nicht leiden. Er verwüstet ständig den gemeinsamen Schreibtisch und schleppt auch noch brütendes Federvieh namens Henrietta ins Büro.
Als sich jedoch der Hochzeitsfotograf Jules für Poppy zu interessieren beginnt, scheint sich das Blatt zu wenden. Doch hat Poppy angesichts des Chaos den Kopf dafür?

Poppys Beweggründe sind einleuchtend. Doch der Weg ist das Ziel und es ist klar, das  Poppy auf Dauer der Liebe nicht entgehen kann. Der Weg war leider, trotz des lockeren Schreibstils, ein Tick länger als vielleicht nötig gewesen wäre.

Doch das lustige Chaos von Hausgeburten, gestressten Bräuten, Küken, Entlobungen und Co. halten den Leser bei Laune. (Henrietta ich will auch ein Küken von dir!)

Rafe ist genau wie Poppy ein gebranntes Kind und eigentlich aus Selbstschutz mürrisch hoch 3. Mit seinen Motto T-Shirts verdreht er schnell den Damen, die sich nicht schrecken lassen, den Kopf.

Ob Poppy den nötigen Mut hat und ob das Chaos überhand nimmt, müsst ihr selbst lesen. Ich freue mich, dass es noch zwei weitere Bände geben wird;  von denen einer ("Winter im kleinen Brautladen am Strand") bereits im Programm von Mira Taschenbuch zu finden ist. Ich vergebe 8 von 10 Punkten für Zuckerguss, Sekt und Co.


Verlag: MIRA Taschenbuch
erschienen: 2018
Seiten: 416
ISBN: 978-3956497957

Rezension [Hörbuch] // Walter Moers - Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachmahr von SINA

© Sina Frambach
Prinzessin Dylia leidet unter einer seltenen Krankheit. Sie kann manchmal tagelang nicht schlafen. Viele Ärzte haben versucht, ihr zu helfen, doch vergebens. Die Schlaflosigkeit führt dazu, dass Dylia sich - aufgrund eben genügend Zeit - nächtelang Gedanken über alles mögliche macht. Farben, Formen, Gefühle - nichts bleibt ungedacht. Ihr Gehirn ist ihr bester Freund, vor allem, wenn sie nachts durch das Schloss wandelt.
Und so ist sie erst gar nicht überrascht, als plötzlich Harvarius Opal, ein Nachtmahr, vor ihr auftaucht und verkündet, dass er nun ab sofort bei ihr bleibt, um sie in den Wahnsinn zu treiben. Erst hält Dylia ihn für ein Hirngespinst und macht sich freudig mit ihm auf dem Weg nach Amygdala. Doch bald merkt sie, dass diese Reise in das Innerste ihres Gehirns gar nicht so freudig ist, wie gedacht.

© Sina Frambach

Lange mussten wir ja auf ein neues Buch von Walter Moers warten. Nun liegt es endlich vor, auch in gesprochener Form vom grandiosen Andreas Fröhlich, der sich mal so richtig hier austoben kann und damit auch ein würdiger Nachfolger für den leider verstorbenen Dirk Bach ist, der früher die Zamonien-Romane gelesen hat.

Beim Lesen des Buches war ich ja sehr zwiegespalten war und es fiel mir auch sehr schwer, eine Rezension zu schreiben, da ich meine Gefühle zu dem Buch nicht so recht zum Ausdruck bringen konnte.

Am Anfang war ich sogar wirklich versucht, das Buch zur Seite zu legen und ihm zu späterer Zeit nochmals eine Chance zu geben. Doch irgendetwas in mir weigerte sich, dies zu tun und so hielt ich durch.

© Sina Frambach

Ich bin froh, durchgehalten zu haben. Bei dem mir nun vorliegenden Hörbuch konnte ich mich dann auch voll und ganz auf die Geschichte einlassen und hatte nochmals sehr viel Spaß, das gelesene nochmals durch den Sprecher Andreas Fröhlich Revue passieren zu lassen. 
Auch die Aufmachung des Hörbuchs ist wunderschön.  Zu sehen ist der Nachtmahr Harvarius Opal in seinen schönsten Alptraumfarben. Wenn man sich das Hörbuch von innen ansieht, dann finden sich dort wunderschöne Illustrationen der Zeichnerin Lydia Rode, die mit den Zamonien-Romanen und Walter Moers besonderes verbindet.

Wir gehen diesmal nicht auf Reise durch Zamonien, sondern durch das Gehirn von Prinzessin Dylia. Und dort treffen wir - auch aufgrund der seltenen Krankheit, die Dylia im Griff hat - auf allerlei Kurioses. Seien es Zwielichtzwerge, Irrschatten, Hirnschnecken und Grillos. Ständig gibt es Neues zu entdecken. Und ständig locken neue Gefahren Dylia und ihren alptraumfarbenen Gefährten tiefer in das Gehirn. 

© Sina Frambach
Das Buch in seiner ganzen Pracht

Dylia ist eine sehr gewöhnungsbedürftige junge Frau. Sie ist neugierig, vorlaut und sagt, was sie denkt. Zu Anfang war sie mir noch sehr sympathisch, da sie ja auch aufgrund der Krankheit ein großes Handicap zu tragen hat. Doch je näher ich sie kennenlernte, umso mehr musste ich meine Meinung über sie revidieren. 
Ihre teilweise wirren Gedanken haben mich manchmal in den Wahnsinn getrieben, doch bin ich nach Beendigung des Buches nicht mehr so sicher, ob diese Gedanken ihre eigenen waren oder ihr so von Havarius Opal eingepflanzt wurden.

Da die Geschichte jedoch einen ernsten Hintergrund hat, seht man am Ende die Geschichte dann doch mit etwas anderen Augen und überdenkt manche Situation nochmals neu.
Dies war bei mir auch so und so schlug die anfängliche Enttäuschung in Interesse um. 

© Sina Frambach
Das Innere des gedruckten Buches

Eine Reise durch ein Gehirn stelle ich mir sehr schwer vor. Die Recherche, die nötige Kenntnis des Weges und vor allem alles so hinzubiegen, dass es auch noch eine Geschichte ergibt. Ein komplexes Organ ergibt dann auch eine komplexe Geschichte. 

Walter Moers ist ein wahrer Wortspieler. Er jongliert so geschickt mit den einzelnen Buchstaben, dass sie daraus so manch wunderbarer Satz ergibt und letztendlich eine interessante Geschichte. Durch die Wortspielereien ergeben sich neue Kreationen und so werden aus Kopfschmerzen eben mal Schmopfkerzen und schon wird dem Wort der "böse" Kern genommen. Gerade dies zeigt aber auch, dass sich der Autor sehr, sehr viele Gedanken gemacht hat und auch mit viel Liebe zum Detail ans Werk ging.

© Sina Frambach

Abschließend kann ich sagen, dass ich nicht ganz unzufrieden aus der Geschichte heraus ging. Zwar war es anders, als gedacht und auch weniger als erwartet, aber gerade durch die "Andersartigkeit" dann doch wieder gut.

Der Sprecher Andreas Fröhlich gibt dem ganzen nochmals den nötigen Spannungseffekt. Da er mit seiner Stimme ein wahrer Akrobat des gesprochenen Wortes ist, haucht er jedem Charakter Leben ein. Gerade Opal hat in meinen Ohren einfach perfekt geklungen. Ich konnte mir förmlich vorstellen, wie der Nachmahr vor mir steht, mit ausgebreiteten Armen und seinen wunderbar schillernden Augen. Ein faszinierendes Wesen. Auch Dylia hatte ich vor Augen. Ihre Bewegungen, ihre Art zu sprechen,  ihr Gesicht beim Denken.

Das Kopfkino hat jede Menge zu tun. Und wenn man auf die leisen Zwischentöne lauscht, die sich immer wieder in der Geschichte verstecken, erkennt man den ernsten Hintergrund und entdeckt etwas völlig neues.

Fazit:
Eine Geschichte, auf die man sich einlassen muss. Für das Hörbuch gibt es von mir 10 von 10 Punkten.

Verlag: der Hörverlag
erschienen: 2018
Format: 1 mp3-CD, ungekürzt
Länge: 11 Stunden, 23 Minuten
ISBN: 978-3-844-528091

Sonntag, 17. Juni 2018

Rezension // Markus Heitz - Die dunkle Zeit: Die Magie des Herrschers (5) von SINA

© Sina Frambach

Lodrik sehnt sich nach Frieden. Doch gibt es noch Widerstand, der niedergeschlagen werden muss. Immer noch ist es sein Berater Mortva, der im Hintergrund Fäden zieht, die dazu führen, dass Lodrik sich nicht wohlfühlen kann. 
Plötzlich ändert sich alles und das Königreich scheint in die Dunkle Zeit zu stürzen, die seit langem prophezeit wurde.
Einzige Hoffnung sind die wenigen Widerständler, die im Geheimen Pläne schmieden, um dem entgegenzuwirken. Doch ist es schwer, gegen die Übermacht anzutreten. 

Der fünfte, der auf insgesamt sechs Teile angelegten Reihe, birgt so einige Überraschungen. Es kommt zu Szenen, die einem den Atem rauben. Gerade am Ende gibt es etliches, was einem nicht zu Atem holen kommen lässt, da sich damit alles ändert. 

Diesmal kommen fast alle Charaktere ausführlich zu Wort. Lodrik, Lorin, Tokaro, Waljakov, Perdor, Fiorell und alle anderen entwickeln sich weiter. So gibt es quasi einen mächtigen Schub in der Geschichte. 
Außerdem wird dem Inquisitor Pashtak eine größere Rolle übertragen. Die Szenen mit ihm kann ich noch nicht so richtig einordnen. Sein Mitwirken bei dem großen Ganzen ist mir noch nicht ganz klar.

Dabei finde ich es bewundernswert, dass sich der Autor nicht verzettelt und bei allen Charakteren eine klare Linie verfolgt. Auch ist es schön, eine Fantasy-Reihe zu verfolgen, die ohne die typischen Fantasy-Charaktere wie Zwergen oder Elfe auskommt. 
Außerdem kommt keine Langeweile auf, da durch die verschiedenen Blickwinkel immer wieder Abwechslung eingebracht wird. 

Die Spannung, die sich auch schon durch die ersten vier Bände gezogen hat, wird weiter gehalten. Nur im Mittelteil hatte ich einen kleinen Durchhänger, der aber schnell behoben war.

Gerade Lorin entwickelt sich zu einem taffen, jungen Mann, der sich mit seinen Taten endlich die Sporen verdient, die ihm zustehen.

Seit langem ist dies mal wieder eine Reihe, die ich mit Freuden lese, weil sie einfach gute Unterhaltung bietet und mit kleinen Überraschungen auch immer wieder genau das Quentchen Spannung aufbietet, das benötigt wird, um dran zu bleiben.

Ich bin nun gespannt, wie der letzte Teil der Reihe alles auflöst, was sich bisher angesammelt hat. 

Fazit:
Ein Fantasy-Abenteuer mit allem, was man braucht. Ich vergebe 8 von 10 Punkten.

Verlag: Piper
erschienen: 2010
Printseiten: 544
Format: ebook
ISBN: 978-3-492-95215-6


Rezension // Markus Heitz - Die dunkle Zeit: Unter den Augen Tzulans (4) von Sina

© Sina Frambach

Lodrik erweitert sein Königreich, steht jedoch immer noch unter dem Einfluss seines Konsultanten Mortva Nescera. Auch seine Ehefrau Aljascha beteiligt sich an dem Komplott. Lodrik ahnt, dass er hintergangen wird, ihm fehlen jedoch die Beweise. Auch seine Kinder entwickeln sich nicht so, wie gehofft, denn auch hier mischt Mortva mit. 
Die Situationen spitzen sich zu und Lodrik weiß, dass er etwas unternehmen muss, bevor es zu spät ist. Sein Ausweg: seine Gabe so auszuweiten, dass sie ihm zur Hilfe kommt, wenn er sie am Nötigsten braucht. Und so schreckt er auch vor Mitteln nicht zurück, die ihn selbst das Leben kosten können.
Währenddessen wächst unerkannt weit entfernt sein Sohn Lorin auf. Zusammen mit Waljakov, Lodriks ehemaligem Leibwächter, dem Mönch Matuc und der Seherin Fatja. Ist Lorin die Hoffnung, die das Königreich nun braucht?

Im vierten Teil der Ulldart-Reihe "Die dunkle Zeit" spitzen sich alle Ereignisse so sehr zu, dass man meint, dass es nun keine Auswege mehr gibt. Doch der Autor holt nochmals zum Gegenschlag aus und bietet kleine Hoffnungsschimmer. Ob diese sich jedoch durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Die Feinde scheinen übermächtig, obwohl sie nur spärlich gesät sind. Und doch sind sie irgendwie überall, mischen kräftig mit und bleiben unerkannt. Zumindest denken die Feinde dies.

Wieder ist die Geschichte in verschiedene Stränge unterteilt.

Zum einen natürlich Lodrik und seine Bemühungen, ein geeinigtes Königreich zu ermöglichen. Seine Untertanen mögen ihn, verehren ihn sogar teilweise. Nur bekommt er nicht mit, was so hinter seinem Rücken getrieben wird. Er weiß zwar, dass alles nicht mit rechten Dingen läuft, doch kann er nichts Greifbares vorweisen.
Der zweite Strang handelt von seinem Sohn Lorin, von dem Lodrik jedoch nichts weiß. Lorin ist noch zu jung, um alle Zusammenhänge richtig zu verstehen, doch nach und nach ergibt sich für ihn auch ein Bild, welches jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch etwas unklar zu deuten ist.

In einem weiteren Strang erleben wir mit, wie Stoika, ehemaliger Berater Lodriks, sowie König Perdor und dessen Hofnarr Fiorell gemeinsam nach einer Lösung  suchen, um Lodrik von dem Einfluss Mortvas zu befreien. 

Weiter wird eine neue Person eingeführt: Tokaro, königlicher Reitmeister, aufstrebendes Talent und unheimlich verliebt in Zvatachna, Lodriks wunderschöne Tochter.
Dies führt natürlich zu einigen Verwechslungen, Missverständnissen und Unruhen. 

Und immer wieder gibt es kleine Einwürfe von verschiedenen Seiten. Und doch hatte ich nicht das Gefühl, durcheinander zu kommen. Allen Protagonisten wird genug Spielraum eingeräumt, so dass man Zeit hat, jeden kennenzulernen. Mittlerweile hat sich so ein komplexes Muster ergeben, so dass es auch unabdingbar ist, die Reihe von Anfang zu lesen, da Quereinsteiger die Zusammenhänge nicht verstehen würden.

Wenn man in der Materie drin ist, ergibt sich eine fantasiereiche und vor allem spannende Geschichte, deren Ausgang noch total ungewiss ist. Ich kann mir im Moment so rein gar nicht vorstellen, wo alles hinführt, weil irgendwie halt alles noch offen ist.

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und gut verständlich. Der typische Heitz-Humor ist an den richtigen Stellen vorhanden, gerade wenn es um König Perdor und seinen Hofnarren Fiorell geht. 

Auch könnte man meinen, Markus Heitz sei in die Pralinenherstellung eingestiegen, denn die Variationen, die er in der Geschichte kreiert, lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Insoweit kann ich Perdor sehr gut verstehen, dass er laufend nach etwas Süßem greifen muss.

Fazit:
Eine faszinierende Reihe, mit allem was gute Fantasy braucht. Ich vergebe 9 von 10 Punkten.

Freitag, 15. Juni 2018

Rezension // Anne Freytag - Nicht weg und nicht da von SINA

© Sina Frambach

Luise trauert um ihren Bruder, der sich das Leben genommen hat. Sie droht in ein tiefes Loch zu fallen. Therapiestunden sollen ihr helfen, alles zu verarbeiten. Doch Luise stellt sich stur. Als sie Jacob kennenlernt, schleicht sich ein kleiner Lichtblick in ihre dunkle Welt. 
Bis Luise plötzlich eine Mail bekommt - von ihrem toten Bruder.

Schon "Mein bester letzter Sommer" und "Den Mund voll ungesagter Dinge" waren herzzerreißend schöne Romane. Nun legt die Autorin mit ihrem neuesten Jugendroman noch mal einen drauf. Von der ersten Seite an ist man gefangen in der Geschichte, die so gefühlvoll traurig und gleichzeitig liebevoll glücklich ist.

© Sina Frambach

Luise ist mit 16 Jahren schon sehr erwachsen. Aufgewachsen mit einem Bruder, der an einer bipolaren Störung litt, waren ihre Eltern eher mit ihm beschäftigt, als mit ihr. Nach der Scheidung der Eltern, hatte ihre Mutter alle Hände voll damit zu tun, ihr Leben und das des Sohnes auf die Reihe zu bekommen. Luise blieb dabei auf der Strecke. 
Und doch entwickelte Luise ein fast normales Leben, da ihr Bruder ihr Mittelpunkt war. Ihr Leben war eng mit seinem verknüpft. Doch nun ist er weg und Luise droht, in ihrer Trauer zu versinken.

Jacob, dessen Kindheit auch kein Zuckerschlecken war, trifft auf Luise und es entwickelt sich eine Geschichte wie ein Feuerwerk. Es fängt langsam an und wird zum Ende hin heftig, gewaltig und traumhaft schön.
Doch ist der Weg auch mit vielen Tränen gepflastert. Zumindest floßen bei Luise sehr viele, was auch mich regelmäßig zum Heulen brachte.

© Sina Frambach

Ich liebe die gefühlvolle Art, die die Autorin ausmacht. Für jede Situation gibt es passende Worte. Jede Szene ist perfekt arrangiert und droht nicht ins Kitschige zu fallen. 

Jacob und Luise nähern sich langsam. Die zarten Bande lassen Herzen höher schlagen und führen dazu, dass man geradezu darauf hinfiebert, dass die beiden zusammenkommen. Man hat quasi selbst Schmetterlinge im Bauch. 
Doch ist es klar, dass es nicht einfach wird, schon gar nicht, als die erste Mail von Kristopher, Luises totem Bruder ankommt. 
Kristopher war einzigartig. Er war Luises Welt, eine Welt, die sie nun langsam aber sicher hinter sich lassen muss, um ihre eigene zu finden. 

© Sina Frambach

Es tauchen so liebevolle Charaktere auf. Allen voran der sehr sympathische Bruder Jacobs, Arthur. Er hat eine so herrlich chaotisch-liebevolle Art, er scheint unbekümmert, im richtigen Moment ist er jedoch der große Bruder, der Jacob braucht.

Ich hätte stundenlang weiterlesen können, weil Jacob und Luise einfach so sympathisch waren. Diese beiden sind eine der wenigen Figuren, die ich gerne weiterverfolgen würde. Was wird aus ihnen? Hält die Liebe? Oder trennen sie sich? Was erleben sie? Und vor allem: sind sie glücklich?

Am Ende findet sich eine Playlist. Hier werden alle Lieder nochmals aufgezählt, die im Buch erwähnt werden. 

© Sina Frambach

Meine Fantasie hat nun viel zu tun. Ich weiß, dass "Nicht weg und nicht da" ein Buch sein wird, dass mich noch lange begleiten wird. 

Fazit:
Luise + Jacob (+ Kristopher) - ihre Leben werden auf ewig miteinander verbunden sein. Ich vergebe 10 von 10 Punkten.

Verlag: Heyne fliegt
erschienen: 2018
Format: Hardcover
Printseiten: 480
ISBN: 978-3-453-27159-3

© Sina Frambach

Donnerstag, 14. Juni 2018

Rezension // Stacy Kade - From Scratch: Alles neu mit dir von SONJA

© Sonja Kochmann



Aufgrund des dramatischen Klappentextes wurde ich auf das Buch "From Scratch: Alles neu mit dir" aufmerksam.

Amanda Grace wurde mit 15 Jahren entführt und von ihrem Schinder missbraucht und gequält. Während der Gefangenschaft führt sie eine Art Zwiegespräch mit dem Poster des Schauspielers Chase Henry. Dies lässt sie durchhalten. Als ihr die Flucht schließlich gelingt, ist jedoch an ein normales Leben nicht zu denken. Ängste und Flashbacks zeichnen das Leben der nun jungen Frau. Während ihre Mitschüler inzwischen studieren, kämpft sie darum, nicht in Panik zu verfallen.

Dieses Gefühlschaos fand ich gelungen dargestellt. Denn ein ähnlicher Fall ging ja vor einigen Jahren durch die europäischen Medien (Natascha Kampusch).

Chase Henry, der besagte Schauspieler, kämpft nun inzwischen um jede Rolle und jede PR Möglichkeit. Seine über Leichen gehende PR Managerin wittert in Amanda Grace eine Chance für Chase wieder ins Rampenlicht zu kommen. Diese Konstellation erinnerte mich ein bisschen an "When it's Real: Wahre Liebe überwindet alles" von Erin Watts. Beide erkennen jedoch einen Nutzen im anderen und treffen eine Vereinbarung. Schnell entwickeln sie eine empathische Verbindung zueinander.

Die Autorin hat Szenen und Dialoge geschaffen, die ich als sehr einfühlsam empfand.

Die Rolle der Medien und die Außenwirkung sollte dem Leser zu denken geben. Wie schnell lässt man sich beeinflussen? Wie entsteht ein falschen Bild? Ab wann hat eine prominente Person, das Recht, sich zurück zu ziehen?

Ein Opfer zu unterstützen und nicht mit Fürsorge zu erdrücken, ist ein weiterer gelungener Aspekt, der Amandas Familie gekonnt berücksichtigt.

Das Buch gehört trotz des "schweren Themas" zum Young Adult Genre und enthält sehr schöne und (ich kann es gar nicht oft genug erwähnen) einfühlsame erotische Szenen.

Ich vergebe 8 von 10 Punkten, da das Buch teilweise unnötige Längen hatte.

Allerdings freue ich mich auf "Starlight Nights - Immer wieder du", dass von Chases Schauspielkollegen Calista und Eric und deren dramatischen Geschichte handeln wird. Einige Schnipsel wurden dem Leser ja hier schon präsentiert.



Verlag: Lyx digital
erschienen: 2018
Seiten: 529
ASIN: B07214FZF1

Mittwoch, 13. Juni 2018

Rezension // Ransom Riggs - Die Legenden der besonderen Kinder von SINA

© Sina Frambach
"Besondere Kinder" sind Kinder, die mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet sind. Gedanken lesen oder beeinflussen, Feuer mit dem Händen erzeugen, so leicht sein, dass man wegfliegt, unsichtbar sein, usw. Sozusagen kleine X-Men. 
Da die Welt jedoch nicht offen ist für solche Wunder, müssen sie im Verborgenen leben, in sog. Zeitschleifen, bewacht und beschützt von ihren Ymbrinen, ihren Wächterinnen, die die Fähigkeit besitzen, sich in Vögel zu verwandeln und die Zeit zu verändern.

Bekannt sind die besonderen Kinder aus der bislang als Trilogie vorliegenden Reihe des Autors, die mit "Die Insel der besonderen Kinder" ihren Anfang nahm und auch erfolgreich verfilmt wurde. 

© Sina Frambach

In den Büchern ist immer wieder von Legenden die Rede. Eines der besonderen Kinder, Millard Nullings, hat diese Legenden gesammelt und in einem Buch gebündelt. Dieses Buch haben die Kinder immer dabei, um sich an ihre Vorfahren bzw. Leidensgenossen zu erinnern. Die Legenden geben ihnen Geborgenheit und Mut. 

Die Idee, diese Legenden nun als gedrucktes Buch für die Öffentlichkeit zugängig zu machen, ist wunderschön.  Denn es ist auch noch liebevoll gestaltet. Der grüne Einband mit goldenen Verzierungen verstärkt den edlen Eindruck, was durch die Haptik noch weiter unterstützt wird. Im Inneren erwartet uns neben den Legenden auch detailverliebte Zeichnungen zu den einzelnen Geschichten.

© Sina Frambach

Die Storys sind allesamt mit hoher Fantasie versehen und teilweise so abenteuerlich und unglaubwürdig, dass die Bezeichnung "Legenden" einfach nur treffend gewählt ist.

Wir begegnen besonders ungewöhnlichen Kindern, die mit ihren Fähigkeiten meist nicht so gut in ihrem Umfeld ankommen. So müssen sie erst einiges über sich ergeben lassen, bevor sie ihr persönliches Glück finden oder so akzeptiert werden, wie sie sind.
Zwischen den Geschichten gibt es immer wieder Anmerkungen von Millard. Dort erklärt er in seinen Augen wichtige Dinge, die zum Verständnis beitragen.

© Sina Frambach

Der Autor schöpft hier aus den Vollen und bietet extrem abwechslungsreiche, kleine Geschichten, die liebevoll, abenteuerlich, wunderlich, eigenwillig, sarkastisch, aufschlussreich und eben besonders sind.
Wir begleiten ein Mädchen, dessen Schwester stirbt und ihr als Geist erscheint. Wir lernen einen Jungen kennen, der Heuschrecken so liebt, dass er sich selbst in eine verwandelt. Ein menschlicher Berg freundet sich mit Tieren an und wie die Ymbrinen entstanden sind, wird ebenfalls erklärt.

Dieses kleine Büchlein ist eine perfekte Ergänzung zu der Trilogie.

Wie vor kurzem bekannt wurde, wird die Reihe fortgesetzt. Der Autor hat angekündigt, dass die besonderen Kinder sich diesmal nach Amerika begeben. Wenn das Buch in Deutschland erscheint, ist noch nicht klar.

© Sina Frambach

Dieses Büchlein wird eines sein, zu dem man immer mal wieder greift, um darin zu blättern. Die besonderen Geschichten erreichen durch ihre Einzigartigkeit und werden damit zu einem wahren Schatz im Bücherregal.

Fazit:
Besondere Geschichten von besonderen Kindern für besondere Momente. Ich vergebe 10 von 10 Punkten.

Verlag: Droemer Knaur
erschienen: 2018
Format: Hardcover
Printseiten: 208
ISBN: 978-3-426-22656-8

Dienstag, 12. Juni 2018

Rezension // Otto Waalkes - Kleinhirn an alle von SINA

© Sina Frambach

Otto Waalkes - wer kennt ihn nicht? Ein Urgestein der Comedy-Geschichte, Kultfigur, Erfinder der Ottifanten, (Ost)Friesenjung und Meister seines Fachs.
70 Jahre jung und immer noch nicht erwachsen. Nun legt er seine Ottobio... äh, Autobiografie vor.

Da mich Otto auch schon sehr lange begleitet, war es mir eine große Ehre, seine Biografie zu lesen und sein bisheriges Leben Revue passieren zu lassen. 

© Sina Frambach

Geboren in Emden, Ostfriesland, nahm seine Karriere einen steilen Verlauf. Somit sieht Otto auf über 50 Jahre Erfahrung zurück. Einfach war es nicht, den mit wenigen Mitteln musste so einiges gestemmt werden. Doch Vitamin B und viel Herzblut haben geholfen, Otto zu dem zu machen, was er heute ist.

Otto Waalkes erzählt teilweise sehr sachlich von seinem Leben, immer wieder mit kleinen Einschüben seiner Witze aus seiner Karriere. Er erzählt von seiner Kindheit, der Gründung seiner ersten Band "The Rustlers", seiner Vorliebe für die Beatles, der ersten Freundin, dem alltäglichen Wahnsinn, seiner ersten CD, dem ersten Film, der ersten Serie. Und erzählt davon, nicht aufzugeben, sich seine Wünsche zu erfüllen.

Er berichtet über Amerika, Hamburg und Ostfriesland, über Eltern, Freunde und seinen Bruder. Über Musik, Witze und Kunst. Was ihn bewegt, nervt und erstaunt.

© Sina Frambach

Seine Idole, die Beatles und Jerry Lewis, spielen eine große Rolle und haben ihn inspiriert. Zwei gescheiterte Ehen, ein großartiger Sohn, gefühlt tausende Shows und Millionen Gags später zieht er Bilanz und würde alles nochmals genau so machen, wie bisher.
Und er macht weiter, so lange es geht.

Ich persönlich fand den Schreibstil fast schon etwas zu nüchtern. Emotionen vermisst man teilweise, nur an manchen Stellen steigert er sich rein und erzählt detailverliebt von Geschehnissen. 
Und doch ist es faszinierend, mal den echten Otto kennenzulernen, über Ängste und Sorgen zu erfahren und nicht immer nur den "witzigen Kerl von der Bühne" zu erleben. 

Ich liebe insbesondere seine Neuinterpretationen des Märchens "Hänsel und Gretel", wo Otto uns auch mal zeigt, dass die Hexe ein Mensch ist wie Du und ich. 
Unvergessen auch die Otto-Filme...

© Sina Frambach

Ich könnte so viel aufzählen, doch würde dies den Rahmen sprengen. So möchte ich jedem, der Otto mag, mit ihm aufwuchs oder sonstigen Bezug zu ihm hat, nahe legen, die Ottobiografie zu lesen ud sich von dem Genie und dem Wahnsinn berieseln zu lassen.

Fazit:
70 Jahre Otto - und kein bisschen weise. 10 von 10 Punkten.

Verlag: Heyne
erschienen: 2018
Printseiten: 416
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-453-20116-3

Montag, 11. Juni 2018

Rezension // Mac P. Lorne - Robin Hood: Die Pranken des Löwen (1) von SINA

© Sina Frambach
Robert Fitzooth ist ein Glückspilz. Erst wird er von der Tochter des Königs davor bewahrt, dass seine Hand abgeschlagen wird, dann steigt er zu deren persönlichen Leibwächter auf und macht Karriere an ihrem späteren Kaiserhof. Sein unentbehrliches Verhalten macht ihn außerdem zu einem ihrer besten Freunde und zum engsten Vertrauten. Doch ahnt Robert nicht, dass er später der Großvater des berühmtesten Helden Englands wird. Und so legt er langsam den Grundstein für die Legende Robin Hood.

Mit "Der Pirat" und "Der Herr der Bogenschützen" konnte mich der Autor schon durch den lehrreichen und spannenden Schreibstil für sich gewinnen. Grund genug, sich auch seinen früheren Werken zu widmen, die jetzt neu aufgelegt erschienen sind. Hier nun die Reihe Robin Hood, der Reiche bestiehlt und es den Armen gibt.

© Sina Frambach

Doch fängt der Autor nicht bei Robins Geburt an, sondern bei dessen Großvater Robert Fitzooth. Als noch unbedeutender, aber sehr fähiger Soldat wird er eines Verbrechens beschuldigt, welches er gar nicht in der Art begangen hat und wird von der 8jährigen Mathilda, ihres Zeichens Königstochter, gerettet. Dies ist der Beginn einer großen Freundschaft, denn Robert wird, weil er die Ehre der Königsfamilie verteidigt hat, zum Dank als persönlicher Leibwächter für Mathilda eingesetzt. Mathilda vertraut Robert blind, während Robert Mathilda ebenso ergeben ist. Er begleitet sie überall hin bis sie zuletzt als Kaiserin selbst ihre großen Schlachten schlägt. 

Der Autor schildert sehr eindringlich Roberts Lebensweg. Seine freundschaftliche Zuneigung zur Kaiserin, seine große Liebe Martha, seine Kämpfe in den Schlachten, seine Diplomatie in Verhandlungen. Egal, was Robert aufgetragen wird oder was er sich in den Kopf setzt, wird von ihm gewissenhaft ausgeführt. Sein Mut und sein Starrsinn haben ihm viel eingebracht. 

Der Autor widmet Robert Fitzooth, der sich später in Loxley in Nottingham niederlässt, die erste Hälfte seines Romanes.

© Sina Frambach
Die zweite Hälfte ist einer Legende vorbehalten. Robert Fitzooth, der Jüngere, Enkel des oben erwähnten Robert und allen besser bekannt als Robin Hood. Viele kennen seine Geschichte: als Geächteter lebt er mit seinen Merry Man im Sherwood Forrest und seine Auseinandersetzungen mit dem Sheriff von Nottingham und Prinz John sind legendär. Ebenso, dass er mit der schönen wie klugen Lady Marian verbandelt war. 

Die Interpretation des Autors zeigt auf, wie Robin Hood zu dem wird, der er ist. Dabei wird aus den Vollen geschöpft. Wir beginnen in der Kindheit, in der er mit Marian zusammen aufwächst, das Bogenschießen für sich entdeckt und merkt, dass die heile Welt auch düstere Überraschungen bereit hält.

© Sina Frambach
Roberts und Robins Weg ähneln sich. Beide sind Kämpfer und verteilen, was sie lieben. Ungerechtigkeit wird nicht toleriert, Pläne geschmiedet, um den Unterdrückten zu helfen.

Robert wäre stolz auf seinen Enkel gewesen. Genauso wie der Autor stolz auf seine Auslegung der Legende Robin Hood sein kann. 

Der farbenprächtige Roman weckt die Sehnsucht nach mehr. Welche aber auch erfüllt werden kann. Denn mit "Das Herz des Löwen" ist die Fortsetzung garantiert. Die Reihe umfasst mittlerweile fünf Bände, so dass man sich auch auf weitere spannende Lesestunden freuen kann. Ich bleibe auf alle Fälle an der Reihe dran.

Fazit:
Die "wahre" Geschichte des Robin Hood. Ich vergebe 10 von 10 Punkten.

Verlag: Droemer Knaur
erschienen: 2018
Format: Taschenbuch
Printseiten: 736
ISBN: 978-3-426-52147-2

Sonntag, 10. Juni 2018

Rezension // Ursula Poznanski und Arno Strobel - Invisible von SONJA



© Sonja Kochmann



Daniel Buchholz und Nina Salomon ermitteln wieder! Nach "Anonym" geht das Duo wieder an den Start.

Denn Ursula Poznanski und Arno Strobel haben ihre aus einer Weinlaune entstandene Zusammenarbeit wieder erfolgreich fortgeführt.

Besonders die abwechselnde Sichtweise beim Erzählstil zwischen den beiden Ermittlern bringt in die Handlung eine erfrischende Würze. Dies wird durch die Eigenheiten der Hauptprotagonisten verschiedenen Geschlechts mit einem Hang zur Unordnung bzw. Penibilität unterstützt.

Und die beiden haben ordentlich zu tun: Denn es wird gemordet. Die Mörder: leicht zu finden. Doch warum? Die Wut und der Hass unerklärlich tief. Wer wird der nächste Mörder?
Auch im Team gibt es auf einmal unerklärliche Spannung; die ein neuer Kollege nur noch verstärkt.

Es stellt sich die Frage:

Was braucht es, um einen Mörder zu erschaffen?


Anfänglich kam ich mir trotz des gelungenen Schreibstils bei der der Vielfalt der Namen und der Handlung etwas verloren vor. Doch dies sollte vermutlich einfach so sein. Denn wo wäre der Thrillereffekt, wenn gleich am Anfang alles klar und eindeutig wäre? Schließlich stehen Daniel Buchholz und Nina Salomon vor dem gleichen Problem.

Das Buch hat Bezug zu aktuellen Themen (Achtung: neutraler Mini-Spoiler: Psychometrie, Big Data, Cambridge und German Wings) und ich war erstaunt und auch erschrocken über die gezogenen Rückschlüsse und möglichen (!?) Missbrauch. 

Mehr verrate ich nun wirklich nicht. 8 von 10 Punkten aufgrund der unübersichtlichen Täter/Opferkonstellationen.


Verlag: Wunderlich
erschienen: 2018
Seiten: 368
ISBN: 978-3805200158