Sonntag, 29. Juli 2018

Rezension [Hörbuch] // Neil Gaiman - Coraline von SINA

© Sina Frambach

Coraline ist mit ihrer Familie in eine neue Wohnung gezogen. In der Wohnung befindet sich eine Tür, die nirgends hinzuführen scheint, denn sie ist zugemauert. Coralines Neugier ist jedoch geweckt und plötzlich findet sie sich in einer Parallelwelt wieder. Ihre "andere" Mutter umsorgt sie und sagt ihr ständig, dass sie sie liebt. Doch der Schein trügt. Denn die "andere" Mutter hat nur eins im Sinn: Coralines Seele zu erhalten. 

Neil Gaiman steht für besondere Geschichten. Besonders gruselig, besonders skurril, besonders genial. Dieser Umstand hat mich damals dazu geführt, von ihm "Das Graveyard-Buch" zu hören. Danach wollte ich mehr. Doch wie man es kennt: es kommt was dazwischen und aus den Augen aus dem Sinn. Nun habe ich durch Zufall "Coraline" als Hörbuch bekommen und mich sogleich in das wunderschöne Cover verliebt. Und da ist wusste, dass dieses Buch auch schon verfilmt wurde, war ich umso neugieriger. 

Und ich wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte fängt wie ein Kinderbuch an, ist aber nicht für Kinderohren geeignet, zumindest würde ich das Alter ab 12 (für Unerschrockene) empfehlen. Es kommt doch zu einigen gruseligen Szenen.

© Sina Frambach
Coraline ist ein sehr sympathisches junges Mädchen. Sie hat einen großen Entdeckerdrang und ist Dank ihrer Unerschrockenheit auch mit so viel Mut gesegnet, dass sie die größten Probleme bewältigen kann.

Mit der Sprecherin Anna Thalbach wird die Geschichte dann nochmals hörenswerter. Anna Thalbachs Stimme hat einen unverwechselbaren Klang. Sie ist in der Lage, mehrere Stimmlagen abzudecken, so dass man die unterschiedlichen Charaktere auch sehr gut heraushören kann. Aber auch gruselige, spannende oder einfühlsame Szenen werden sehr gut vorgetragen. Man hat Mühe, wegzuhören und teilweise war ich so auf das Hörbuch fixiert, dass ich bei der Hausarbeit inne hielt, um einfach nur zuzuhören. Anna Thalbach hat es mit diesem einen Hörbuch geschafft, in die Riege meiner Lieblingshörbuchsprecher einzusteigen.

© Sina Frambach

Die Geschichte an sich ist aber auch spannend und ungewöhnlich. Coraline hat eine so liebenswerte Art, dass man gerne mit ihr zusammen auf Entdeckungstour gehen möchte. 

Die skurrilen Figuren, die im Laufe der Geschichte auftauchen, sind wunderbar ausgearbeitet. Es gibt einfach nicht zu viel und nicht zu wenig: alles ist gerade richtig und mit dem perfekten Touch an Wahnsinn versehen.

Der Film ist mittlerweile auch in meinem Besitz und ich freue mich schon, neben dem Gehörten nun auch das Gesehene verarbeitet zu dürfen. 

Außerdem sind auch weitere Geschichten des Autors auf meiner Wunschliste gelandet und diesmal wird bestimmt nicht so viel Zeit vergehen, bis ich mich einem der nächsten Titel von ihm widmen werde.

Fazit:
Eine außergewöhnliche Geschichte mit außergewöhnlichen Charakteren und außergewöhnlichen Momenten. Ich vergebe 10 von 10 Punkten.

Verlag: Silberfisch
erschienen: 2009
Format: 3 CDs, ungekürzte Lesung
Länge: 212 Minuten
ISBN: 9-783-867-426640

© Sina Frambach

Rezension // Rainer Wekwerth + Thariot - Pheromon: Sie sehen Dich (2) von SINA


© Sina Frambach

Als Jake auf Lee und Skagen trifft, scheint er endlich Antworten zu erhalten, die seine neuen Fähigkeiten erklären. Doch dann wird Lee getötet und Skagen festgenommen. Jake muss untertauchen und sucht verzweifelt nach einer Lösung. Als er auf die blinde Hannah trifft, scheint er eine Verbündete gefunden zu haben. 
100 Jahre in der Zukunft wird die Anwältin Giovanella Muscat beauftragt, herauszufinden, was mit Jake in der Vergangenheit passiert ist. Sie kommt dabei so einigen Ungereimtheiten auf die Spur. Bald merkt sie, dass auch ihr eigenes Leben auf dem Spiel steht.

Der zweite Teil beginnt dort, wo der erste geendet hat. Nahtlos geht es mit der Geschichte weiter. Wieder ist die Geschichte in zwei Stränge unterteilt. Einmal die Gegenwart im Jahr 2018 und einmal 100 Jahre in der Zukunft, 2118. 
In der Gegenwart begleiten wir wieder Jake, der nach den Vorfällen bei dem Anschlag auf ein Gebäude der Organisation HFP (Human Future Project) fliehen muss. Dabei war er so nahe daran, zu erfahren, was es mit ihm auf sich hat. 

Er muss untertauchen und trifft dabei auf Hannah. Hannah ist blind und wird scheinbar grundlos von einem Mann angegriffen und gewürgt. Jake hilft ihr sofort, tötet dabei jedoch aus Versehen den Mann. Doch fortan wird er als Mörder gesucht. 

Dies hat so weitreichende Folgen, dass auch 100 Jahre später, als die Anwältin Giovanella Muscat nach Jake im Internet sucht, plötzlich in Dinge hineingerät, die sie sich nicht im Traum hat vorstellen können. Ihre Nachforschungen bringen das FBI gegen sie auf und plötzlich findet sie sich in einem Szenario wieder, welches sie um ihr Leben bangen lässt.

In der Gegenwart, geschrieben von dem Autor Rainer Wekwerth, spitzen sich die Ereignisse jedoch auch zu. Es werden neue Figuren eingeführt, bei denen am Anfang noch unklar war, um wen genau es sich handelt bzw. warum sie eigentlich erwähnt werden. Erst im Laufe der Geschichte wird klar, welche Rolle sie spielen.

© Sina Frambach

Die Zukunft, erdacht von Thariot, gibt dabei so einigen Aufschluss über die Ereignisse in der Gegenwart. Aber auch neue Fragen kommen auf und so wird es reichlich verzwickt. In welchem Zusammenhang stehen alle Personen und warum tun manche so geheimnisvoll, während andere mit offenen Karten spielen?

Ich hatte leider etwas Mühe, in die Geschichte zu finden, da sich die ersten Kapitel - trotz der darin enthaltenden Action - doch etwas ziehen. Erst nach etwas einem Drittel kam richtig Fahrt auf und wir erhalten viele Einblick in die Fragen, die sich auftun.

Die Situation eskaliert, als 2118 Giovanella so richtig in die Materie eintaucht und zu verstehen beginnt. Hier kommt es dann auch zu grausameren Szenen. Denn das FBI mischt gehörig mit. Das das Buch ab 14 Jahren angegeben wird, halte ich hier für vollkommen gerechtfertigt.
Giovanella wächst über sich hinaus und findet eine Verbindung ins Jahr 2018. Wie genau jedoch alles zusammenhängt, bleibt noch ein Rätsel. Aber schließlich muss ja auch für den dritten Teil noch Handlung übrig bleiben. Auf diesen freue ich mich sehr, denn ich bin gespannt, wie die Autoren nun alles auflösen und vor allem, warum genau alles so ist, wie es denn nun ist.

Die Zusammenarbeit der beiden Autoren ist grandios. Ich bin immer wieder fasziniert, wie zwei Autoren unterschiedliche Schreibstile zu einem Buch zusammen"basteln" und daraus eine Geschichte machen, die spannend, abenteuerlich, fantastisch und vor allem (für mich) bislang sehr logisch ist.

Auch wenn ich einige Ahnungen habe, bin ich doch weiter gespannt, wie sich alles nun entwickelt. Vor allem frage ich mich, ob sich meine Ahnungen bewahrheiten oder doch wieder einige Überraschungen eingebaut wurden.

Fazit:
Ein spannender zweiter Teil mit vielen Wendungen und Neuerungen. Ich vergebe 9 von 10 Punkten.

Verlag: planet!
erschienen: 2018
Format: ebook
Printseiten: 
ISBN: 978-3-522-65389-3

Rezension [Hörbuch] // Otto Waalkes - Kleinhirn an alle von SINA

© Sina Frambach

Otto Waalkes - wer kennt ihn nicht? Ein Urgestein der Comedy-Geschichte, Kultfigur, Erfinder der Ottifanten, (Ost)Friesenjung und Meister seines Fachs.
70 Jahre jung und immer noch nicht erwachsen. Nun legt er seine Ottobio... äh, Autobiografie vor.

Da mich Otto auch schon sehr lange begleitet, war es mir eine große Ehre, seine Biografie zu lesen und nun auch zu hören und sein bisheriges Leben Revue passieren zu lassen. 

© Sina Frambach

Geboren in Emden, Ostfriesland, nahm seine Karriere einen steilen Verlauf. Somit sieht Otto auf über 50 Jahre Erfahrung zurück. Einfach war es nicht, denn mit wenigen Mitteln musste so einiges gestemmt werden. Doch Vitamin B und viel Herzblut haben geholfen, Otto zu dem zu machen, was er heute ist.

Otto Waalkes erzählt teilweise sehr sachlich von seinem Leben, immer wieder mit kleinen Einschüben seiner Witze aus seiner Karriere. Er erzählt von seiner Kindheit, der Gründung seiner ersten Band "The Rustlers", seiner Vorliebe für die Beatles, der ersten Freundin, dem alltäglichen Wahnsinn, seiner ersten CD, dem ersten Film, der ersten Serie. Und erzählt davon, nicht aufzugeben, sich seine Wünsche zu erfüllen.

© Sina Frambach

Er berichtet über Amerika, Hamburg und Ostfriesland, über Eltern, Freunde und seinen Bruder. Über Musik, Witze und Kunst. Was ihn bewegt, nervt und erstaunt.
Seine Idole, die Beatles und Jerry Lewis, spielen eine große Rolle und haben ihn inspiriert. Zwei gescheiterte Ehen, ein großartiger Sohn, gefühlt tausende Shows und Millionen Gags später zieht er Bilanz und würde alles nochmals genau so machen, wie bisher.
Und er macht weiter, so lange es geht.

Ich persönlich fand den Stil fast schon etwas zu nüchtern. Emotionen vermisst man teilweise, nur an manchen Stellen steigert er sich rein und erzählt detailverliebt von Geschehnissen. 
Und doch ist es faszinierend, mal den echten Otto kennenzulernen, über Ängste und Sorgen zu erfahren und nicht immer nur den "witzigen Kerl von der Bühne" zu erleben. 

Ich liebe insbesondere seine Neuinterpretationen des Märchens "Hänsel und Gretel", wo Otto uns auch mal zeigt, dass die Hexe ein Mensch ist wie Du und ich. 
Unvergessen auch die Otto-Filme...

© Sina Frambach

Ich könnte so viel aufzählen, doch würde dies den Rahmen sprengen. So möchte ich jedem, der Otto mag, mit ihm aufwuchs oder sonstigen Bezug zu ihm hat, nahe legen, die Ottobiografie zu hören ud sich von dem Genie und dem Wahnsinn berieseln zu lassen.

Erzählt wird hier von Otto selbst. Zu Anfang fand ich dies auch noch sehr gelungen, denn er erzählt so, wie er auch auf der Bühne ist. Aber nur zu Anfang. Dort merkt man noch das verschmitzte in seiner Stimme. Je weiter wir uns jedoch der Gegenwart nähern, umso sachlicher wird er. Er liest vor und legt manchmal auch keine Emotion in das Gelesene. Hier habe ich die typischen Geräusche vermisst, den typischen Otto eben. Einzig wenn er einen Witz vorträgt oder ein Gedicht lässt er sich hinreißen.

Fazit:
70 Jahre Otto - und kein bisschen l(w)eise. Ich vergebe 8 von 10 Punkten.

Verlag: RandomHouse Audio
erschienen: 2018
Format: 5 CDs, gekürzte Lesung
Länge: 6 Stunden, 12 Minuten
ISBN: 978-3-873-141351

© Sina Frambach

Rezension // Volker Klüpfel + Michael Kobr - Kluftinger: Laienspiel (4) von SINA

© Sina Frambach

Kluftinger hat eigentlich schon mit den Proben zum Theaterspiel zu "Tell" alle Hände voll zu tun, als ein Toter die beschauliche Ruhe im Allgäu stört. Recherchen ergeben, dass dieser Tote nur der Anfang war. Ein Terroranschlag ist geplant. Denn auf dem Laptop des Toten finden sich diverse Mails und ein Countdown. 
Plötzlich verwandelt sich die Polizei Kempten in ein Hauptquartier, wobei Kluftinger nunmehr dem BKA unterstellt ist. Angeführt von Faruk Yildrim, einem türkischstämmigen jungen Mann, der mit viel Enthusiasmus und Sachkenntnis an die Angelegenheit herangeht. 
Kluftinger währt sich in einem Alptraum, doch die Ermittlungen schreiten gut voran. Bis allen klar wird, wo die Bombe hochgehen soll.
Und dann ist da noch Dr. Langhammer, der sich ungefragt in Kluftingers Eheleben einmischt und mit immer guten Ratschlägen parat steht.

Diesmal wird es sehr rasant, denn ein Countdown bildet den Mittelpunkt des Buches. Schaffen es die Kemptner Polizei, das BKA und als grenzübergreifende Hilfe auch die österreichischen Ermittler, herauszufinden, was genau mit dem Countdown gemeint ist? Ein Terroranschlag steht von vornherein fest, doch wie, wer und vor allem wo?

© Sina Frambach

Das ernste Thema Terrorismus wird abgehandelt und trotzdem schaffen es die Autoren, dies etwas in den Hintergrund zu stellen und Kluftinger diesmal zur Höchstform auflaufen zu lassen. Denn neben dem kniffligen Fall hat er noch mit Dr. Langhammer zu tun, dem Altusrieder Landarzt, der sich ungefragt in Kluftingers Eheleben einmischt.

Für Kluftinger ist es natürlich ungewohnt, dass er die Anweisungen nun nicht von seinem Chef Lodenbacher erhält, sondern von dem Terrorexperten Yildrim, mit dem sich Kluftinger jedoch auf Anhieb gut versteht. Trotzdem fügt er sich nahtlos in das Ermittlungsteam ein und die Zusammenarbeit läuft einwandfrei. Dass der Kommissar trotzdem wieder in Fettnäpfchen tritt, muss wohl nicht erwähnt werden.

Hinzu kommen die Proben zu dem Laienspiel "Tell", bei welchem Kluftinger und seine Familie mitwirken. Dies ist schon Tradition und so nimmt Kluftinger dies auch sehr ernst. Er versucht, die Proben weitestgehend einzuhalten, doch die Aufklärung des Terroranschlags nimmt ihn dann doch sehr in Anspruch. 

Und um allem die Krone aufzusetzen, hat Erika, Kluftingers Frau, zusammen mit den Langhammers noch einen Tanzkurs organisiert. Natürlich sehr zur Freude Kluftingers. Nicht. Diese Szene mit dem Tanzkurs war so herrlich komisch, dass ich mehrmals laut auflachen musste. Mein Kopfkino hatte hier ordentlich zu tun.

Ansonsten geht Kluftinger wieder sehr geordnet an die Aufklärung des Falls. Hier merkt man sehr, wie genial logisch er denken kann. Gerade am Ende, als alles hart auf hart kommt, lässt ihn sein Gehirn nicht im Stich.

© Sina Frambach

Der vierte Fall des Kommissars war sein bislang schwerster, nicht nur, weil er mit so vielen unterschiedlichen Personen zusammenarbeiten musste, sondern auch, weil er so viele unterschiedliche Hinweise hatte, die eigentlich kein richtiges Bild ergaben. 

Die Geschichte ist sehr kurzweilig und man hat zu keiner Zeit das Gefühl, dass man mit zu vielen "polizeilichen" Informationen überhäuft wird. Trotzdem bekommt man einen guten Einblick in das Vorgehen des BKA. 

Fazit:
Eine rasante Geschichte mit einem genialen Kommissar Kluftinger. Ich vergebe 9 von 10 Punkten.

Verlag: Piper
erschienen: 2008
Format: Taschenbuch
Printseiten: 368
ISBN: 978-3-492-05073-9

Dienstag, 17. Juli 2018

Rezension // Juno Dawson - Clean von SONJA


© Sonja Kochmann


Als ich den Klappentext zu "Clean" las, musste ich an das Buch "Mein Sommer auf dem Mond" von Adriana Popescu denken. Da mir dieses Buch so gut gefallen hat, war ich gespannt wie diese Version der heiklen Themen "Abhängigkeit" und "Therapie" ausfallen würde.

Der Schreibstil von Juno Dawson hat mir sehr gut gefallen. Trotz des "schweren" Themas war das Buch von Anfang an locker und leicht zu lesen.

Lexi, Hotelerbin und Partyjunkie, wird von ihrem Bruder gegen ihren Willen in die Einrichtung Clarity eingewiesen. Nach und nach wird sie mit allen Höhen und Tiefen clean. Dabei lernt sie die anderen Patienten Ruby, Brady, Sasha, Guy, Kendall und Saif kennen. Alle haben Probleme mit der Abhängigkeit: Alkohol, Pillen, Drogen, Sex und Essen.

Lexi muss ihr altes Leben hinterfragen und ändern. Doch nur wie?

Eindrucksvoll beschreibt die Autorin die tollen Gefühle des "High seins" und den abartigen, ekligen Entzug mit seinen Folgen. Man kann die Augen nicht verschließen. Das Buch zeigt die unschöne Seite der Suchtmittel. (Das vom Verlag empfohlene Alter beträgt übrigens 14 Jahre. Dem kann ich hier nur zustimmen.)

Das Buch ist in Abschnitte eingeteilt und zwar in die einzelnen Schritte der Therapie. Dr. Ahmed und Dr. Goldstein, der sympathische väterliche Arzt, der selbst einige Probleme hatte, bringen die jungen Erwachsenen mehr oder weniger zurück ins Leben. Nicht alle werden es schaffen.

Man muss sein Problem erkennen und zu geben, den Willen zum Gesund werden aufbringen, Vertrauen erlernen und Hilfe annehmen, seine eigene Stärke erkennen und Selbsthass umwandeln in das Bestreben ein besserer Mensch zu werden. Dabei muss man Veränderungen zu lassen und Wiedergutmachung leisten.

Lexi und auch die anderen lernen durch die harte Schule, dass man dabei scheitern kann und dass sie sich nun ein Leben lang der Sucht stellen müssen.

"Gossip Girl flog übers Kuckkucksnest", ein Zitat aus dem Buch, was ich sehr passend fand, klärt mit unschönen Leidens- und Lebenswegen auf und lässt den Leser um seine Protagonisten bangen und hoffen: volle Punktzahl.

Einen lobende Ehrenpunkt, gibt es für die im Anhang aufgeführten Hilfsstellen, sofern man sich durch dieses Buch angesprochen fühlt und Hilfe benötigt.

Verlag: Carlsen
erschienen:
Seiten: 400
ISBN: 978-3551583826

Rezension // Katharina Herzog - Zwischen dir und mir das Meer von SONJA


© Sonja Kochmann
Nach "Immer wieder im Sommer" musste natürlich auch "Zwischen dir und mir das Meer" auf meinem ebook-Reader Platz finden.

Leider war bis vor ein paar Wochen das Wetter grau und kühl, so dass ich einfach literarisch keinen Ausflug nach Amrum und an die Amalfiküste machen wollte. Als ich das Buch dann bei schönem sommerlichen Temperaturen beendet hatte, fehlten mir einfach die richtigen Worte, um eine Rezension zu schreiben: das Buch ist einfach soooooooooooooooooo schön!

Katharina Herzog hat mit diesem Buch eine sommerliche Familiengeschichte erschaffen, die einfach ans Herz geht: Lena arbeitet auf Amrum in einem Hospiz. Nach dem Ertrinken der Mutter Mariella im offenen Meer kann sie den Gedanken nicht ertragen, dass Menschen beim Sterben allein sind. Das Meer, wird von ihr als Schwimmerin gemieden, doch beim Sammeln von Meerglas geliebt. Anders als ihre Schwester Zoe, die in die Welt hinauszieht und wagemutig alles riskiert. Als eines Tages der Italiener Matteo die Insel aufsucht, kommen die italienischen Wurzeln der Mutter ans Licht. Die Vergangenheit der Mutter bewegt die Schwestern sehr und so machen sich diese auf den Weg nach Italien.

Ein Satz in diesem Buch hat es mir besonders angetan: "Wenn einem in der Familiengeschichte ein Band fehlte, dann konnte auch die eigne Geschichte niemals komplett sein." (Seite 74) 

Lena und Zoe wissen nicht viel über die italienischen Wurzeln ihrer Mutter und Katharina Herzog schafft es erstaunlich einfühlsam darzustellen, was die beiden Schwestern prägte und warum diese so unterschiedlich durchs Leben gehen. Ich persönlich konnte mich mehr mit Lenas zurückhaltender Art anfreunden, doch diese macht Dank der italienischen Lebensfreude und ordentlich amore eine große Entwicklung bei der Suche von Mariellas Geheimnissen durch.

Anhand eines Fotos findet Lena ihren Großvater, der auf traditionelle Weise Zitronen züchtet und sich eisern gegen die großen Händler behauptet. Genau wie vor zig Jahren. Denn durch geschickte Perspektivwechsel der Kapitel erfährt der Leser genau wie Lena und Zoe nach und nach, was damals geschah.

Und noch einer, weil es so schön ist: "Am Ende fand jeder seinen Frieden, egal wie er zuvor gelitten hatte." (Seite 343)

Lest selbst von der friesischen Oma Hilde, vom italienischen Opa Babbo und einigen anderen wichtigen Personen und Ereignissen: volle Punktzahl.

Verlag: Rowohlt
erschienen: 2018
Seiten: 352
ISBN: 978-3499274206

Montag, 16. Juli 2018

Rezension // Volker Klüpfel + Michael Kobr - Kluftinger: Seegrund (3) von SINA


© Sina Frambach

Bei einem Spaziergang am Alatsee findet Kluftinger mit seiner Familie einen verletzten Taucher. Dieser ist bewusstlos und liegt in einer Lache aus rotem Blut. Wie sich herausstellt, ist es jedoch kein Blut, sondern Bakterien aus dem See. Als Kluftinger weiter recherchiert, stößt er auf viele Ungereimtheiten. Wer ist der Verletzte? Warum ist er am Alatsee getaucht, wo es doch heißt, dass Tauchen hier sehr gefährlich ist? Und was hat er gesucht? Die Hinweise führen zu längst vergangenen Tagen aus dem Zweiten Weltkrieg.
Gleichzeitig ist auch die Freundin von Kluftingers Sohn Markus bei den Kluftingers zu Gast, um mit ihnen gemeinsam Weihnachten zu feiern. Yumiko ist Japanerin und stellt damit Kluftingers Weltbild auf den Kopf. Vor allem, weil er sie sehr sympathisch findet und - um ihr alles recht zu machen - wieder jedes Fettnäpfchen mitnimmt, dass sich ihm in den Weg stellt.

Kluftinger, wie er leibt und lebt. Was witzig beginnt - die Ankunft Yumikos und die Suche nach einem Restaurant zum Essen - endet in einem dramatischen Wettlauf mit der Zeit. Der verletzte Taucher am Alatsee wirft unendlich viele Fragen auf, die Kluftinger und seine Kollegen eine zeitlang beschäftigten. Und je mehr man von dem Fall erfährt, umso weiter reist man zurück in die Vergangenheit bis hin zum Zweiten Weltkrieg.

© Sina Frambach
Im Vorwort schreiben die Autoren, dass in dem Buch Wahrheiten verarbeitet sind und googelt man nach "Alatsee" bekommt man so einige Verschwörungstheorien vorgeworfen. Für mich immer wieder interessant, weil ich wahre Begebenheiten in einem Roman gerne weiterverfolge und mir so weiteres Hintergrundwissen aneignen kann.

Die Autoren haben sich nun von den Gerüchten rund um den See inspirieren lassen und einen weiteren Allgäu-Krimi mit Kommissar Kluftinger geschaffen. Der schrullige Kommissar hat wieder seine ganz eigene Methode, um den Fall zu knacken. Diesmal bekommt er Hilfe von einer ebenso schrulligen Kommissarin namens Friedel Marx. Die zigarillorauchende Frau, die eher ein Mann hätte abgeben sollen, ist Kluftinger zwar keine sehr große Hilfe - meint er zumindest -, doch schleicht sie sich schon ein bisschen mit ihrer nicht normalen Art in sein Herz.

Auch dem Charme Yumikos, einer junge Japanerin, die zusammen mit Kluftingers Sohn Markus den heimischen Frieden auf den Kopf stellt, kann sich Kluftinger nicht entziehen. 

Und so ergibt sich wieder eine Geschichte der anderen Art.

© Sina Frambach
Auf der einen Seite steht natürlich das Ernste, der Fall des verletzten Tauchers. Auf der anderen die heitere Version des Privatlebens des Kommissars.
Beides bringt Kluftinger eigentlich in guten Einklang, muss aber wieder so einiges einstecken, beruflich wie privat.

Dies führt zu einer gelungenen Mischung aus Komödie und Krimi und lässt einem gebannt weiterlesen. 
Aber auch Kluftingers Kollegen kommen nicht zu kurz und arbeiten kräftig mit. Ebenso die Familie, die immer für einen Lacher gut ist.

Fazit:
Das Allgäu, ein ungelöster Fall und Kommissar Kluftinger in seinem Element. Ich vergebe 9 von 10 Punkten.

Verlag: Piper
erschienen: 2008
Format: Taschenbuch
Printseiten: 352 
ISBN: 978-3-492-25094-8

Donnerstag, 12. Juli 2018

Rezension // Volker Klüpfel + Michael Kobr - Kluftinger: Erntedank (2) von SINA

© Sina Frambach
Hauptkommissar Kluftinger hat es diesmal mit einem Serienmörder zu tun. Lag auf der ersten entdeckten Leiche noch eine Krähe, wurde bei der zweiten eine rätselhafte Botschaft gefunden. Warum bedient sich der Mörder an der Allgäuer Sagenwelt? Was will er damit bezwecken? Kluftinger taucht ein in die Märchen des Allgäus und stößt dabei auf sehr interessante Dinge. 
Diesmal bekommt er tatkräftige Unterstützung von seinem Sohn Markus, der als Psychologie-Student einiges beisteuern kann.
Aber auch in Kluftingers Privatleben wird es nicht langweilig, vor allem, da er, Dank eines kaputten Wasserrohrs im Bad, gerade bei Dr. Langhammer Unterschlupf finden muss.

Kluftinger, die Zweite. Und ebenso charmant, chaotisch und witzig, wie der erste Teil. 

© Sina Frambach

Der Serienmörder hält Kluftinger auf Trab. Hat aber auch einen positiven Nebeneffekt. Denn der Kommissar kann sich näher mit seinem geliebten Allgäu beschäftigen, diesmal in märchenhafter Hinsicht. Viele Sagen und Legenden werden angesprochen und bringen einem das "alte Allgäu" noch etwas näher. 

Kluftingers Herangehensweise an den Fall ist ungewöhnlich. So sehr er auch darauf bedacht ist, dass alles harmonisch verläuft, so sehr kann er aber auch den Chef heraushängen lassen, wenn es nicht nach seiner Nase geht. 
Seine Kollegen kennen seine Art, doch bei den Zeugen und Tatverdächtigten führt dies eher zu Abneigungen. Aber trotzdem schafft er es immer wieder, das Ruder herumzureißen und die letzte Information aus einem herauszukitzeln.

Fettnäpfchen, die herumstehen, nimmt er regelmäßig mit. Ungeliebte Aufgaben schiebt er auf "ungeliebte" Kollegen ab. Zollt jedoch allem Respekt und lobt für getane Arbeit.

© Sina Frambach

Die Ausflüge ins Privatleben machen die Geschichte dann noch liebenswerter. Kluftingers Ehefrau Erika ist ganz in ihrem Element. Sie liebt ihren Mann, wäre jedoch froh, wenn ab und zu ein bisschen Abwechslung in ihr Eheleben eintreten würde. Andere Leidenschaften wie Hausmannskost oder jeden Abend vor dem Fernseher einschlafen, stattdessen Spieleabende oder mal ausländisches Essen probieren. Gut, dass da die Langhammers sind.
Schlecht, dass Kluftinger Langhammer nicht leiden kann. 

Doch wieder gut für uns, denn so kommt es zu Szenen, die einem zum Schmunzeln bringen. Man steht immer wieder auf der Seite Kluftingers, der mit seinem tollpatschigen, naiven und alteingesessenem Verhalten für viele Lacher sorgt.

Der Running Gag des nicht genannten Vornamens Kluftingers bleibt erhalten. Ich bin gespannt, wann sich dies auflöst.

Der Schreibstil des Autorenduos ist flüssig lesbar. Die Geschichte ist spannend, wird an den richtigen Stellen in Szene gesetzt und es kommen keine unnötigen Pausen auf.

Fazit:
Erntedank mal anders. Ich vergebe 10 von 10 Punkten.

Verlag: Piper
erschienen: 2006
Format: Taschenbuch
Seiten: 384
ISBN: 978-3-492-24511-1


Rezension // Volker Klüpfel + Michael Kobr - Kluftinger: Milchgeld (1) von SINA

© Sina Frambach

Kluftinger, Hauptkommissar bei der Polizei Kempten, liebt Kässpatzen, gutes Bier und ein ruhiges Leben. Dies wird jedoch jäh unterbrochen durch einen Toten in seinem Heimatort Altusried. 
Als Kluftinger an die Nachforschungen geht, stößt er auf ziemliche Ungereimtheiten. Dabei führt eine Spur zu einer bekannten Käsefirma im Allgäu. 
Gerade Käse, den Kluftinger ja so liebt. 
Und als wäre ein Toter nicht genug, fährt Kluftingers Ehefrau Erika auch noch ohne ihn nach Mallorca, weil der Fall es gerade nicht zulässt, dass Kluftinger in Urlaub geht. So muss sich Kluftinger auch noch um sich selbst kümmern. 

Die schrullige und verschrobene Art des Kommissars ist sehr liebenswert. Dabei gerät die Aufklärung des Falls fast in den Hintergrund. 
Mit außergewöhnlichen Handlungsweisen, ebenso verschrobenen Kollegen und einem Hang, in Fettnäpfchen zu treten, gibt Kluftinger einen sehr sympathischen Charakter ab. 
Das Allgäu wird mit sehr viel Liebe beschrieben, ebenso die Protagonisten. Das Autorenduo legt dabei sehr viel Herzblut in die Geschichte, was den Allgäu-Krimi zu etwas ganz besonderem macht.

Mit seinem ganz eigenen Charme nimmt Kluftinger einen besonderen Platz ein und schleicht sich in jedes Herz. Seine Kollegen Strobl, Hefele und Meier ebenfalls, aber auch die Ehefrau Erika, die ihren "Butzele" liebt und trotz seiner komischen Eigenarten zu ihm hält.

© Sina Frambach

Aber nicht nur mit dem Mordfall muss sich Kluftinger abmühen. Wenn er arbeitet, ist er ganz in seinem Element und geht auch sehr professionell zu Werk. Muss er jedoch mit seinen Mitmenschen persönlich agieren, fällt es ihm sehr schwer, sich "normal" zu benehmen. Er interpretiert so einiges falsch, liest Dinge heraus, die so nicht sind und wundert sich über manches Verhalten, weil er selbst so nie reagieren würde.

Gerade wenn er auf seinen "Feind" Dr. Langhammer trifft, wird es zum Schreien komisch. Dr. Langhammer ist Arzt und der Mann der besten Freundin von Erika, Kluftingers Ehefrau. Erika und Annegret fahren zusammen nach Mallorca, wobei Annegret kurzfristig an Kluftingers Stelle einspringt. Dabei nehmen die Frauen ihren Männern das Versprechen ab, sich zu treffen und gemeinsam zu kochen. 
Kluftinger, der lieber seine Ruhe haben will, würde dieses Versprechen gerne brechen, doch Langhammer, ein sehr alternativ und sportlich lebender Mann, sieht darin die Chance, das Verhältnis zu Kluftinger zu verbessern. 
So stoßen ein mürrischer Kluftinger und ein aufgedrehter Langhammer aufeinander und es kommt zu Szenen, die besser nicht sein könnten. 

© Sina Frambach

Es macht sehr viel Spaß, Kluftinger auf seinem Weg der Recherche zu begleiten. Aber auch die private Seite hat ihren Reiz. 

Ein Running Gag: Kluftingers Vorname wird nie genannt, was sich auch durch die weiteren Bände zieht und - glaube ich - auch erst im zehnten Band aufgelöst wird. 

Fazit:
Ein Allgäu-Krimi mit viel Herz, Charme und vielen Fettnäpfchen. Ich vergebe 10 von 10 Punkten.

Verlag: Piper
erschienen: 2005
Format: Taschenbuch
Printseiten: 320
ISBN: 978-3-492-24216-5

Rezension // Markus Heitz - Die dunkle Zeit: Die Quellen des Bösen (6) von SINA


© Sina Frambach
Govan, der nunmehrige Herrscher über das Land Tarpol, baut seine Macht weiter aus. Er erobert und zerstört. Zusammen mit seiner Schwester Zvatochna möchte er die uneingeschränkte Herrschaft über den ganzen Kontinent Ulldart 
Doch Rebellenzellen auf dem ganzen Kontinent verteilt, schießen sich zusammen, um das Land zu befreien. Ein Gerücht hält sich dabei hartnäckig und gibt allen Hoffnung, auf ein gutes Ende. Doch kann es wirklich sein, dass Lodrik, der ehemalige Kabcar, gar nicht tot ist? 

Der Abschluss der Ulldart-Reihe "Die dunkle Zeit" hat mich nochmals fesseln können. Der Autor legt ein gutes Tempo vor und bringt viele Höhepunkte ein. Man merkt gar nicht, dass das Buch über 800 Seiten hat. Die Spannung wird durchweg gehalten und alle angefangenen Stränge werden zu einem Abschluss geführt. Die Geschichte fliegt förmlich an einem vorbei und zieht einem in den Bann.

© Sina Frambach

Wir stoßen auf alte Bekannte, auf neue Weggefährten und auf unbekanntes Terrain. Und doch ist alles vertraut. Die Wege kreuzen sich, man gründet eine Rebellenallianz und kämpft gemeinsam gegen den Feind. Längst aufgegebene Charaktere rücken sich ins rechte Licht, kleinere Nebenrollen werden zu den wichtigsten Personen. 

Keine Fragen bleiben offen, Alls wird aufgeklärt, teilweise mit überraschenden Szenen. 

Gerade gegen Ende hatte ich mehrfach Tränen in den Augen, weil sich vieles genau so ereignet hat, wie ich es mir wünschte. Der Abschied von liebgewonnenen Figuren fiel mir nicht leicht. Und teilweise waren es auch nicht nur die Guten, bei denen es weh tat. 

Alle Charaktere übernehmen einen wichtigen Teil in der Geschichte, auch wenn dieser Charakter am Anfang noch so unwichtig erschien. So ergibt sich ein schlagkräftiges und cleveres Team. Jeder hat seine Aufgaben, jeder tut das, was er am besten kann.

Das Klischee "Gut gegen Böse" wird hier voll ausgereizt. Dabei droht alles jedoch nicht ins Kitschige zu fallen, da zwischendrin doch wieder Dinge passieren, die nicht vorhersehbar waren. Der rode Faden, der im ersten Teil seinen Anfang hat, wird kontinuierlich durch die Reihe verfolgt und hält bis in den letzten Teil.
Eine Eigenschaft, die nicht jedem Autor immer gelingt und einem umso froher macht, wenn man eine Reihe abschließt.

© Sina Frambach

Der Humor kommt wieder nicht zu kurz. Gerade in den Szenen mit König Perdor und dessen Hofnarr Fiorell. Dies lockerte auch alles etwas auf und man hatte eine kleine Verschnaufpause.

Zum Glück erwarten mich noch weitere Reihen des Autors, denen ich mich Vorfreude entgegenblicke.

Fazit:
Ein sehr gelungener Abschluss einer sehr gelungenen Reihe mit sehr gelungenen Protagonisten. Ich vergebe 9 von 10 Punkten. 

Verlag: Piper
erschienen: 2010
Format: ebook
Printseiten: 832
ISBN: 978-3-492-95054-1


Rezension // Christine Feret-Fleury - Das Mädchen, das in der Metro las von SINA

© Sina Frambach

Juliette fährt jeden Tag mit der Metro zu ihrer langweiligen Arbeit in einem Immobilienbüro. Dabei trifft sie auf die unterschiedlichsten Personen und beobachtet diese während der Fahrt. Besonders angetan haben es ihr diejenigen, die lesen. 
Als sie eines Tages zwei Stationen früher als gewohnt aussteigt, trifft sie auf Zaïde, ein junges Mädchen, dass sie sogleich mit in den "Buchladen" ihres Vaters Soliman nimmt. 
Soliman ist kein normaler Buchhändler. Denn er gibt seine Bücher an sogenannten Kuriere aus, die die Bücher an die Personen weitergeben sollen, die für die Bücher bestimmt sind. Juliette ist gleich gefangen von der Atmosphäre und findet Soliman und seine Tochter sympathisch. So lässt sie sich gleich darauf ein, als Soliman fragt, ob Juliette eine zeitlang auf den Laden und auf Zaïde aufpassen kann, da er für einige Zeit fort müsse. 
Juliette willigt ein, nichtsahnend, dass sich damit ihr ganzes Leben verändert.

Dieses kleine Büchlein hat mich sehr ratlos zurückgelassen. Leider konnte ich die Botschaft, die es vermitteln soll, nicht richtig nachvollziehen bzw. die Botschaft hat mich nicht so erreicht, wie es wohl von der Autorin gewünscht war.

© Sina Frambach
Einen richtigen roten Faden, dem man folgen kann, gibt es meiner Meinung nach nicht. Irgendwie ist die Geschichte eine lange Einleitung zu der eigentlichen Geschichte, die aber nicht folgt. Denn am Ende geht es erst richtig los und es bleibt der Phantasie des Lesers überlassen, wie wohl alles weitergehen könnte.

Juliette ist eine junge Frau, die mit ihrem Leben nicht zufrieden ist, aber nichts ändert, weil alles irgendwie so "eingefahren" wirkt. Ihre Wohnung gefällt ihr nicht, ihr Job ist mittelmäßig und das Leben eintönig. Doch ändern tut sich nichts. Bis Juliette auf Zaïde trifft. Ab da ist nichts mehr, wie es ist. Juliette fängt an, nachzudenken und geht Risiken ein, die sie vorher nicht mal im Traum in Betracht gezogen hätte. 

Immer wieder geht es um Bücher und Vergleiche, die mit den Geschichten gezogen werden. Soliman ist es, der Juliettes Inneres berührt und ihr eine neue Sichtweise vermittelt. Bis das Schicksal zuschlägt und alle Beteiligten plötzlich ein neues Leben planen müssen.

Eigentlich könnte diese Idee so wunderbar umgesetzt werden, doch die Autorin hat einen Weg eingeschlagen, der für mich nicht nachvollziehbar war.

© Sina Frambach
Ich muss auch noch anmerken, dass die Titelwahl des Buches nicht sehr glücklich gewählt ist. Denn Juliette liest so gut wie nicht in der Metro. Sie beobachtet die Leute, die lesen und stellt sich dabei vor, wer diese Personen wohl sind und warum sie gerade das Buch lesen, das sie gerade lesen. 

Die Autorin legt keinen großen Wert auf Tempo. Es vergehen zwar immer wieder Abschnitte von mehreren Wochen, doch werden diese nicht groß erklärt und in der nächsten Szene geht es weiter, als ob kein großer Zeitraum dazwischen liegen würde. 
Leise Töne werden angeschlagen und man taucht oft in die Gefühlswelt Juliettes hinab. Und doch konnte ich nicht wirklich einen Zugang zu Juliette finden.

Hinzu kommt, dass das Buch nur 176 Seiten lang ist und einem auch nicht sehr viel Zeit bleibt, alle richtig kennenzulernen, weswegen es auch wundert, dass die Autorin sich mit vielem so Zeit lässt. 

Am Ende findet Juliette ihren Weg, doch wäre es hochinteressant gewesen, zu wissen, wie es denn nun weitergeht und ob Juliette genau das findet, was sie sich wünscht und ob sie auch glücklich ist.

© Sina Frambach

Der Schreibstil ist wunderschön, doch bleiben die Figuren blass. Die Tiefe fehlt, auch wenn Gefühle beschrieben werden. Ich fand keinen Zugang zu den Charakteren. 

Weiter hätte mich auch interessiert, wie die anderen Charaktere zu dem wurden, was sie sind. Oder wie Zaïdes weiteres Leben wohl aussieht. Dies hätte vielleicht kurz angerissen werden können. 

Es bleiben viele Fragen offen und somit ließ mich das Buch, trotz des interessanten Ansatzes und des Themas, sehr unzufrieden zurück.

Fazit:
Wunderschöner Anfang, kurze Abhandlung, unzufriedenes Ende. Ich vergebe 4 von 10 Punkten.

Verlag: Dumont
erschienen: 2017
Format: Hardcover
Printseiten: 176
ISBN: 978-3-8321-9886-2